Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper hat seinen Konsortialkredit vorzeitig refinanziert.

Uniper

27.09.18
Finanzierungen

Uniper mischt Bankenkreis durch

Der Energiekonzern Uniper hat seinen Konsortialkredit vorzeitig neu verhandelt. Im Banken-Syndikat gibt es einige Veränderungen.

Uniper hat seine syndizierte Kreditlinie vorzeitig refinanziert. Der neue Konsortialkredit hat ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro und dient als Liquiditätsreserve, wie der Energiekonzern mitteilte. „Ich freue mich, dass wir unsere syndizierte Kreditlinie vorzeitig auf langfristiger Basis refinanziert haben und uns dabei verbesserte Konditionen sichern konnten“, kommentiert CFO Christopher Delbrück die Refinanzierung. Wie viel Uniper für den neuen Kredit zahlt, wollte eine Sprecherin auf FINANCE-Nachfrage nicht beantworten.

Die vorzeitige Refinanzierung hat zwei Gründe: Zum einen will Uniper auf diese Weise das derzeit günstige Marktumfeld nutzen. Zum anderen hat die Ratingagentur S&P die Bewertung der Düsseldorfer im April dieses Jahres um eine Stufe auf BBB erhöht, wodurch sich die Finanzierungskonditionen nochmal verbessert haben dürften.

FINANCE-Köpfe

Christopher Delbrück, Uniper SE

Christopher Delbrück beginnt seine Karriere 1995 als Berater und Projektleiter bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Nach einer Zeit als Managing Director bei Decision Warehouse Softwareunternehmen wechselt er 2002 zu E.on nach Düsseldorf. Dort ist er zunächst als Vice President Corporate Development für Zentraleuropa und European Gas tätig.

Von 2005 bis 2010 ist Delbrück als Managing Director, CFO und stellvertretender CEO bei E.on Sverige in Malmö tätig. 2010 kommt er als CFO von E.on Energy Trading zurück nach Deutschland. 2011 wird er in Personalunion auch CFO von E.on Ruhrgas und begleitet die Fusion der E.on Energy Trading mit E.on Ruhrgas zur E.on Global Commodities, wo er bis Oktober 2013 als CFO fungiert und 2013 zum CEO befördert wird.

Seit Anfang  2016 ist Delbrück CFO von Uniper. In dieser von E.on abgespaltenen Gesellschaft hat E.on die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel gebündelt. Uniper ist seit September 2016 als unabhängiges Energie-Unternehmen an der Börse gelistet. Im Sommer 2018 übernimmt Delbrück wegen einer Krebserkrankung von Uniper-CEO Klaus Schäfer übergangsweise auch die Ressorts Kommunikation und Politik.

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Die neue syndizierte Linie läuft über fünf Jahre mit der zweimaligen Option zur Verlängerung um jeweils ein Jahr („5+1+1“). Zudem kann das Kreditvolumen mit Zustimmung der Banken um 500 Millionen Euro aufgestockt werden, so Uniper. Die alte revolvierende Kreditlinie aus dem Jahr 2016 kam noch auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro und lief in einer 3+1+1-Struktur.

In der Zwischenzeit hat sich Uniper aber deutlich verkleinert – 2017 verkaufte der Konzern für 1,75 Milliarden Euro seine Anteile an einem großen Gasfeld in Sibirien. Mit dem Verkaufserlös konnte Finanzchef Delbrück die Nettoschulden des Konzerns im Lauf des vergangenen Jahres massiv von 4,2 auf 2,4 Milliarden Euro reduzieren.

Commerzbank und ING arrangieren Uniper-Kredit

Die Anzahl der Geldhäuser im Syndikat ist bei dem neuen syndizierten Darlehen mit 15 zwar stabil geblieben, allerdings hat sich die Zusammensetzung verändert. Neu im Konsortium sind die japanische Banken Mizuho sowie die spanische Santander.  Die Bank of Tokyo-Mitsubishi war bei der Aufsetzung des Vorgängerkredits zwar nicht dabei, ist in der Zwischenzeit aber Teil des Syndikats geworden. Nicht mehr dabei sind indes JP Morgan, Barclays und die Helaba.

Weiterhin Teil des Konsortiums sind BayernLB, BNP Paribas, Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Lloyds Bank, Morgan Stanley, SEB, Société Générale und Unicredit. Die Commerzbank und die ING hatte Delbrück als Koordinatoren mandatiert.

Neben dem Konsortialkredit finanziert sich Uniper aus einem Anleiheprogramm (Debt Issuance Program), über das die Düsseldorfer bis zu 2 Milliarden Euro aufnehmen können. Momentan zieht CFO Delbrück daraus jedoch nur 500 Millionen Euro.

M&A-Gerüchte um Uniper ebben ab

Die frühzeitige Refinanzierung reflektiert die Tatsache, dass sich die lange Zeit schwelende Ungewissheit über das weitere Schicksal Unipers zuletzt deutlich reduziert hat. Im Zuge des Verkauf des E.on-Anteils an die finnische Fortum machten sich rund um Uniper verschiedenste Übernahmespekulationen breit.

Die Vermutungen reichten von einem Durchmarsch Fortums über eine Zerschlagung mit dem möglichen Käufer RWE bis hin zu einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe aktivistischer Investoren rund um den US-Fonds Elliott. Wegen des Festhaltens an einer kleinen Unternehmensbeteiligung in Russland, die Moskau als strategisches Versorgungsunternehmen betrachtet, hat sich Uniper als Kaufobjekt aber unattraktiver gemacht. 

Kohleausstieg und Strompreisanstieg prägen Uniper

Mit weniger Ablenkung von der M&A-Front und einer langfristig gesicherten Finanzierungsbasis kann sich das Uniper-Management nun wieder stärker dem operativen Geschäft zuwenden. Dieses wird zurzeit von zwei unterschiedlichen Entwicklungen geprägt: Auf der einen Seite gerät die umfangreiche Uniper-Flotte der in der Bevölkerung unbeliebten Kohlekraftwerke unter Druck – in Frankreich droht gar die Schließung eines solchen Kohlemeilers durch den Staat. Auf der anderen Seite sind die Strompreise zuletzt stark gestiegen, was Unipers Ertragsaussichten für die kommenden Jahre verbessert.

Die Meinungen von Marktbeobachtern zur weiteren Entwicklung der früheren E.on-Tochter gehen daher auseinander. Das Analysehaus RBC hat die Düsseldorfer am heutigen Donnerstag von „Sector Perform“ auf „Underperform“ abgestuft und das Kursziel von 26,50 auf 24 Euro gesenkt. RBC sorgt sich um potentielle Risiken wie etwa Währungsschwankungen beim russischen Rubel. Am frühen Nachmittag notieren die Uniper-Papiere bei 26,50 Euro und gehören mit einem Minus von 1,5 Prozent zu den Tagesverlierern im MDax.

Eine andere Einschätzung kommt von Goldman Sachs: Die US-Investmentbank hatte das Kursziel für Uniper vor wenigen Tagen von 23,50 auf 26,50 Euro angehoben.

jakob.eich[at]finance-magazin.de