Karsten Rabas/Schalke 04

19.05.16
Finanzierungen

Schalke überrascht seine Anleihegläubiger

Drei Jahre vor Fälligkeit überlegt der Fußballklub Schalke 04, seine Mittelstandsanleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Die Finanzlage des Klubs hat sich zuletzt stark verbessert.

Überraschung am Mini-Bond-Markt: Ausgerechnet der Fußballklub Schalke 04, bei seinem Kapitalmarktdebüt im Mai 2012 durchaus kritisch gesehen, entwickelt sich zum Vorzeigeschuldner im Segment der Mittelstandsanleihen. Gestern nach Börsenschluss teilte Schalke 04 mit, dass sie die vorzeitige Rückzahlung ihrer Anleihe erwägen. Das Papier hat ein Volumen von 50 Millionen Euro, einen Kupon von 6,75 Prozent und wird regulär erst im Juli 2019 fällig. Die Schalke-Anleihe notiert aktuell bei einem Kurs von 107 Prozent.

Die Anleihebedingungen geben Schalke-CFO Peter Peters in diesem Sommer erstmals die Möglichkeit, den Bond vorzeitig zu kündigen. Dafür müsste Peters den Bondholdern 103 Prozent des Nennwerts zurückzahlen. Zur Refinanzierung prüft Schalke nach eigenen Angaben drei Möglichkeiten: einen Bankkredit, einen Schuldschein – und die Begebung einer neuen Anleihe. Damit sich die sofortige Rückzahlung des alten Papiers zu einem Kurs deutlich über dem Nennwert für Schalke finanziell lohnt, müsste die neue Fremdfinanzierung wesentlich günstiger verzinst sein als die nun zur Disposition stehende Anleihe.

Schalke will seinen Schuldenberg weiter abbauen

Anders als die sportliche Situation – Schalke hat sich in der gerade beendeten Bundesligasaison nach durchwachsenen Leistungen mit Ach und Krach für die Europa League qualifiziert –, entwickeln sich die Finanzen des Bundesligaklubs über Plan. Weil der Traditionsverein Transfererlöse von mehr als 50 Millionen Euro realisierte, erreichte der Umsatz im Jahr 2015 den Rekordwert von 264,5 Millionen Euro. Als Gewinn blieben 22,5 Millionen Euro übrig.

Weil der Cashflow den ausgewiesenen Gewinn deutlich überstieg, kommt CFO Peters auch bei der Rückführung der hohen Verschuldung voran. Ende vergangenen Jahres sanken die Finanzschulden auf 146 Millionen Euro. Das sind mehr als 100 Millionen Euro weniger als im Frühjahr 2010, als Schalke einen Rekordschuldenstand vermelden musste.  

Peters hat angekündigt, den Schuldenstand spätestens im Jahr 2019 unter 100 Millionen Euro zu drücken. Damit wäre Schalke zwar immer noch wesentlich höher verschuldet als praktisch alle anderen Bundesligavereine. Allerdings verfolgt Schalke eine andere Finanzierungsphilosophie als die meisten Bundesligisten: Schalke ist der einzige Topklub, der seine Profiabteilung noch nicht ausgelagert hat, um externe Investoren daran zu beteiligen. Peters positioniert sich seit Jahren persönlich vehement gegen einen Verkauf von Schalke-Anteilen an Investoren.

Beim Erzrivalen Borussia Dortmund, seit sechzehn Jahren börsennotiert, hält der Verein hingegen nur noch 5,5 Prozent am einträglichen Profigeschäft. Dank der Millioneninvestitionen von externen Investoren sind die Borussen schuldenfrei und verfügen über ein hohes Nettoguthaben.

Schalkes Finanzkennziffern drohen sich wieder zu verschlechtern

Dank des Rekordjahres 2015 sind aber auch die Finanzkennziffern von Schalke 04 solider geworden. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beträgt das Sechsfache dessen, was die Schalker an jährlichen Zinszahlungen leisten müssen. Die Nettofinanzverschuldung ist nur noch knapp doppelt so hoch wie das Ebitda, was im Vergleich zu anderen Mini-Bond-Emittenten ein sehr niedriger Wert ist.

Allerdings werden sich diese Finanzkennziffern auch wieder verschlechtern, wenn Schalke nicht weiterhin so hohe Transfererlöse erwirtschaftet wie im vergangenen Jahr. Aussagen des Managements zufolge sind derzeit keine Verkäufe wichtiger Spieler geplant. Allerdings wurde das Schalker Supertalent Leroy Sané gerade in den vorläufigen EM-Kader der Deutschen Nationalmannschaft berufen. Angeblich sollen ausländische Klubs bereit sein, mehr als 50 Millionen Euro für Sané zu bezahlen.

Trotzdem bewertet die Ratingagentur Creditreform die Schalker Kreditwürdigkeit derzeit nur mit BB-, also noch immer knapp außerhalb des Investmentgrade-Bereichs. Der Kursverlauf der Anleihe zeigt, dass die Bondinvestoren die Kreditwürdigkeit der Schalker höher einschätzen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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