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Modehändler Orsay geht ins Schutzschirmverfahren

In Schieflage: Orsay muss sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren.
In Schieflage: Orsay muss sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Foto: ronstik - stock.adobe.com

Der auf junge Kunden spezialisierte Modehändler Orsay muss das Deutschlandgeschäft der Gruppe neu ausrichten. Dazu soll die Orsay GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Willstätt ein Schutzschirmverfahren durchlaufen, eine Form der Insolvenz in Eigenverwaltung, die nur Unternehmen offensteht, die noch nicht zahlungsunfähig sind.

Die Orsay GmbH ist die größte operative Gesellschaft der Gruppe und betreibt das Filialnetz in Deutschland. Außerdem übernimmt die Gesellschaft Zentralfunktionen für Tochterunternehmen in Deutschland und der Schweiz sowie in Osteuropa. Die GmbH beschäftigt knapp 1.200 Mitarbeiter.

Corona hat Orsay-Umsatz einbrechen lassen

Der Modehändler hat aufgrund der Coronakrise starke Umsatzrückgänge erlitten. Erwirtschaftete das Unternehmen mit der deutschen GmbH im Jahr 2019 noch einen Umsatz von 373 Millionen Euro, so brach dieser 2020 auf nur noch 257 Millionen Euro ein. Die Orsay-Gruppe betreibt weltweit mehr als 700 Geschäfte, 197 davon in Deutschland. Das Schutzschirmverfahren begleitet Felix Höpker (White & Case) als vorläufiger Sachwalter.

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Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Höpker ist mit dem Umfeld der Unternehmensgruppe bereits vertraut: Er begleitete bereits als Sachwalter die Neuausrichtung der Pimkie-Filialen in Deutschland. Pimkie gehört wie auch Orsay der französischen Unternehmerfamilie Mulliez und hat sich bereits 2020 durch ein Schutzschirmverfahren neu ausgerichtet.

Orsay erhielt 33 Millionen Euro vom WSF

Die Restrukturierung startet Orsay wenige Monate, nachdem das Unternehmen im August noch 33 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF erhalten hat. Orsay ist nicht das erste Unternehmen, das trotz der Finanzhilfe zu härteren Maßnahmen greifen muss: Der Autozulieferer A-Kaiser, der am Jahresanfang 12,5 Millionen Euro aus dem WSF erhalten hat, stellte im Juni dieses Jahres Insolvenzantrag.

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Orsay ist nun ein weiterer Name in der länger werdenden Liste von Modeunternehmen, die durch eine Restrukturierung müssen. Viele Branchenvertreter waren durch Preisdruck und den Wandel zum E-Commerce bereits vor Corona ins Straucheln geraten, die Pandemie hat die Situation dann noch verschlimmert. Auch mehrere Tochtergesellschaften von Esprit, die Modekette Bonita sowie der Modekonzern Hallhuber haben seit Ausbruch der Coronakrise bereits Schutzschirmverfahren durchlaufen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.