Enttäuschender IPO: Die Mainzer von Biontech haben bei der Premiere an der New Yorker Tech-Börse weniger Kapital eingesammelt als erwartet.

Stefan Albrecht/Biontech

14.10.19
Finanzierungen

Finanzierungen: Biontech, Tom Tailor, Gerresheimer

Biontech bleibt beim US-IPO unter den Erwartungen, Tom Tailor ist gerettet und Gerresheimer refinanziert einen Kredit zu besseren Konditionen – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Biontech enttäuscht mit IPO

Biontech ist beim Börsengang am vergangenen Donnerstag unter den Erwartungen geblieben: Das Mainzer Biotechnologieunternehmen hat beim Sprung an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq 150 Millionen Dollar (umgerechnet 136 Millionen Euro) eingesammelt. Insgesamt haben die Mainzer 10 Millionen Anteilsscheine (American Depositary Shares) zu einem Preis von 15 Dollar (umgerechnet 14 Euro) je Stück angeboten, wie das Unternehmen mitteilte. Ursprünglich war die Ausgabe von 13,2 Millionen Anteilsscheinen zu einem Preis von 18 bis 20 Dollar (16 bis 18 Euro) je Stück geplant. Bei dem IPO wird Biontech mit 3,4 Milliarden Dollar bewertet.

Als Lead Joint Bookrunners wurden die US-Investmentbanken JP Morgan und BofA Merrill Lynch, SVB Leerink sowie die Schweizer Großbank UBS mandatiert. Canaccord Genuity, Bryan, Garnier & Co. sowie Berenberg fungierten bei der Transaktion als Joint Bookrunning Managers. Co-Manager sind Wolfe Capital Markets and Advisory, Kempen sowie Mirae Asset Securities.

Tom Tailor unterzeichnet Term Sheet

Das kriselnde Modehaus Tom Tailor ist gerettet: Vergangenen Mittwoch einigte sich der Hamburger Konzern mit seinem chinesischen Großaktionär Fosun sowie den acht beteiligten Konsortialbanken über die neue Finanzierungsstruktur und die damit verbundenen Beiträge der einzelnen Parteien. Die entsprechende Eckpunktevereinbarung, das sogenannte „Term Sheet“ sei unterzeichnet, teilte Tom Tailor mit. Weitere Details der Vereinbarung gaben die Hamburger nicht bekannt. Die Vertragsdokumentation soll bis spätestens Ende des Monats finalisiert werden.

Die neue Vereinbarung, die eine Laufzeit bis Ende September 2022 hat, hat ein Gesamtvolumen von 365 Millionen Euro. Sie sichere die langfristige Finanzierung und erhöhe die Flexibilität für zukünftiges Wachstum, teilten die Hamburger mit. Bisher wurde das Unternehmen noch von einer Brückenfinanzierung über 48,5 Millionen Euro über Wasser gehalten. Bereits im September wurde bekannt, dass die Parteien kurz vor einer Einigung über die weitere Finanzierung stehen. 

Gerresheimer verbessert Finanzierungskonditionen

Der Pharmazulieferer Gerresheimer hat eine bestehende Kreditfazilität um weitere 100 Millionen Euro auf 550 Millionen Euro erhöht und gleichzeitig die Konditionen verbessert. Dadurch reduzieren sich die Finanzierungskosten laut Gerresheimer um 1 Millionen Euro pro Jahr. Das Kreditvolumen ist im Zuge der Transaktion deutlich überzeichnet gewesen, teilte Gerresheimer mit. Die Laufzeit des revolvierenden Darlehens beträgt fünf Jahre und kann zwei Mal jeweils um ein Jahr verlängert werden.

Weitere Meldungen

Der E-Scooter-Anbieter Tier Mobility hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 60 Millionen Dollar (umgerechnet 54,6 Millionen Euro) abgeschlossen. Angeführt wurde die Investitionsrunde von Mubadala Capital und Goodwater Capital. Ebenfalls beteiligt sind die neuen Investoren Axa Germany und Evli Growth Partners. Alle bisherigen Geldgeber, darunter auch Nico Rosberg als Business Angel, sind wieder bei der Finanzierungsrunde am Start. Die frischen Mittel will Tier Mobility unter anderem für die Expansion in Europa verwenden. JP Morgan fungierte als Finanzberater und Vermittlungsagent. Die Kanzlei Orrick (Federführung: Harold Yu und Sven Greulich) und PwC Legal (Federführung: Gerhard Wacker) haben Tier Mobility rechtlich beraten.

Die Deutsche Bahn will Hybridanleihen über voraussichtlich 2 Milliarden Euro begeben. Wie die FAZ berichtet, sollen diese dann an der Börse gehandelt werden. Das frische Kapital aus der Transaktion will die Bahn demnach für Investitionen in Personal, Infrastruktur und Züge nutzen. Weitere Details zu den Anleihen sind noch nicht bekannt. Der Bundesrechnungshof hatte Mitte September Alarm geschlagen, da er bei dem Staatsunternehmen zum Jahresende mit einer Finanzierungslücke von fast 3 Milliarden Euro rechnet.

