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Restrukturierungsnews: A-Kaiser, Condor, Nobiskrug

Die WSF-Mittel konnten die Schieflage nicht abwenden: Der Autozulieferer A-Kaiser hat Insolvenzantrag gestellt.
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Nach WSF-Hilfen: A-Kaiser stellt Insolvenzantrag

Der auf Leichtbau-Komponenten spezialisierte Autozulieferer A-Kaiser hat Insolvenzantrag gestellt. Der Mittelständler hatte zu Beginn dieses Jahres noch Hilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) erhalten, um die Folgen der Coronakrise abzumildern. Michael Jaffé (Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter) wurde nun als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Ausgangsbedingungen für das Insolvenzverfahren bezeichnete er als „schwierig“. Das Unternehmen habe bereits vor der Insolvenz den Hauptabnehmer für seine Produktion verloren. Sondierungsgespräche mit möglichen Interessenten sollen nun zeigen, ob sich neue Eigentümer finden. Die rund 430 Mitarbeiter von A-Kaiser sind derzeit in Kurzarbeit.

EU räumt Hürde zur Condor-Rettung aus dem Weg

Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission in dieser Woche grünes Licht für ein 525 Millionen Euro umfassendes staatliches Rettungspaket für die angeschlagene Fluglinie Condor gegeben. Damit erfüllt sich eine wichtige Voraussetzung für den im Mai verkündeten Einstieg des Finanzinvestors Attestor.

Gegen die staatlichen Hilfen hatte der Wettbewerber Ryanair geklagt. Die Kommission erklärte nun aber, die Zahlung sei mit den beihilferechtlichen Richtlinien der EU vereinbar und angemessen. Eine Genehmigung der Staatshilfe durch die EU-Kommission war eine Closing-Bedingung für den Einstieg des Investors Attestor. Das Closing wurde am gestrigen Mittwoch vollzogen. Der Finanzinvestor hält zunächst 51 Prozent an der Airline, für den Erwerb der restlichen 49 Prozent hält er eine Option. 

FSG übernimmt Nobiskrug-Werft

Die zur Tennor Gruppe von Lars Windhorst gehörende Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übernimmt die insolvente Nobiskrug-Werft in Rendsburg im Zuge einer übertragenden Sanierung. Nobiskrug hatte im Frühjahr dieses Jahres Insolvenzantrag gestellt. Martin Hammer (Enomyc) trat als CRO in die Geschäftsführung ein, als Verwalter war Hendrik Gittermann von der Hamburger Kanzlei Reimer eingesetzt.

Käufer FSG hat im vergangenen Jahr selbst eine Insolvenz durchlaufen. Nachdem Investorengespräche mit der Pella Sietas Gruppe gescheitert waren, stieg Investor Windhorst zum 1. September 2020 ein und sicherte damit 360 der zuvor 650 Arbeitsplätze bei der FSG. Von August an soll FSG nun vollständig für das operative Geschäft der auf Yachten spezialisierten Marke Nobiskrug zuständig sein. 280 der vormals knapp 300 Schiffbau-Arbeitsplätze bei Nobiskrug bleiben erhalten. Den Investorenprozess hatte PwC begleitet.

FSG-Geschäftsführer Philipp Maracke soll künftig beide Werften in Personalunion führen. FSG will das Management straffen und für beide Unternehmen eine betriebliche Kooperation für die Bereiche Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Finanz- und Rechnungswesen sowie Personal und IT begründen. Für die Nobiskrug-Abteilung Stahlbau, die unter anderem für Wartung und Reparatur der Schleusentore des Nord-Ostsee-Kanals zuständig ist, wird noch ein Investor gesucht.

Unterdessen hat auch die Traditionswerft Pella Sietas einen Insolvenzantrag angekündigt. Der Antrag der rund 300 Mitarbeiter beschäftigenden Werft soll am heutigen Donnerstag gestellt werden.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Das Tiefbauunternehmens Gebr. Kickartz will sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung sanieren. Vorläufiger Sachwalter des bereits 1888 gegründeten Unternehmens ist Christoph Niering (Kanzlei Niering Stock Tömp). Als Generalbevollmächtigter ist Markus Küthe von der Kanzlei Heidemann Küthe engagiert. Kickartz beschäftigt rund 150 Mitarbeiter, die nun zunächst Insolvenzgeld erhalten.

Die auf Haartransplantationen spezialisierte Kette Svenson Haar Studios mit 14 Niederlassungen in Deutschland hat Insolvenzantrag gestellt, vorläufiger Insolvenzverwalter ist Matthias Hofmann (Kanzlei Pohlmann Hofmann). Er sucht derzeit über einen M&A-Prozess nach möglichen neuen Investoren. Die Niederlassungen arbeiten derzeit im Notbetrieb.

