Auch Volkswagen setzt auf Green Finance. Der Autobauer hat Green Bonds über 2 Milliarden Euro begeben. Das Geld fließt unter anderem in die Entwicklung des Modells ID.3.

Volkswagen

21.09.20
Finanzierungen

Finanzierungen: Volkswagen, Commerzbank, Indus

Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen von Green Finance: Volkswagen und die Beteiligungsgesellschaft Indus wagen sich zum ersten Mal an ein grünes Finanzierungsinstrument, für die Commerzbank ist es hingegen schon der zweite Green Bond – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Volkswagen platziert Milliarden-Green-Bonds

Green-Finance-Premiere bei Volkswagen: Der Autohersteller hat in der vergangenen Woche erstmals Green Bonds mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro begeben. Die Anleihen haben eine Laufzeit von acht und zwölf Jahren und werden mit 0,875 Prozent und 1,250 Prozent verzinst. Die Geldgeber waren sowohl internationale als auch auf Green Bonds spezialisierte Investoren, so Volkswagen.

Die Gelder sollen hauptsächlich in zwei Projekte fließen: In den modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) sowie die neuen Elektroautos ID.3 und ID.4. Um die Mittelverwendung transparent zu halten, plant der Autobauer ein jährliches Reporting zu den erzielten Umwelteffekten. Volkswagen ist nach Daimler der nächste Autohersteller in kurzer Zeit, der auf grüne Finanzierungen setzt.

Die Green Bonds wurden von der Climate Bonds Initiative (CBI) zertifiziert. Die Ratingagentur Sustainalytics hat eine „Second Party Opinion“ abgegeben, um die Übereinstimmung mit den Green Bond Principles der ICMA und den Green Loan Principles der Loan Market Association zu bestätigen. 

Zweiter Green Bond für die Commerzbank

Ihren bereits zweiten Green Bond hat hingegen die Commerzbank in der vergangenen Woche begeben. Der Bond in Höhe von 500 Millionen Euro hat eine Laufzeit von fünfeinhalb Jahren und wird mit 0,75 Prozent verzinst. Joint-Lead-Manager der Transaktion waren Commerzbank, Danske Bank, ING, Natixis und Santander.

Mit dem Erlös aus der Grünen Anleihe, die von der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Sustainalytics bewertet wird, will die Commerzbank Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien finanzieren. Ihre erste grüne Anleihe hatte die Commerzbank bereits im Oktober 2018 begeben. 

Erster ESG-linked Schuldschein für Indus

Die Beteiligungsgesellschaft Indus hat erstmals ein nachhaltiges Schuldscheindarlehen begeben. Das Volumen des ESG-linked Schuldscheins, der von der Helaba arrangiert wurde, belief sich ursprünglich auf 50 Millionen Euro, konnte Indus zufolge aber aufgrund der hohen Nachfrage auf 60 Millionen Euro erhöht werden. Der Schuldschein besteht aus drei Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren.

Wie Indus mitteilt, bestand die Gruppe der Investoren aus Sparkassen, einigen Geschäftsbanken sowie institutionellen Investoren. Die Verzinsung des Darlehens ist an die Nachhaltigkeitsbewertung des Unternehmens durch die Ratingagentur ISS ESG geknüpft. Die Erlöse sollen dem allgemeinen Finanzierungsbedarf der Gruppe dienen.

Hensoldt plant 400-Millionen-Euro-IPO

Weitere Details zum geplanten Börsengang von Hensoldt sind nun öffentlich: Der IPO des Rüstungselektronikherstellers soll mindestens 400 Millionen Euro einbringen. Davon sollen 300 Millionen Euro an das Unternehmen selbst gehen, um einen Teil der Schulden zu tilgen. 39 Millionen Euro entfallen voraussichtlich auf Transaktionskosten.

Wie Hensoldt vergangene Woche mitteilte, können die Aktien bis zum 23. September gezeichnet werden, die Preisspanne liegt zwischen 12 bis 16 Euro. Demnach käme das Portfoliounternehmen des Finanzinvestors KKR auf einen Börsenwert zwischen 1,26 Milliarden und 1,58 Milliarden Euro.

Vor knapp zwei Wochen hatte KKR bekanntgegeben, Hensoldt an die Börse bringen zu wollen. Die Aktien des Rüstungselektronikers sollen im Prime Standard der Frankfurter Börse platziert werden. KKR war vor etwa vier Jahren bei der damaligen Airbus-Militärtechniksparte eingestiegen.

Knaus Tabbert konkretisiert Börsenpläne

Auch der Freizeitmobilhersteller Knaus Tabbert hat die Eckpunkte des geplanten Börsengangs festgelegt. Die Preisspanne für den IPO des Portfoliounternehmens von PE-Investor HTP liegt zwischen 58 bis 74 Euro je Aktie. Insgesamt besteht das Angebot aus rund 4,9 Millionen Aktien. Daraus ergibt sich für Knaus Tabbert eine Marktkapitalisierung von 602 bis 768 Millionen Euro.

Der erste Handelstag ist planmäßig der 23. September. Klappt der Sprung auf Parkett bis dahin, ist der ehrgeizige IPO-Zeitplan von HTP aufgegangen. Der Streubesitz würde beim Verkauf aller angebotenen Aktien inklusive voll ausgeübter Greenshoe-Option rund 48 Prozent betragen, so Knaus Tabbert. 