Die Landeskreditbank Baden-Württemberg (L-Bank) hat eine Euro-STR-Anleihe über 250 Millionen Euro begeben. Dies ist laut Mitteilung die erste Anleihe weltweit, deren Zinssatz an den neuen Referenzzinssatz „EURSTR (Euro Short-Term Rate)“ der Europäischen Zentralbank gebunden ist. Die Laufzeit des Bonds, der in Luxemburg zum Handel zugelassen ist, beträgt zwei Jahre. Das begleitende Bankenkonsortium bestand aus Unicredit, Bank of Montreal, London Branch, Barclays, Commerzbank und Deka Bank. Lead Manager der Transaktion war Unicredit. Allen & Overy (Federführung: Christoph Enderstein und Sang-Woon Lee) hat das Bankenkonsortium rechtlich beraten. Als Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg unterstützt die L-Bank das Bundesland bei der Erfüllung seiner öffentlichen Aufgaben, insbesondere in den Bereichen Struktur-, Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Die auf das KMU-Segment spezialisierte europäische Investmentgesellschaft Idinvest hat die Übernahme des IT-Systemhauses Netgo durch die niederländische Private-Equity-Gesellschaft Waterland mit einer Unitranche-Finanzierung begleitet. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekanntgegeben.

Das Berliner Start-up Grover, das Elektronikgeräte vermietet, hat eine Finanzierungsrunde über 41 Millionen Euro abgeschlossen. Die Finanzierung setzt sich aus 11 Millionen Euro Eigenkapital sowie 30 Millionen Euro Fremdkapital zusammen, teilt Grover mit. Den Großteil des Eigenkapitals steuert mit 6 Millionen Euro der Venture Capital Fonds Augmentum Fintech bei, der Restbetrag stammt von den bestehenden Investoren Coparion, Circularity Capital, Main Incubator und Samsung Next. Die bereits bestehende Fremdkapitalfinanzierung der Varengold Bank über bisher 25 Millionen Euro wird um 30 Millionen Euro erhöht.

Der Windanlagenbauer Nordex hat eine Kapitalerhöhung durchgeführt, durch die dem Unternehmen ein Erlös von 99 Millionen Euro zufließen. Im Rahmen der Transaktion hat der Großaktionär Acciona knapp 10 Millionen Aktien zu je 10,21 Euro gezeichnet und erhöht damit seinen Nordex-Anteil auf 36,3 Prozent, womit die Spanier dazu verpflichtet sind, ein Übernahmeangebot vorzulegen.

Das biopharmazeutische Unternehmen Vivoryon Therapeutics führt eine Kapitalerhöhung um bis zu 36,9 Millionen Euro auf bis zu 49,2 Millionen Euro durch. Insgesamt sollen rund 36,9 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 5,61 Euro je Aktie angeboten werden. Die bestehenden Aktionäre Claus Christiansen, Den Danske Forskningsfond und T&W Holding haben Zusagen über die Zeichnung von Aktien über 10 Millionen Euro sowie eine zusätzliche Backstop-Verpflichtung über 5 Millionen Euro gegeben. Der im Juli bei Vivoryon Therapeutics eingestiegene Wettbewerber Morphosys wird zudem Aktien in Höhe von 15 Millionen Euro zeichnen, teilte Vivoryon Therapeutics mit. Den angestrebten Emissionserlös über 30 Millionen Euro will das Unternehmen für die Finanzierung einer klinischen Studie verwenden.

Der Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine hat eine Finanzierung über 1 Milliarde Euro erhalten. Die revolvierenden Kreditlinien haben eine Laufzeit von fünf Jahren und können zwei Mal verlängert werden. Der Kreditvertrag enthält zudem ein Nachhaltigkeitselement, demzufolge eine Anpassung der Marge in Abhängigkeit von der Entwicklung bestimmter ESG-Risikofaktoren vorgesehen ist, so Voestalpine. SEB fungierte bei der Transaktion als Documentation Agent und gemeinsam mit der BayernLB und der ING Bank als Coordinator, Bookrunner und Mandated Lead Arranger. White & Case (Sascha H. Schmidt) hat SEB bei der Finanzierung rechtlich beraten.

Das Fein- und Spezialchemieunternehmen CABB hat seine Refinanzierung abgeschlossen. Dazu haben die Hessen neue Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 640 Millionen Euro bei institutionellen Investoren platziert. Die Emission umfasst zwei Tranchen, davon 490 Millionen Euro mit besicherten und 150 Millionen Euro mit unbesicherten Wertpapieren. Darüber hinaus wurde eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von 80 Millionen Euro abgeschlossen. Den Erlös verwendet CABB zur vollständigen Rückzahlung ausstehender Schulden und Kreditfazilitäten.  

Ratingmeldungen

Moody’s hat das Rating des Chemiekonzerns BASF von A1 auf A2 gesenkt. Den Ausblick setzt die Ratingagentur auf stabil. Die Abstufung begründet Moody’s mit der Einschätzung, dass nicht nur die aktuellen, sondern auch die kommenden Geschäftsergebnisse „gedämpft“ bleiben werden. Zudem schätzt die Agentur, dass BASF als von der schwächelnden Automotive-Industrie stark abhängiges Unternehmen weiterhin einem herausfordernden Marktumfeld gegenüberstehen wird.

Fitch hat den Ratingausblick der Commerzbank von stabil auf negativ gesenkt. Das Rating selbst wurde bei BBB+ bestätigt. Die Commerzbank stehe vor großen Herausforderungen, um ihre Profitabilität zu steigern, so Fitch. Zu den Herausforderungen gehört unter anderem der komplexer werdende Verkauf der polnischen Tochter M-Bank.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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