Frank Kleinbach/Landesbank Baden-Württemberg

12.07.19
Finanzierungen

LBBW verliert Dominanz am Schuldscheinmarkt

Ausländische Emittenten haben den Schuldscheinmarkt zu einem Rekordquartal getrieben – und dabei die Spitze der League Tables der begleitenden Banken ordentlich durcheinandergewirbelt.

Rund 13 Milliarden Euro wurden im ersten Halbjahr 2019 am Schuldscheinmarkt platziert. Das ist ein Anstieg von 46 Prozent im Vergleich zu der ersten Hälfte des vergangenen Jahres. Nach einem eher verhaltenen Auftakt zum Jahresbeginn boomte der Markt im zweiten Quartal regelrecht: Es wurden über 9 Milliarden Euro platziert. Das zeigt das aktuelle FINANCE-Schuldschein-Update, das der Datenanbieter Refinitiv (früher Thomson Reuters LPC) exklusiv für FINANCE aufbereitet hat und das MeinFINANCE-Nutzer hier kostenlos herunterladen können.

Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten laut Refinitiv 73 Schuldscheintransaktionen abgeschlossen – 26 im ersten und 47 im zweiten Quartal. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2018 wurden 68 Transaktionen abgeschlossen. Daran lässt sich ablesen, dass die Volumina der einzelnen Deals in diesem Jahr wieder deutlich höher waren, was sich auch an einer höheren Zahl von Benchmark-Transaktionen zeigt. Fünf Deals knackten im ersten Halbjahr die 500-Millionen-Euro-Marke. 2018 hatte nur der milliardenschwere Rewe-Schuldschein diese Schwelle übersprungen.

Ausländische Schuldscheinemittenten in der Mehrheit

Diesmal platzierte die Deutsche Lufthansa den größten Schuldschein und sammelte 800 Millionen Euro ein. Den zweitgrößten Schuldschein platzierte der Schweizer Schokoladenproduzent Barry Callebaut. Rang 3 teilen sich gleich drei Konzerne: Das französische Telekommunikationsunternehmen Iliad, der deutsche Autozulieferer Continental und der französische Autokonzern Peugot platzierten alle Schulscheine über rund 500 Millionen Euro.

Dass in den Top 5 der größten Transaktionen nur zwei deutsche Emittenten vertreten sind, spiegelt einen wichtigen Trend wider: Der Schuldscheinmarkt hat sich 2019 weiter internationalisiert. Das indische Öl- und Gasunternehmen Reliance Industries platzierte beispielsweise den ersten breit vermarkteten Schuldschein eines Unternehmens aus Asien.

Laut einer Analyse der LBBW ging etwa die Hälfte des emittierten Volumens auf die Konten ausländischer Emittenten. Das bringt für den Markt, der traditionell als Finanzierungsplattform für Unternehmen mit implizitem Investmentgrade gilt, auch neue Risiken mit sich: Ausländische Emittenten sind für hiesige Investoren schwerer zu bewerten.

Dürr bringt grüne Innovation in den Schuldscheinmarkt

Ein weiterer Trend, der sich in diesem Jahr am Schuldscheinmarkt festigt, ist das Thema Nachhaltigkeit. Die noch junge Finanzierungsform des grünen Schuldscheins konnte auch in diesem Jahr einige Unternehmen locken. Nach Angaben der Unicredit gab es zur Jahresmitte bereits fast so viele grüne Schuldscheintransaktionen wie im gesamten Jahr 2018. Zu den „grünen“ Emittenten zählten unter anderem VW Immobilien und der bereits erwähnte Schokoladenhersteller Barry Callebaut. Medienberichten zufolge vermarktet auch der Automobilkonzern Porsche derzeit ein solches Papier.

Vor wenigen Tagen sorgte zudem der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr für ein Novum am Schuldscheinmarkt. Nachdem sogenannte ESG-linked Loans als neue Finanzierungsvarition in der Kreditwelt Einzug hielten, hat Dürr dieses Konzept nun auch in den Schuldscheinmarkt gebracht. Die Verzinsung des Papiers ist an das Nachhaltigkeitsrating des Unternehmens gekoppelt. Anders als bei den bisherigen Green Schuldscheinen gibt es keine Einschränkungen, was die Verwendung der Mittel angeht.

LBBW verliert Marktanteile im Schuldscheinmarkt

Diese neuen Trends, die den Charakter des Schuldscheinmarkts deutlich verändern, sorgen auch für Bewegung  an der Spitze der League Tables der begleitenden Banken: Laut den Daten von Refinitiv hat die BayernLB die lange dominierende LBBW von der Spitzenposition verdrängt. Sie schlägt sie knapp mit einem Marktanteil von 18,9 im Vergleich zu 17,3 Prozent. In Sachen Transaktionszahl hat die LBBW aber mit 22 Deals weiterhin die Nase vorn, die BayernLB begleitete 15 Deals. Den beiden folgt die Helaba mit einem Marktanteil von 16,9 Prozent und 20 begleiteten Deals.

Indes: Die konkrete Rangfolge hat in einem so intransparenten Schuldscheinmarkt nur eine begrenzte Aussagekraft. Da nicht alle Transaktionen öffentlich bekannt sind, unterscheiden sich die Angaben je nach Datenanbieter auch zum Teil deutlich. Bloomberg sieht beispielsweise die Helaba im ersten Halbjahr auf der Pole Position. Was beide Datenanbieter allerdings gleich sehen: Die LBBW hat deutlich Marktanteile verloren.

Tatsächlich konnte die LBBW im ersten Halbjahr 2018 nach Daten von Refinitiv noch einen Marktanteil von rund 34 Prozent aufweisen. Der erste Verfolger, damals die Helaba, kam gerade mal auf 12 Prozent. Seit dem vergangenen Sommer ist der Abstand der LBBW zum Verfolgerfeld sukzessive abgeschmolzen.

Ob die Landesbank im weiteren Jahresverlauf zur alten Stärke zurückfinden kann, wird sich zeigen. Gelegenheiten dafür dürfte es geben – die Ratingagentur Scope rechnet mit einem Schuldscheinvolumen von über 25 Milliarden Euro im Gesamtjahr.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die größten Deals, die aktivsten Banken: Alle wichtigen Infos auf einen Blick im FINANCE-Schuldschein-Update, das hier kostenlos verfügbar ist. Die Daten werden von Refinitiv, früher Thomson Reuters LPC, exklusiv für FINANCE zusammengestellt.