Die Lastwagen von German Pellets werden wohl auch in Zukunft produzierte Pellets aus dem Werk in Herbrechtingen abtransportieren. Denn für den insolventen Brennstoffhersteller liegen mehrere verbindliche Kaufangebote vor.

German Pellets

26.04.16
Finanzierungen

German Pellets begräbt Hoffnungen der Bondholder

Mehrere Investoren bieten verbindlich für den insolventen Brennzellenhersteller German Pellets. Während die Mitarbeiter durchatmen, platzt für die Anleihegläubiger jede Hoffnung.

Dem insolventen Brennstoffhersteller German Pellets liegen verbindliche Gebote mehrerer nationaler und internationaler Investoren vor. Dies teilte die vorläufige Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde gestern Abend mit. Vor wenigen Wochen zählten die Wiesbadener noch 30 Kaufinteressenten.

Zwar nannte Schmudde weder Namen noch die Höhe der Gebote. Das Handelsblatt berichtet jedoch unter Berufung auf Firmenkreise, dass der baden-württembergische Holzverarbeiter J.Rettenmaier & Söhne wohl die Favoritenrolle inne hat. Die Gebote sollen allerdings „kaum über 20 Millionen Euro liegen“. 

German Pellets verbrennt Gelder der Mittelstandsanleihen

Das dürfte die rund 17.000 Bondholder endgültig ernüchtern, haben sie bei German Pellets doch 270 Millionen Euro im Feuer. Von dem mageren Verkaufserlös werden die Anleihegläubiger wohl nichts sehen, da sie mit ihren unbesicherten Mittelstandsanleihen und Genussrechten im Rang hinter den Banken und Lieferanten von German Pellets stehen. Laut des Halbjahresberichts 2015 stand German Pellets bei Banken mit rund 65 Millionen Euro in der Schuld. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen lagen sogar bei rund 110 Millionen Euro. Dem Handelsblatt zufolge hat auch ein Factoringfinanzierer Forderungen bei der Insolvenzverwaltung angemeldet – in Höhe von 59 Millionen Euro.

Damit müssen sich die Bondholder aus heutiger Sicht auf einen Totalausfall ihrer Anleihen einstellen. Grund zur Freude dagegen könnten die 650 Mitarbeiter von German Pellets haben. Denn laut Handelsblatt wollen die aktuellen Bieter German Pellets als Ganzes übernehmen – also mit den drei Werken in Wismar, Herbrechtingen und Ettenheim sowie unter Umständen sogar inklusive der defizitären Produktionsstätte in Torgau. Den Verkauf wird Schmudde wohl noch bis zum 1. Mai über die Bühne bringen, denn dann beginnt für German Pellets die Regelinsolvenz. 

Unklarheit über Zukunft der US-Geschäfte von German Pellets

Seit Februar befindet sich German Pellets in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, das noch nicht eröffnet ist. Auslöser der Insolvenz war die Zahlungsunfähigkeit von German Pellets, nachdem das Unternehmen feststellte, dass es die im April fällige 80 Millionen Euro schwere Anleihe nicht zurückzahlen kann. Ein Restrukturierungsversuch durch den Mini-Bond-Sanierer Frank Günther von One Square Advisors und den Geschäftsführer Peter Leibold scheiterte.

Unklar bleibt, wie es mit den German-Pellets-Geschäften in den USA weitergeht. Dorthin hatte Leibold laut verschiedenen Geschäftsberichten Emissionserlöse aus den deutschen Anleihen durchgereicht. Die amerikanischen Werke in Texas und Louisiana hatten sich zudem lokal über Anleihen finanziert. Zu den US-Investoren zählen unter anderem die Investmentprofis von KKR. Die deutsche German Pellets war über Garantien und Abnahmeverträge eng mit den US-Gesellschaften verflochten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Wiesbadener Brennstoffhersteller galt als große Hoffnung am Mini-Bond-Markt. Doch bizarre Geschäfte in den USA und eine katastrophale Kapitalmarktkommunikation stürzten das Unternehmen in die Insolvenz. Verfolgen Sie die ganze Krise auf der FINANCE-Themenseite zu German Pellets.

 

German Pellet ist nicht der einzige insolvente Mini-Bond-Emittent. Die FINANCE-Themenseite zu den Mittelstandsanleihen hält Sie auf dem Laufenden.