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Restrukturierungsnews: Salzburg Schokolade, Neckermann Strom, Getnow

Bringt ein M&A-Deal die Rettung? Für die Mozartkugeln von Salzburg Schokolade gibt es eine neue Perspektive. Foto: Tobias Arhelger – stock.adobe.com
Bringt ein M&A-Deal die Rettung? Für die Mozartkugeln von Salzburg Schokolade gibt es eine neue Perspektive. Foto: Tobias Arhelger – stock.adobe.com

Perspektive für Mozartkugelhersteller

Der insolvente Süßwarenproduzent Salzburg Schokolade könnte über einen Distressed M&A-Deal gerettet werden. Heidi Chocolat, eine Tochter des Meinl-Konzerns, hat Interesse an einem Kauf angemeldet. Allerdings muss auch der US-Konzern Mondelez International der Transaktion zustimmen. Mondelez hält die Markenrechte an den bekannten Mirabell-Mozartkugeln, die Salzburg Schokolade für den Konzern produziert. Für Heidi Chocolat wäre es ein transformatorischer Deal: Das Unternehmen zählt rund 160 Mitarbeiter, bei Salzburg Schokolade sind etwa 130 Personen beschäftigt.

Neckermann Strom ist insolvent

Der Stromanbieter Neckermann Strom hat Insolvenzantrag gestellt, vorläufiger Insolvenzverwalter ist Justus von Buchwaldt (BBL Brockdorff). Die Grundversorgung der bundesweit rund 13.000 Kunden läuft weiter, der Betrieb von Neckermann Strom ist jedoch vorläufig eingestellt. Das 2013 gegründete Unternehmen hatte noch im Oktober 2021 mit Preiserhöhungen auf die gestiegenen Großhandelspreise für Strom reagiert, konnte die höheren Kosten jedoch zuletzt nicht mehr an die Kunden weiterreichen.

„Die aktuellen Rekordpreise vor allem für Gas befeuern den Verdrängungswettbewerb in der Branche,“ erläutert Justus von Buchwaldt. „Profitieren werden die großen Anbieter, aber auch effizient arbeitende Mittelständler, die ihren Kunden Mehrwert bieten, haben eine Chance am Markt.“ Er will nun prüfen, ob das Geschäft über einen Insolvenzplan restrukturiert werden kann. Seit Mitte Oktober haben in Deutschland bereits die Stromanbieter Otima, Smiling Green Energy, Lition, Fulminant Energie sowie Dreischtrom Insolvenz angemeldet.

Getnow stellt Belieferung ein

Getnow stellt die Belieferung in Deutschland ein. Foto: Getnow

Der Lebensmittellieferdienst Getnow zieht sich aus Deutschland zurück. Das Unternehmen war erst vor rund einem Jahr aus der Insolvenz an das Logistikunternehmen LIS verkauft worden. Nun soll das Geschäft wegen fehlender Skalierungsmöglichkeiten eingestellt werden, die Angestellten sollen größtenteils auf andere Bereiche der Unternehmensgruppe verteilt werden. Ausgeschlossen sei die Rückkehr zu Getnow jedoch nicht, möglicherweise könne ein verändertes Konzept eine Perspektive bieten.

In Polen testet Getnow unter dem Namen Getnow X derzeit ein Konzept für Schnelllieferungen innerhalb von zehn Minuten aus dezentralen Distributionszentren. In Deutschland kooperierte Getnow mit dem Großhändler Metro.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Anlagenbauer Wieland Anlagen- und Apparatebau hat Insolvenzantrag in Heidelberg gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Jürgen Erbe von Schultze & Braun. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens läuft weiter. Mehrere Kunden hätten bereits signalisiert, Aufträge bei Wieland platzieren zu wollen, teilte Erbe mit. „Insgesamt sehe ich daher eine gute Basis für eine mögliche Sanierung des Unternehmens.“ Für eine erfolgreiche Sanierung muss ein Investor frisches Geld in das Unternehmen einbringen, die Suche läuft bereits.