Der Wuppertaler Spezialschraubenhersteller Kolb ist insolvent. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Jens Schmidt (Runkel Rechtsanwälte). Das Unternehmen litt zuletzt unter Auftragsrückgängen im Automotive-Bereich. Gespräche mit Banken, Lieferanten und Kunden zu Fortführungslösungen laufen. Ein Investorenprozess soll einen neuen Eigentümer für das Unternehmen bringen. 

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Nach der Insolvenz der Waschmittelhersteller Thurn Germany und Thurn Contract Service hat nun auch das dritte Unternehmen der Gruppe Insolvenzantrag gestellt, die Toll Man mit Sitz in Kerkrade. Wie auch in den beiden anderen Verfahren zuvor ist Jens Schmidt von der Kanzlei Runkel zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Die Produktion und der Geschäftsbetrieb an allen drei Standorten laufen weiter. Nachdem ein Investorenprozess vor der Insolvenz gescheitert war, will Schmidt nun ausloten, ob die Gruppe im Zuge einer übertragenden Sanierung einen neuen Eigner finden könnte.

Der Folienhersteller Rhein-Plast in Bad Dürkheim, der rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. In den kommenden Monaten soll ein Insolvenzplan vorgelegt werden. Hauptgrund für die Krise seien Lieferengpässe und Preissteigerungen aufgrund knapper Rohstoffe, hieß es zur Begründung für den Schritt. Als Generalbevollmächtigte begleiten Sven Tischendorf, Alexander Höpfner und Felix Melzer (alle AC Tischendorf Rechtsanwälte) das Verfahren. Vorläufiger Sachwalter ist Thomas Rittmeister (Reimer Rechtsanwälte). Marc Schneider und Nick Piepenburg (beide Turnaround Management Partners) beraten die Geschäftsführung in der Restrukturierung und haben die Schutzschirmbescheinigung erstellt.

Der Gastronomieunternehmer Alfons Schuhbeck hat für mehrere Gesellschaften, darunter Schuhbeck’s Partyservice, Insolvenzantrag gestellt. Insolvenzverwalter ist Max Liebig (Kanzlei Jaffé). Der Koch selbst machte ausbleibende staatliche Hilfen zur Überbrückung der Corona-Pandemie für die Insolvenz verantwortlich. Die Behörden haben den Starkoch derzeit im Visier, da dieser für mehrere seiner Gesellschaften über Jahre hinweg keine Geschäftsberichte mehr veröffentlicht und damit gegen die Offenlegungspflicht verstoßen haben soll.

Der Maschinenbauer Hermle Schleiftechnik hat nach negativen Auswirkungen durch die Coronakrise Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht in Rottweil Dirk Pehl von Schultze & Braun. Eine gesteuerte Insolvenz sei die einzige Möglichkeit, das Unternehmen neu aufzustellen, sagte Pehl. Möglichst viele der 130 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Die Kanzlei Solutio Schneider berät bei der Sanierung.

Die Wöllhaf Gastro Service Airport Stuttgart hat Insolvenz beantragt, vorläufiger Insolvenzverwalter ist Jochen Sedlitz von der Kanzlei Menold Bezler. Der Flughafendienstleister betreibt in Stuttgart mehrere Gastronomiebereiche, die während der Pandemie phasenweise geschlossen bleiben mussten. Der Versuch, sich mit den Mitarbeitern auf einen Schließungssozialplan zu einigen, bleib erfolglos. Die weiteren Standorte der Wöllhaf-Gruppe sind von der Insolvenz nicht betroffen. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst bis zum Auslaufen des Pachtzeitraumes Ende Oktober dieses Jahres fortgeführt werden.

Rolf Rombach (Rombach Rechtsanwälte) ist vorläufiger Insolvenzverwalter im Verfahren über die Agrargenossenschaft Teichel. Der Geschäftsbetrieb wird in vollem Umfang fortgeführt. Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet gut 1.700 Hektar Acker- und Grünland im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, erzeugt Bioenergie und betreibt Direktvermarktung. Sowohl Mitarbeiter als auch Lieferanten seien „bereit, einen aktiven Sanierungsbeitrag zu leisten“, teilte Rombach mit.

Der Zulieferer für E-Mobilität Car-Connect will sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung neu ausrichten. Manuel Sack von Brinkmann & Partner ist vorläufiger Sachwalter, Restrukturierer Andreas Elsäßer (Plan E) ist in die Geschäftsführung eingetreten. Das Unternehmen war zuletzt stärker als erwartet gewachsen, jedoch wuchsen Strukturen und Prozesse nicht adäquat mit. Die Eigenverwaltung soll nun eine Neuausrichtung nach einer finanzwirtschaftlichen Sanierung ermöglichen.

Distressed M&A-Deals

Rund 600 Millionen Euro sollen mehreren Medienberichten zufolge im Insolvenzverfahren um Wirecard über Verkäufe mehrerer asiatischer Tochterfirmen zusammengekommen sein. Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat zuletzt die indonesische Gesellschaft PT Prima Vista Solusi mit rund 670 Mitarbeitern an die Technologieholding einer indonesischen Unternehmensgruppe verkauft. Den Verkaufserlösen stehen angemeldete Gläubigerforderungen von mehr als 12 Milliarden Euro gegenüber.

