Die Krise sorgte für einen Run auf den Bondmarkt. 2021 geht es mit der milliardenschweren Emission von Bayer direkt gut weiter, aber insgesamt wird es dieses Jahr wohl ein geringeres Emissionsvolumen geben.

Bayer

19.01.21
Finanzierungen

Corona sorgt für Rekorde auf dem Bondmarkt

2020 war der Run auf den Anleihemarkt groß. Großer Durst nach Cash traf auf entschiedene Unterstützung der Zentralbanken. Wie geht es 2021 weiter?

Mit Emissionen von Bayer gab es bereits einen voluminösen deutschen Auftakt am Bondmarkt. Doch auch der Blick zurück zeigt ein enorm aktives Jahr: Nach dem anfänglichen Coronavirus-Schock war der Anleihemarkt im vergangenen Jahr für viele CFOs das Mittel der Wahl, wenn es um Finanzierung ging. Der Wunsch nach höheren Liquiditätspolstern in der Krise sorgte 2020 deshalb für ein neues Rekordvolumen am Corporate-Bondmarkt: Insgesamt wurden Investmentgrade-Anleihen über 418 Milliarden Euro platziert. Im Jahr 2019 – dem bisherigen Rekordhalter – waren es lediglich 350 Milliarden Euro.

Auch die High-Yield-Bonds verzeichneten ein extrem aktives Jahr. Dabei hatten sie im Frühjahr, als die Krise hereinbrach, einen wesentlich schwereren Stand. Der Markt für High-Yield-Bonds war über Wochen geschlossen – zu groß war die Zurückhaltung der Investoren. „Das hat sich zum Sommer hin wieder entspannt, der Markt stand Unternehmen aus allen Kategorien wieder offen“, kommentiert Martin Wagenknecht, DCM-Chef der Société Générale für die DACH-Region. 

Weiter sinkende Spreads am Anleihemarkt erwartet

Für Entspannung sorgte nicht zuletzt die Europäische Zentralbank, die den Markt mit ihren Anleihekäufen, inklusive einem neu aufgelegten Pandemieprogramm, stützt. Die Aufstockung des Programms im Dezember hat noch einmal unterstrichen, dass die EZB ihr Engagement so lange fortsetzen wird wie nötig. „Sollte sich die Covid-Lage zum Sommer hin etwas entspannen, kann ich mir vorstellen, dass die EZB die Liquiditätszufuhr langsam drosseln wird“, so Wagenknecht.

Derzeit fließen monatlich rund 6,6 Milliarden Euro aus dem bereits länger bestehenden Corporate Sector Purchase Programme in den Markt für Unternehmensanleihen. Dazu kommen 3,3 Milliarden Euro aus dem Pandemie-Notkaufprogramm. „Es muss sich noch zeigen, wie sich diese monatlichen Summen in diesem Jahr entwickeln, die EZB geht da flexibel vor“, so der DCM-Experte.

Neben dem Engagement der Zentralbank profitierte der Markt auch davon, dass viele Unternehmen besser durch die Krise kamen als befürchtet. Die Spreads der Investmentgrade-Anleihen liegen daher wieder in etwa auf Vorkrisenniveau. „Wir rechnen zudem mit einer weiteren Einengung in der ersten Jahreshälfte, bevor die Spreads dann zum Jahresende wieder etwas steigen könnten“, erklärt Wagenknecht. Hintergrund ist, dass in einigen Monaten die Zahl der Ausfälle aufgrund der längerfristigen Auswirkungen der Krise zunehmen könnte. In den USA sei der Punkt bereits jetzt mit einer höheren Insolvenzrate erreicht, so Wagenknecht.

Starke Nachfrage nach Hybridanleihen

Von den sinkenden Spreads am Investmentgrade-Markt haben auch die Hochzinsanleihen profitiert, da das Interesse an den höherverzinslichen Papieren auf der Suche nach Rendite gestiegen ist. „Auch im High-Yield-Segment sind deshalb die Spreads im Jahresverlauf gesunken, liegen aber weiterhin über dem Vorkrisenniveau“, sagt der Banker. Mit einer 1,5 Milliarden Euro schweren Transaktion hat der Immobilienkonzern Adler (S&P-Rating: BB) gerade erst gezeigt, dass der Markt auch 2021 offen ist. Das Orderbuch lag bei über 4 Milliarden Euro. Sollten die Default-Raten zunehmen, so könnte sich der Trend vor allem für Single-B-Emittenten und darunter schnell wieder umkehren, meint Wagenknecht.

Wegen der Suche nach attraktiverer Verzinsung haben auch Hybridanleihen im vergangenen Jahr Rückenwind erhalten. Unternehmen wie VW, Deutsche Börse und EnBW nutzten das Instrument zwischen Eigen- und Fremdkapital im vergangenen Jahr. Die Mehrheit der 2021 kündbaren Hybridpapiere wurde bereits refinanziert, sogar für die Hälfte der 2022 mit Call-Termin ausgestatteten Papiere ist die Refinanzierung schon abgeschlossen. Wagenknecht geht dennoch weiterhin von einem aktiven Markt aus. Denn die Kosten für die Emission von Hybridkapital sind für Unternehmen derzeit so niedrig wie noch nie, wie eine Analyse der Société Générale zeigt. 

Was kommt 2021 am Bondmarkt?

Das günstige Finanzierungsumfeld wird nach Einschätzung des SocGen-Experten auch 2021 anhalten. Da viele Unternehmen sich aber bereits mit Cash versorgt haben und viel Liquidität vorzuhalten im Niedrigzinsumfeld nach wie vor viel kostet, werde das Volumen deutlich unter Vorjahr liegen, glaubt Wagenknecht. Er rechnet mit rund 360 Milliarden Euro.

Ein Trend, von dem wir in den kommenden Monaten zudem noch mehr hören werden, ist nach seiner Ansicht das Thema Sustainability und Green Finance. „Selbst die ärgsten Kritiker können das nicht mehr wegwischen, alle müssen sich dem in Investorengesprächen stellen“, erklärt der Experte. Es werde immer stärker eine Differenz bei der Nachfrage geben. „Papiere von Unternehmen, die als Nachzügler in Sachen ESG gelten, werden künftig schwerer zu platzieren sein“, ist er überzeugt. Eine Preisdifferenz zwischen Green Bonds und klassischen Papieren gibt es bereits jetzt. Wagenknecht geht davon aus, dass sich das auf den Gesamtmarkt übertragen wird.

Wagenknecht erwartet auch eine Zunahme von ESG-linked Bonds. Bei diesen Anleihen ist der Kupon an die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens gekoppelt. Im vergangenen Jahr haben die Schweizer Unternehmen Novartis und LafargeHolcim das neue Instrument bekannter gemacht. „Es gibt erst wenige Transaktionen dieser Art, aber das dürfte sich dieses Jahr ändern“, glaubt der Experte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de