Das Gussunternehmen Bischoff Stahl- und Edelstahlguss hat Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Michael Mönig (Mönig Wirtschaftskanzlei) berufen. Er hat nun einen Investorenprozess initialisiert, den die Beratungsgesellschaft Mentor betreut. Bischoff hat derzeit rund 50 Mitarbeiter.

Der Rohrhersteller Rohrwerk Maxhütte hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen erzielt derzeit mit rund 450 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 100 Millionen Euro. Die Maxhütte gehörte bis Ende Mai 2021 zur Max Aicher Gruppe und wurde dann durch Privatinvestoren übernommen. Preisverschiebungen und Beschaffungsprobleme hätten nun zur drohenden Zahlungsunfähigkeit geführt, teilte das Unternehmen mit. Jochen Sedlitz (Grub Brugger) begleitet die Sanierung als Generalbevollmächtigter, Harald Schwartz (Schwartz Rechtsanwälte Insolvenzverwalter) ist vorläufiger Sachwalter. Als Unternehmensberater ist Helge Hoffmann (Bachert & Partner) engagiert.

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Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Für den Kunststoffverarbeiter Lätzsch, der unter anderem Bauteile für Reisebusse herstellt, wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Generalbevollmächtigter ist Stefan Ettelt von der Kanzlei Kulitzscher & Ettelt, Sachwalter ist Jörg Schädlich von der Kanzlei Stapper Jacobi Schädlich. Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) begleitet das Unternehmen als Sanierungsgeschäftsführer. Grund für die Schieflage sind dem Unternehmen zufolge der Wegfall eines Großkunden und die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.

Der Energiedirektvermarkter Inpower soll nach der Insolvenz fortgeführt werden. Laut vorläufigem Insolvenzverwalter Robert Schiebe (Schiebe und Collegen) liefen Verhandlungen mit Interessenten, das Verfahren soll um den Jahreswechsel in Mainz eröffnet werden. Nach der Kündigung eines Rahmenvertrags und daraus resultierenden fälligen Forderungen hatte die Geschäftsführung Ende August Insolvenzantrag gestellt. Die Tochtergesellschaften Inpower Metering, Grün Power und Inpower Optimise sowie das Schwesterunternehmen Inpower Network sind nicht betroffen.

Distressed M&A-Deals

Das Familienunternehmen Seelig + Co Feinblechbau bekommt im Rahmen einer übertragenden Sanierung neue Eigentümer. Die Investoren Jochen Weiss und Markus Alexander Konold übernehmen den Geschäftsbetrieb und die 80 Mitarbeiter des Metallbauunternehmens zum Jahreswechsel, das Unternehmen firmiert künftig als Weiss Metalltechnik. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Seelig + Co durchläuft seit Frühjahr 2020 ein Eigenverwaltungsverfahren. Sachwalter ist Michael Pluta (Pluta), Thomas Planer und Klaus Ziegler von der Sanierungsberatung Planer & Kollegen begleiteten die Neuausrichtung. Jörg Stadali (Die Beratergesellschaft) war seit 2020 als Interims-Geschäftsführer an Bord.

Der österreichische Stahlbaukonzern Unger Steel Group mit 1.200 Mitarbeitern übernimmt den mittelständischen Wettbewerber Stahlbau Brehna von Insolvenzverwalter Lucas Flöther (Flöther & Wissing). In Brehna bleiben Flöther zufolge 64 Arbeitsplätze erhalten, das Unternehmen firmiert künftig als Unger Stahlbau Brehna. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

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Distressed M&A

Die Coronakrise bringt einen Boom an Distressed M&A-Deals. Die wichtigsten Besonderheiten bei den Transaktionen und aktuelle Fälle gibt es hier im Überblick.

Der IT-Dienstleister Q.Beyond übernimmt den Geschäftsbetrieb des insolventen Cloud-Dienstleisters Scanplus im Rahmen eines Asset Deals. 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln zum Käufer, im September hatte Scanplus noch knapp 240 Personen beschäftigt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Scanplus hatte im September ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Generalbevollmächtigte waren Maximilian Pluta, Stefan Warmuth und Simon Eickmann (alle Pluta), Martin Hörmann (Anchor Rechtsanwälte) war Sachwalter des Verfahrens. Den M&A-Prozess begleitete PwC.