Der Automobildienstleister ZSK wird im Zuge eines Management Buy-outs weitergeführt. Die neugegründete Gesellschaft ZSK Automotive führt das Geschäft künftig mit 20 der ursprünglich knapp 40 Arbeitsplätzen weiter. Als Insolvenzverwalter des Ende August 2020 beantragten Verfahrens war Michael Pluta (Kanzlei Pluta) eingesetzt. Den M&A-Prozess begleitete SGP Schneider Geiwitz Corporate Finance.

Der bisherige Produktionsleiter des Möbelproduzenten HMW Möbel, Tobias Nowak, übernimmt die Vermögenswerte des Unternehmens im Zuge einer übertragenden Sanierung. Durch den Management-Buy-out bleibt die Möbelproduktion am Standort Halberstadt mit 120 Beschäftigten erhalten. Tobias Nowak tritt die Nachfolge seines Vaters Peter Nowak an, der das damalige HMW Möbelwerk 1995 mit zwei Kollegen übernommen hatte. Über das Unternehmen war bereits im Sommer 2018 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet worden. Lucas Flöther (Kanzlei Flöther & Wissing) begleitete den Prozess als Sachwalter, Ole Brauer (Plan E by Elsässer) war als Sanierungsgeschäftsführer an Bord.

Die auf Maschinenbau spezialisierte RPM Rüster-Gruppe aus Deggingen hat einen Käufer gefunden. Die Insolvenzverwalter Fritz Zanker und Steffen Beck (beide Pluta) verkaufen den Betrieb an zwei neu gegründete Tochtergesellschaften der Münchener Beteiligungsholding Navigator Group. Rund 50 Mitarbeiter werden übernommen, über den Kaufpreis haben die Verantwortlichen Stillschweigen vereinbart. Die Gruppenunternehmen Rüster Präzisionstechnikund Rüster Technologiehaben im Oktober 2020 Insolvenzanträge gestellt, damals beschäftigte die Gruppe rund 80 Mitarbeiter. Den M&A-Prozess begleitete ein Team von SGP Schneider Geiwitz Corporate Finance.

Der sächsische Tischlereibetrieb K&S in Coswig bleibt unter einem neuen Investor erhalten. Das Unternehmen fertigt unter anderem Hoteleinrichtungen und war durch hohe erforderliche Projektvorfinanzierungen in Schieflage geraten. Seit Ende April durchläuft K&S eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Nils Freudenberg (Tiefenbacher Insolvenzverwaltung) ist vorläufiger Sachwalter, Thomas Beck (Wirtschaftskanzlei Beck) berät die Geschäftsführung in der Sanierung. Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) verantwortete den Investorenprozess. Der Investor stammt aus der Baubranche, namentlich wurde er nicht bekannt.

Die Magenwirth-Gruppe übernimmt zum 1. August das Geschäft der Heuschkel Druckguß aus der Insolvenz. Laut Insolvenzverwalter Volker Böhm (Schultze & Braun) bleibt dadurch der Standort Nürnberg mit 50 Arbeitsplätzen erhalten. Das Unternehmen hatte im Februar 2020 Insolvenzantrag gestellt, die Coronapandemie erschwerte die Investorensuche. Die Magenwirth-Gruppe ist spezialisiert auf Hydraulikbremsen für Fahrräder. Heuschkel wurde von Quest Consulting beraten, CMS Hasche Sigle begleitete die Magenwirth-Gruppe. 

Weitere Branchennews

Der Modekonzern Adler will sein Eigenverwaltungsverfahren bis Ende August abschließen. Die Gläubiger haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Künftig wird der Investor Zeitfracht Logistik alleiniger Aktionär bei Adler sein. Bei der Modekette mit einstmals 3.200 Mitarbeitern sollen durch die Restrukturierung mehr als 2.600 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Gläubiger sollen mit „einer erkennbaren Quote auf ihre Forderungen“ rechnen können, Details zur Höhe sind nicht bekannt. Christian Gerloff (Gerloff Liebler) war Generalbevollmächtigter der Adler Modemärkte, Sachwalter war Tobias Wahl (Anchor Rechtsanwälte). Auch die Insolvenzpläne der Tochtergesellschaften Adler Mode und Adler Orange wurden von den jeweiligen Gläubigern angenommen.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Die Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons baut die deutsche Finanzmarktpraxis mit Christopher Kranz als Partner im Bereich finanzielle Restrukturierungen und Insolvenzrecht aus. Kranz wird von August an im Frankfurter Büro arbeiten. Er war seit 2012 in der Restrukturierungs- und Insolvenzpraxis von Allen & Overy tätig, zuletzt als Counsel. Bei Simmons & Simmons soll er ein neues Restrukturierungs- und Insolvenzteam leiten. Mit ihm zusammen wechseln zwei Associates.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de   

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.