Weitere Meldungen

Braucht Tui ein weiteres Mal frisches Kapital? Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, plant der angeschlagene Reisekonzern offenbar eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 1 Milliarde Euro. Tui-Chef Fritz Joussen will die Konditionen bis spätestens Ende des Monats festzurren, heißt es in dem Bericht. Idealerweise würden die Ankeraktionäre, darunter Großaktionär Alexej Mordaschow, mitziehen. Der Russe habe bereits signalisiert, selbst Aktien für bis zu 300 Millionen Euro kaufen zu wollen, so das „Handelsblatt“. Tui kommentierte die Gerüchte nicht.

Der Finanzinvestor Cinven will die Laborkette Synlab offenbar im kommenden Jahr an die Börse bringen. Wie die FAZ berichtet, soll der IPO demnach im ersten Halbjahr 2021 erfolgen. Die begleitenden Investmentbanken sind Finanzkreisen zufolge aber noch nicht fest mandatiert, heißt es in dem Bericht weiter.

Die Gewerbeimmobiliengesellschaft Epic Suisse plant einen IPO an der Schweizer Börse Six. Das Unternehmen will mit der Ausgabe von neuen Aktien einen Bruttoemissionserlös von rund 200 Millionen Franken (186 Millionen Euro) einsammeln, heißt es in einer Pressemitteilung. Der IPO soll demnach noch in den kommenden Monaten vollzogen werden. Mit den frischen Mitteln will Epic Suisse unter anderem sein Wachstum vorantreiben. Die Gründer und Hauptaktionäre Alrov Group sowie die Familie Greenbaum wollen im Rahmen des IPOs keine Aktien verkaufen. Als Sole Global Coordinator und Joint Bookrunner fungiert die UBS. Joint Bookrunner sind zudem Berenberg und die Zürcher Kantonalbank.

Das Berliner Gewächshaus-Start-up Infarm hat in einer Serie-C-Finanzierungsrunde 170 Millionen US-Dollar (143 Millionen Euro) eingesammelt. Im Rahmen von weiteren Closings könnte die Summe auf 200 Millionen Dollar steigen, wie die begleitende Kanzlei CMS (Federführung: Jörg Zätzsch) mitteilte. Leadinvestor ist der Liechtensteiner Investor LGT Lightstone. Ebenfalls an der Finanzierungsrunde beteiligt waren die israelische VC Hanaco Growth, die schwedische Bonnier-Verlagsgruppe, Haniel sowie der britische Vermögensverwalter Latitude. Auch die bereits bestehenden Investoren Atomico und Good Harvest haben erneut finanzielle Mittel zugeschossen. Insgesamt hat Infarm bislang etwa 300 Millionen Dollar an Kapital erhalten.

Der Projektentwickler Trei Real Estate hat bei der Helaba ein unbesichertes Darlehen über 42 Millionen Euro aufgenommen. Der Kredit ist eine Mischung aus Unternehmens- und Immobilienfinanzierung. Die Laufzeit beträgt vier Jahre. Trei möchte mit den Mitteln seinen Wachstumskurs vorantreiben. Langfristig will das Unternehmen eine Fremdkapitalquote von 50 Prozent erreichen.

Das Start-up Roboyo hat in einer Finanzierungsrunde 21 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld stammt von dem Investor MML Capital Partners. Für das Nürnberger Software-Unternehmen Roboyo ist dies seine bislang größte Finanzierungsrunde.

Das Berliner Energie-Start-up Zolar hat eine aktuelle Series-B-Finanzierungsrunde um zusätzliche 15 Millionen Euro erweitert. Das Volumen beträgt nun insgesamt 25 Millionen Euro. Hauptinvestor der erweiterten Finanzierung war erneut der tschechische Venture-Capital-Fonds Inven Capital. Die bisherigen Kapitalgeber Heartcore Capital, Statkraft Ventures, BayWa Energy Ventures sowie Partech Entrepreneur beteiligten sich ebenfalls wieder. Rechtlich wurde Zolar bei der Transaktion von der Kanzlei PwC Legal (Federführung: Gerhard Wacker und Klara Körber) beraten.

Der Immobilieninvestor Coreo hat die Begebung einer bereits zur Zeichnung angebotenen Unternehmensanleihe abgebrochen. Das bisher erreichte Platzierungsvolumen von rund 10 Millionen Euro inklusive Zusagen der Ankeraktionäre entspricht „nicht den Erwartungen und rechtfertigt aus Sicht der Gesellschaft den administrativen Aufwand einer Publikumsanleihe nicht“, teilte Coreo vergangene Woche mit. Stattdessen befinde sich der Vorstand bereits in Gesprächen mit einem Investor sowie zwei Ankeraktionären zu einer alternativen Finanzierungsmöglichkeit in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Die neue Anleihe soll dann in den nächsten Wochen im Rahmen einer Privatplatzierung ausgegeben werden, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Ratingmeldungen

Scope hat das Rating von Ceconomy bei BBB- bestätigt. Der Ausblick ist stabil. Die Bestätigung spiegelt die solide Perfomance des Handelskonzerns während des bisherigen Geschäftsjahres sowie die schnelle Erholung von Filial-Schließungen im Zuge der Coronavirus-Krise wider, so Scope.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker.