Neue Verfahren wie die präventive Sanierung bieten mehr Möglichkeiten für Restrukturierungen. Doch sie müssen gut vorbereitet sein.

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20.11.20

Präventive Sanierung: Gute Vorbereitung ist alles

Mit fokussierter Planung lassen sich krisenbedingte Herausforderungen am besten bewältigen. Zudem schafft sie die Voraussetzungen dafür, flexible Lösungen nutzen zu können, wie sie durch die präventive Sanierung entstehen.

Unternehmenslenker sind in Krisen intensiv gefordert – das gilt insbesondere mit Blick auf die Prognosen, auf deren Basis sie Maßnahmen zur Überwindung der Krise ableiten. In der Coronavirus-Phase sind Prognosen noch schwieriger als sonst, da sich bisher kein klarer und somit planbarer Verlauf der Pandemie abzeichnet.

Diese in der Krise allgemein höheren Anforderungen, insbesondere an die Unternehmensleitung, spiegeln sich auch in einem Gesetzgebungsvorhaben nieder, das Insolvenzen vermeiden soll. Es bietet neue Möglichkeiten, etwa durch die präventive Sanierung, stellt an das Management aber auch neue Anforderungen.

Neue Möglichkeiten für Restrukturierungen

Das Management sollte sein Handeln während einer Krisenphase immer an einer belastbaren Planung ausrichten, die darstellt, in welcher Form das Geschäftsmodell des Unternehmens profitabel ist und welcher Maßnahmen es bedarf, um diese Profitabilität dauerhaft zu erreichen und zu sichern. Wichtig dabei ist, dass der Maßnahmenkatalog für Dritte einfach zu erklären ist. Er sollte es dem Management ermöglichen, unter Einhaltung der grundlegenden kaufmännischen Pflichten in einer 360-Grad-Betrachtung zu jeder Zeit auf Entwicklungen reagieren zu können und handlungsfähig zu sein.

Spätestens im Laufe des ersten Quartals 2021 sollen mit dem Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts (SanInsFoG) neue rechtliche Möglichkeiten geschaffen werden, um in einer Unternehmenskrise durch eine Vielzahl von Instrumentarien, darunter auch das neue präventive Sanierungsverfahren, eine Insolvenz zu vermeiden. Das dafür geplante Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) bietet einen breiten Anwendungsbereich. 

Präventive Sanierung: Haftungsrisiken vermeiden

Allerdings eröffnen sich die neuen Möglichkeiten für Unternehmen nur bei sachgerechter und angemessener Vorbereitung. Für Manager besonders wichtig: Auch bei der Organhaftung kommen neue und erhöhte Anforderungen auf die Unternehmensleitung zu. Sie muss kritische Entwicklungen künftig rechtzeitig erkennen und geeignete Maßnahmen zur Krisenbewältigung ergreifen, um einer persönlichen Haftung zu entgehen.

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Falls eine Insolvenz unvermeidlich werden sollte, kann ein Unternehmen die Neuaufstellung im Zuge einer Eigenverwaltung beziehungsweise mit einem Insolvenzplan ergreifen. Die Anforderungen an den Zugang zu diesen Verfahren werden im kommenden Jahr ebenfalls deutlich steigen: Im Kern geht es künftig darum, dass das Management eine Sanierungsvision für das Unternehmen, eine zugehörige Planung und geordnete Verhältnisse nachweisen muss.

Dies spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn das Unternehmen vorübergehende Erleichterungen wahrnehmen will, weil es im Zuge der Covid-19-Pandemie in die Krise geraten ist. 

Gute Vorbereitung erleichtert die Restrukturierung

Für die erfolgreiche Neuausrichtung eines Unternehmens ist es entscheidend, einen Restrukturierungsplan zu erstellen, der die Bestandsfähigkeit des Unternehmens dokumentiert. Zudem sollte das Management durch die Installation von Frühwarnsystemen nachweisen können, dass es alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen hat, um die gesetzlichen Vorgaben für den gewählten Restrukturierungsweg zu erfüllen. Der besondere Fokus liegt dabei auf der Darstellung und Sicherung der Liquidität.

„Wer frühzeitig handelt, schafft eine gute Grundlage für die Kommunikation mit Gläubigern.“ 

Als erfolgskritischer Faktor hat sich in der Praxis ein frühzeitiges und aktives Handeln erwiesen, um Unternehmensstrukturen auch unter den volatilen Rahmenbedingungen einer Krise zügig entwickeln und anpassen zu können. Dies gilt insbesondere auch mit Blick auf das bevorstehende präventive Sanierungsverfahren: Wer frühzeitig handelt, schafft eine gute Grundlage für die Kommunikation mit Gläubigern, Finanzierern oder der Belegschaft und hat eine solide Argumentationsbasis für anstehende Verhandlungen.

Auch in diesem Zusammenhang zahlt es sich aus, Vorschläge jederzeit auf der Grundlage von transparenten Informationen und Daten begründen zu können.

Verhalten ändern, Chancen wahrnehmen

Durch gute Dokumentation und Vorbereitung sichert sich das Management nicht nur selbst gegen etwaige Haftungsansprüche ab, sondern es vergrößert auch seinen Handlungsspielraum, um das Unternehmen an neue Marktsituationen anzupassen. So lassen sich auch in Restrukturierungssituationen Chancen nutzen, die bei weniger sorgfältiger Vorbereitung womöglich ungenutzt geblieben wären.

Wer auch während einer Neuausrichtung die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit im Blick behält, neue Ziele in den Fokus rückt und die eigene Strategie umfassend und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, dem bieten die neuen rechtlichen Instrumentarien gute Möglichkeiten, um nachhaltig aufgestellt aus der Krise herauszukommen.

Der Autor
Steffen Reusch ist Geschäftsführer von BDO Restructuring in Düsseldorf.