Die Windstille ist vorbei. Das vierte Quartal war das stärkste des Jahres. Doch ein richtiger Sturm blieb aus.

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13.01.21
Finanzierungen

Endet die Flaute am Schuldscheinmarkt?

Ein robustes viertes Quartal hat für einen versöhnlichen Jahresabschluss am Schuldscheinmarkt gesorgt. Im Jahres-Ranking obenauf liegt die LBBW. Deutlich Federn lassen muss die Deutsche Bank.

Ein Emissionsvolumen auf Vorjahresniveau im Jahresschlussquartal nährt die Hoffnung, dass der Schuldscheinmarkt im gerade begonnenen Jahr wieder auf seinen Wachstumskurs zurückkehren könnte. Das vierte Quartal war mit einem Emissionsvolumen von rund 5,2 Milliarden Euro das aktivste im gesamten Jahr. Wegen der hohen Rückgänge im zweiten und dritten Quartal stehen für 2020 bei Deals und Marktvolumen aber nichtsdestotrotz stattliche Minuszeichen von 35 Prozent zu Buche, wie das neue FINANCE-Schuldschein-Update zeigt, das hier kostenlos zur Verfügung steht.

Was den Schuldscheinmarkt belastete

Ein Grund dafür ist die ausgeprägte Zurückhaltung der Investoren bei unbesicherten Schuldscheinen. Der zweite wichtige Auslöser des Marktrückgangs ist das nahezu vollständige Verschwinden ausländischer Emittenten vom Markt: Der Auslandsanteil fiel von 42 auf 16 Prozent, wie aus einer Analyse der Beratungsgesellschaft Capmarcon hervorgeht. Während immerhin noch 9 Prozent auf Emittenten aus Österreich und der Schweiz entfielen, kamen von Ländern außerhalb der DACH-Region nicht mehr als 7 Prozent des Volumens, der Großteil davon aus Frankreich. So findet sich in den Top 10 der größten Deals mit Barry Callebaut auch nur ein ausländischer Emittent, 2019 waren es noch vier.

Und auch für Debütemittenten war 2020 ein ganz schwieriges Jahr am Schuldscheinmarkt: Ihr Marktanteil an den Neuemissionen sank von 35 auf 14 Prozent. Insgesamt flossen Neuemittenten 2020 über Schuldscheine weniger als 3 Milliarden Euro zu.

Gänzlich vom Wachstumskurs abgebracht hat das Coronajahr den Schuldscheinmarkt aber nicht. Weil die Tilgungen erst langsam anziehen und sich die starken Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit noch nicht ihrem Laufzeitende nähern, stieg das ausstehende Volumen von Schuldscheinen 2020 laut Capmarcon nochmals um 5 Milliarden Euro auf 143 Milliarden Euro an. Allerdings lag der Nettozuwachs erstmals seit Jahren nicht mehr im zweistelligen Milliardenbereich. Ohne eine spürbare Erholung des Neuemissionsgeschäfts droht der Markt in den nächsten Jahren auch in absoluten Zahlen betrachtet kleiner zu werden.

Bosch platziert den größten Schuldschein

Die mit Abstand größte Emission des Jahres kam von Bosch: Der Autozulieferer besorgte sich im Juni 2 Milliarden Euro. Dass danach nur noch zwei Schuldscheine mit einem Volumen deutlich über 500 Millionen Euro im Ranking folgen, ist ungewöhnlich. 750 Millionen Euro reichten Sartorius schon, um auf Platz 2 zu kommen, der drittgrößte Deal kam von Asklepios mit 730 Millionen. Hafid Rifi, der CFO der Klinikkette, musste Abstriche beim Zinskupon machen, nutzte die hohe Nachfrage aber dennoch, um seine Emission deutlich aufzustocken, wie er damals im FINANCE-Interview berichtete. Insgesamt gab es lediglich zwei Branchen, in denen das Ausgabevolumen neuer Schuldscheine anzog: Logistik und Energieversorgung. 

FINANCE-Köpfe

Hafid Rifi, Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA

Hafid Rifi beginnt seine Karriere als Wirtschaftsprüfer und spezialisiert sich in dieser Zeit auf die Beratung und Prüfung von börsennotierten Unternehmen aus dem Healthcare-Sektor sowie von kommunalen Klinikketten und Universitätskliniken.

Im September 2009 stößt er als Konzernbereichsleiter für Rechnungswesen, Steuern & Controlling zu dem Klinikkonzern Asklepios. Im Dezember 2015 wird er zudem zum Geschäftsführer der Asklepios Kliniken Hamburg berufen, im März 2016 schließlich zum Konzern-CFO der Asklepios Kliniken. Anfang 2019 wird Hafid Rifi zusätzlich stellvertretender CEO.

zum Profil

Gute Nachricht für CFOs und ihre Treasurer: Mit steigender Nachfrage sind im vierten Quartal auch die Risikoprämien erneut etwas gesunken. Sie liegen nun nicht mehr so stark über dem Vorkrisenniveau wie noch im Frühjahr. Dies gilt freilich nur für die guten Bonitäten im BBB-Bereich. Darunter sind die Preisaufschläge nach wie vor signifikant.

LBBW obenauf, Deutsche Bank büßt ein

Auf Bankenseite war 2020 ein gutes Jahr für die LBBW. Die Stuttgarter behaupteten nicht nur ihre Marktführerschaft, sondern konnten ihren Markanteil gegenüber 2019 sogar noch von 20 auf 25 Prozent ausbauen. Trotzdem dürften auch beim Marktführer die Einnahmen aus Schuldscheingeschäften zurückgegangen sein, schließlich begleitete die LBBW 2020 nur noch 41 Emissionen gegenüber 53 im Jahr davor.

Gleichfalls Marktanteilsgewinne verzeichneten die Banken, die im League Table auf den Plätzen 2 und 3 folgen – die Helaba und die BNP Paribas. Bei der Helaba ging der Marktanteil von 13 auf 16 Prozent nach oben (bei lediglich zwei weniger begleiteten Deals als 2019), die BNP legte von 5 auf 12 Prozent zu, was sie im Ranking letztlich sogar vier Plätze nach vorne spülte. Doch auch die Franzosen ließen beim Deal-Count von 15 auf 13 nach.

Größter Verlierer in den Top 10 der Bookrunner war das Schuldschein-Team der Deutschen Bank. Satte 21 Deals weniger als 2019 kosteten die Deutsche Bank drei Plätze im League Table. Auf Rang 8 liegend halbierte sich ihr Marktanteil von 6 auf 3 Prozent.
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die größten Deals, die aktivsten Banken: Alle wichtigen Infos auf einen Blick im FINANCE-Schuldschein-Update, das hier kostenlos verfügbar ist. Die Daten werden von Refinitiv, früher Thomson Reuters LPC, exklusiv für FINANCE zusammengestellt.