Newsletter

Abonnements

Schur Flexibles: Details der Refinanzierung enthüllt

Ein Entgegenkommen aller beteiligten Parteien: Schur Flexibles wird restrukturiert. Foto: pickup – stock.adobe.com
Ein Entgegenkommen aller beteiligten Parteien: Schur Flexibles wird restrukturiert. Foto: pickup – stock.adobe.com

Lange war es ein offenes Geheimnis, dass der Finanzinvestor Apollo die Zügel bei Schur Flexibles in die Hand nehmen würde – wir berichteten Anfang Mai. Jetzt wurden die neue Eigentümerstruktur des Verpackungsherstellers sowie weitere konkrete Details der Restrukturierung offiziell enthüllt.

Schur Flexibles gehört künftig einem Konsortium bestehend aus verschiedenen Banken und Fonds, darunter Apollo, Capital Four, Guggenheim und Palmer Square. Wie viele Anteile auf die jeweiligen Parteien entfallen, teilten die Beteiligten allerdings nicht mit. Apollo dürfte aber zu den größeren Stakeholdern gehören. Die bisherigen Eigentümer, Mehrheitseigner B&C sowie Minderheitsgesellschafter und vorheriger Eigentümer Lindsay Goldberg, werden in den kommenden Wochen und Monaten komplett bei Schur Flexibles aussteigen.

Schuldenschnitt über 400 Millionen Euro bei Schur Flexibles

Mit den neuen Eigentümern wurde zudem ein Schuldenschnitt von bis zu 75 Prozent der vorrangigen Verbindlichkeiten vereinbart. In absoluten Zahlen entspricht das einem Abbau der Verbindlichkeiten in Höhe von stolzen 400 Millionen Euro. Dadurch sinke das Pro-forma-Verschuldungsprofil der Gruppe auf ein „branchenübliches Niveau“, teilen die Parteien mit, ohne konkreter zu werden. Zum Jahresende 2021 dürfte der Leverage laut der Ratingagentur Moody’s bei bis zu 20x Ebitda gelegen haben – ein extremer Wert.

Darüber hinaus ist es Schur Flexibles gelungen, die Zinslasten zu drücken. Künftig reduzieren sich die jährlich anfallenden Zinskosten um 10 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung. Wirksam werde die Reduktion nach Abschluss der Transaktion. Mit dem Closing rechnen die Unternehmen im kommenden September.

Im Zuge der Übernahme durch die Hedgefonds fließt Schur Flexibles auch 150 Millionen Euro an frischem Kapital zu. Bereitgestellt wird das Geld in zwei Tranchen: 60 Millionen Euro erhält der Konzern unmittelbar, die restlichen 90 Millionen Euro sollen zum Closing fließen. Der Zweck für einen Teil des Geldes ist auch schon bekannt: 50 Millionen Euro und damit ein Drittel der Gesamtsumme ist für strategische Akquisitionen und M&A-Aktivitäten vorgesehen. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber 55 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.

Schur Flexibles hat keine Fälligkeiten bis 2026

Durch die Restrukturierungsmaßnahmen und das frische Geld sei der „Handlungsspielraum des Unternehmens selbst unter den derzeit volatilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sichergestellt“. Außerdem werde durch die Maßnahmen „vermieden, dass kurzfristige Verbindlichkeiten die Liquidität des Unternehmens belasten“. Eine weitere wichtige Atempause für Schur Flexibles: Bis September 2026 bestehen weder obligatorische Fälligkeiten der neuen und wieder aufgenommenen Finanzierungen noch feste Tilgungspflichten.

Die erste Refinanzierung steht Moody’s zufolge erst im Jahr 2027 an, dann wird die 100 Millionen Euro schwere revolvierende Kreditlinie (RCF) fällig. 2028 muss Schur Flexibles dann den Term-Loan-B über 475 Millionen Euro refinanzieren.

Das Restrukturierungspaket umfasst damit maßgebliche Zugeständnisse der Gläubiger sowie Finanzierungszusagen der neuen Eigentümer. Dadurch sieht sich das Unternehmen für die kommenden Monate gut aufgestellt: Die Performance im Jahr 2022 entwickele sich „entlang des Business-Plans“, betonen die Parteien.

Künftig wollen alle Stakeholder – Gläubiger wie Gesellschafter – an einem Strang ziehen, um Schur Flexibles wieder auf die richtige Spur zu bringen. Das war nicht immer der Fall: Wie FINANCE Anfang Mai berichtete, war der damalige Eigentümer B&C offenbar nicht mehr bereit gewesen, weiteres Kapital in Schur Flexibles zu stecken, woraufhin der Debt-Equity-Swap initiiert worden war.

Die umfassenden Refinanzierungsmaßnahmen haben allerdings auch ihren Preis. So hat die Ratingagentur Moody’s die Schur Flexibles GmbH von Caa3 auf Ca heruntergestuft und den Ausblick auf negativ gesetzt. Als Begründung für das Downgrade nennt Moody’s die Notwendigkeit eines Schuldenschnitts, des Debt-Equity-Swaps sowie frischen Geldes. Zudem reflektiere die Herabstufung den höheren Verlust, den die Gläubiger von Schur Flexibles in Kauf nehmen müssen.

Schur Flexibles: „Aufarbeitung hat keinen Einfluss auf Geschäft“

Offen bleibt damit immer noch der Verdacht, dass bei Schur Flexibles verschiedene Unternehmenskennzahlen aufgehübscht worden sein sollen. Verdachtsmomente sind da, deren Aufarbeitung läuft derzeit. Davon soll das operative Geschäft aber unbeeinflusst bleiben, heben die Beteiligten hervor: „Die Aufarbeitung und Klärung von allfälligen zivil- und strafrechtlichen Sachverhalten aus der Zeit vor der Restrukturierung bleibt den Behörden und Gerichten vorbehalten.” Sie habe jedoch keinerlei Einfluss auf die operativen Geschäfte der Gruppe oder die künftigen Eigentümer.

Der ehemalige Eigentümer Lindsay Goldberg wird sich in diesem Zuge auch mit den Schadensersatzforderungen des Ex-Eigners B&C auseinandersetzen müssen. Da die Geschäftsergebnisse und die Finanzsituation von Schur Flexibles massiv überhöht dargestellt worden seien, wie B&C behauptet, sei der damals bezahlte Kaufpreis aus der aktuellen Perspektive „weit überhöht“ gewesen. Daher hofft die österreichische Holding, zumindest einen Teil ihrer Verluste rückerstattet zu bekommen. Die Österreicher sollen im vergangenen Jahr für 80 Prozent der Anteile an dem Verpackungshersteller rund 300 Millionen Euro bezahlt haben. Auch wenn es die neuen Beteiligten nicht wahrhaben wollen: Der Schatten der jüngeren Vergangenheit lastet weiter auf dem Verpackungshersteller.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

+ posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

+ posts

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter