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Restrukturierungsnews: Leysieffer, Deutsche Lichtmiete, Insolvenzreport

Der Pralinenhersteller Leysieffer wird von der Logistikgruppe Zeitfacht übernommen.
Der Pralinenhersteller Leysieffer wird von der Logistikgruppe Zeitfacht übernommen. Foto: Nitr - stock.adobe.com

Confiseriehersteller Leysieffer ist gerettet

Der insolvente Pralinenhersteller Leysieffer ist gerettet. Die Logistikgruppe Zeitfracht übernahm den Feinkosthändler Mitte August inklusive aller 180 Beschäftigten. Leysieffer hatte im Juli dieses Jahres Insolvenz angemeldet, das Unternehmen hatte Liquiditätsprobleme und einen Umsatzrückgang als Ursachen angegeben. Es war bereits die zweite Insolvenz des Unternehmens innerhalb weniger Jahre gewesen, 2019 war Leysieffer in die Zahlungsunfähigkeit geraten. Damals hatte der Einstieg eines US-Investors das Unternehmen aus dem niedersächsischen Osnabrück gerettet.

Die Zeitfracht-Gruppe ist ein Logistik- und Handelsunternehmen, das in mehreren Branchen tätig ist. Das Unternehmen hatte 2021 auf sich aufmerksam gemacht, als es die insolvente Modekette Adler aufgekauft hatte.

Investorenlösung für Deutsche Lichtmiete zeichnet sich ab

Im Fall der insolventen Deutschen Lichtmiete zeichnet sich eine Fortführungslösung ab. Die Gläubigerausschüsse haben sich entschieden, in finale Verhandlungen mit One Square Adivsory Services zu gehen, die die Anleihegläubiger vertreten. Alternativ zur Übernahme durch One Square war noch eine Lösung im Raum gestanden: Ex-Lichtmiete-Interimvorstand Gert Sieger hatte ein Konzept vorlegen wollen, das vorsah, eine Auffanggesellschaft zu bilden. Da Sieger aber eine letzte Frist verstreichen ließ, ohne ein annahmefähiges Angebot mitsamt belastbarer Planung vorzulegen, beauftragen die Gläubigerausschüsse den Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß (Wallner Weiß) damit, abschließende Verhandlungen mit One Square zu führen.

Die Deutsche Lichtmiete hatte im März zum zweiten Mal vorläufige Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen bereits zum Jahreswechsel einen Insolvenzantrag eingereicht hatte, diesen aber wenig später wieder zurückgezogen hatte. Im Fall der Deutschen Lichtmiete besteht Verdacht auf Kriminalinsolvenz – die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte im vergangenen Dezember Ermittlungen wegen Betrugsverdacht eingeleitet, es bestand der Vorwurf, das Unternehmen hätte Gläubiger mit einem Schneeball- beziehungsweise Ponzi-System getäuscht.

Zahl an Insolvenzen könnte im zweiten Halbjahr steigen

Die Zahl an Insolvenzen könnte im zweiten Halbjahr dieses Jahres zunehmen. Das ist ein Ergebnis des aktuellen FINANCE-Insolvenz-Reports, für den die Restrukturierungsberatung Falkensteg exklusiv für FINANCE die Großinsolvenzen von Unternehmen mit einer Umsatzgröße ab 20 Millionen Euro auswertet. Im zweiten Quartal des Jahres 2022 ist die Anzahl an Insolvenzen jedoch gesunken, so beantragten zwischen April und Juni nur 19 große Unternehmen ein Insolvenzverfahren – ein gegenläufiger Trend zum ersten Quartal 2022. In den Monaten Januar bis März war die Zahl der Insolvenzanträge im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen.

Deutlich gesunken ist im vergangenen Quartal die Zahl der insolventen Unternehmen ab einem Umsatz von 50 Millionen Euro, in dieser Größenordnung gab es nur drei Insolvenzfälle. Auch die Zahl der Kreditausfälle (NPL) hat sich verringert. Die Quote sank von 2,06 Prozent auf 1,95 Prozent, das ist der niedrigste Stand seit der ersten Veröffentlichung der Statistik im April 2015.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Polar Group, ein Maschinenbauunternehmen aus Hofheim, hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Damit soll der Betrieb saniert werden, das Geschäft soll dabei mit allen rund 380 Beschäftigten fortgeführt werden. Laut der Polar Group haben Lieferengpässe bei Komponenten von Schneidemaschinen zu Umsatzeinbrüchen geführt, dadurch sei die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens bedroht. Als Sachwalter wurde Jan Markus Plathner (Brinkmann & Partner) ernannt, Generalbevollmächtigter ist Robert Schiebe (Schiebe und Collegen).

Die Großinsolvenz der österreichischen CPI-Gruppe weitet sich aus: Nachdem bereits die Tochter des Immobilienkonzerns, CPI Beteiligungen, zahlungsunfähig war, ist nun auch die Muttergesellschaft, CPI Immobilien, insolvent. Bei CPI Immobilien handelt es sich um eine Unternehmensgruppe, die aus über 160 Gesellschaften besteht und sich in Österreich und Deutschland überwiegend mit Immobilienentwicklung, Hausverwaltung und dem An- und Verkauf von Immobilien beschäftigen. Insgesamt stehen nach Angaben des Gläubigerschutzverbandes KSV 1870 Forderungen von über 170 Millionen Euro im Raum. Dabei geht es unter anderem um Anleihen in Gesamthöhe von 43 Millionen Euro, diese könnten laut CPI komplett ausfallen. Als Insolvenzverwalter agiert Norbert Abel (Abel).

An dem insolventen Fintech Nuri haben laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Jesko Stark (GT Restructuring) mehrere Investoren Interesse. Die potentiellen Investoren seien dabei vor allem an der digitalen Plattform des Start-ups mit über 200.000 Kunden und an dem technischen Know-how von Nuri interessiert. Insolvenzverwalter Stark führt aktuell den Betrieb mit allen 141 Beschäftigten fort und arbeitet gemeinsam mit der Geschäftsführung an einer Sanierung des Fintechs. Nuri hatte Anfang August Insolvenz angemeldet.

Die Einzelhandelskette Superbiomarkt befindet sich im Schutzschirmverfahren. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, wegen stark gestiegener Kosten bei Energie, Mieten und Produkten große finanzielle Einbußen verzeichnet zu haben. Superbiomarkt ist vorrangig in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aktiv und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter, 2020 setzte das Unternehmen 81 Millionen Euro um. Als Generalbevollmächtigten hat Superbiomarkt den Restrukturierungsexperten Michael Mönig (Mönig) bestellt. Sachwalter ist Holger Rhode (Görg).

Distressed M&A-Deals

Die Technologieberatung Teccon hat die insolventen Hamburger Ingenieur-Dienstleister BeOne übernommen, alle Arbeitsplätze wurden übernommen. BeOne hatte im Mai 2022 Insolvenz anmelden müssen, nachdem große Kunden des Unternehmens im Luftfahrtbereich im Zuge der Corona-Pandemie weggefallen waren. Vorläufiger Insolvenzverwalter war Finn Peters (Baker Tilly), als M&A-Berater agierte Centuros.

Alles zum Thema

Distressed M&A

Die Coronakrise bringt einen Boom an Distressed M&A-Deals. Die wichtigsten Besonderheiten bei den Transaktionen und aktuelle Fälle gibt es hier im Überblick.

Die Gläubiger des Garten- und Landschaftsbauunternehmens Gzimi haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Dieser sieht unter anderem vor, eine neue Eigentümerstruktur zu schaffen, bei der die Idverde-Gruppe als Investor sämtliche Anteile übernimmt. Die Iverde-Gruppe ist ein Anbieter für Garten- und Landschaftsbau in Europa. Alle Arbeitsplätze am Standort in Olching bleiben im Zuge der Übernahme erhalten. Der vorgelegte Plan soll möglichst zeitnah vom Amtsgericht München bestätigt werden, es steht noch eine steuerliche Bedingung aus. Als Insolvenzverwalter agierte Ivo-Meinert Willrodt (Pluta), der Insolvenzplan wurde von den Sanierungsexperten Thomas Klöckner und Michael Goerge (Lecon Restrukturierung) erstellt.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die niedersächsische Werft Fosen Yard Emden muss ihren Geschäftsbetrieb Anfang September dieses Jahres einstellen, da kein Investor für das Unternehmen gefunden wurde. Laut dem vorläufige Insolvenzverwalter Christian Kaufmann (Pluta) gab es mit einem Investor noch intensive Gespräche. Dieser habe aber letztlich kein Interesse signalisiert, „vor dem Hintergrund, dass es noch zahlreiche ungeklärte Fragen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Erwerb des Werftgeländes gibt und vor dem Hintergrund der zu erwartenden Verluste des Investments in den ersten Jahren“, sagte Kaufmann. Die noch rund 75 Beschäftigten werden das Unternehmen verlassen müssen. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. September eröffnet.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Zwei von drei Restrukturierungsexperten erwarten innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate eine Rezession in Deutschland. Das ist eines der Ergebnisse der Turnaround- und Restrukturierungs-Studie 2022 des Beratungsunternehmens Alixpartners. Ein Viertel der Befragten geht sogar von einer Rezession noch in diesem Jahr aus. Als Hauptgrund für den erwarteten Abschwung nennen die Experten Lieferkettenengpässe, nur ein Drittel der Experten sieht dagegen die Inflation als Rezessionstreiber. Laut den Experten könnte sich die Krise vor allem in einem Sektor bemerkbar machen: Vier von zehn Experten erwarten, dass die Automotiv-Branche am härtesten von der Krise getroffen werden wird.

Info

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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