Das Handels- und Dienstleistungsunternehmen Wünsche Group übernimmt einen Teil der Bochumer Gebra Nonfood Handelsgesellschaft im Zuge eines Asset Deals. Gebra beliefert Lebensmitteldiscounter und Großabnehmer mit Artikeln aus den Bereichen Textil, Schuhe und Haushalt und hatte Ende September eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, nachdem ein Bankenkonsortium auslaufende Kredite nicht verlängert hatte. Die Wünsche Group will mit dem Deal Synergien in der Logistik und Beschaffung nutzen und die Gebra-Sortimente ins eigene Portfolio integrieren. Auch der Gebra-Standort in China wird fortgeführt. Die Wünsche-Group übernimmt nach eigenen Angaben gut zwei Drittel der Gebra-Belegschaft. Christoph Morgen (Kanzlei Brinkmann & Partner) hat die Eigenverwaltung beraten. Sachwalterin war Dorothee Madsen (BRL).

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Nachdem sich die letzten Kaufinteressenten für den in Eigenverwaltung befindlichen Automobilzulieferer Theysohn Kunststoff zurückgezogen haben, bereitet das Unternehmen die Ausproduktion vor. Der Geschäftsbetrieb der Gesellschaft sowie ihrer Holdingsgesellschaft ICOS soll voraussichtlich Frühjahr 2022 eingestellt werden. Chief Restructuring Officer des Unternehmens ist Tobias Hartwig von Schultze & Braun, vorläufiger Sachwalter ist Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor. Das Aus betrifft rund 160 Beschäftigte in Salzgitter. Für die Schwestergesellschaft Theysohn Formenbau läuft die Suche nach einem Investor weiter.

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Daran scheitern Restrukturierungen

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Die Reederei Elbferry hat den Fährbetrieb zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven eingestellt. Das Unternehmen hatte im November nach nur acht Monaten Betriebszeit Insolvenzantrag gestellt. Als Grund für das Aus gab die Reederei an, dass beantragte Corona-Härtefallhilfen in Höhe von 800.000 Euro abgelehnt worden seien, berichtet der „Norddeutsche Rundfunk“. Der Fährbetrieb beschäftigte rund 50 Mitarbeiter. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Kiel sagte dem NRD zufolge, es hätten zu viele wirtschaftliche und rechtliche Gründe gegen den Einsatz von Steuergeld für die Härtefallhilfen gesprochen. In den vergangenen Jahren waren mehrere Unternehmen mit dem Versuch gescheitert, einen wirtschaftlichen Fährbetrieb zwischen den beiden Städten aufzubauen.

Der Motorenhersteller ATB Spielberg hat seine Restrukturierung ein Jahr nach Annahme des Sanierungsplanes abgeschlossen. An die Gläubiger wurde eine Quote von 30 Prozent ausgezahlt. 45 Arbeitsplätze blieben erhalten. Das Unternehmen hatte im Juli 2020 ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, die Produktion war zuvor bereits seit längerem nicht mehr wirtschaftlich gewesen.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Die Gläubiger im Insolvenzverfahren von Degia Berlin (vormals DEG Deutsche Energie) erhalten eine erste Abschlagszahlung von mehr als 60 Millionen Euro. Laut Insolvenzverwalter Michael Pluta (Pluta) entspricht dies einer Quote in Höhe von 24,5 Prozent. Insgesamt umfasst das Verfahren des 2018 in die Insolvenz gerutschten Strom- und Gasanbieters anerkannte Forderungen von über 10.600 Gläubigern. Pluta rechnet damit, dass das Verfahren 2022 abgeschlossen werden kann, durch weitere Ausschüttungen werde die Quote voraussichtlich noch auf über 30 Prozent steigen.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Nikolas Otto ist neuer Standortleiter bei BBL Brockdorff in Hannover. Er soll das Geschäft vor Ort gemeinsam mit Justus von Buchwaldt verantworten, der als Partner auch für die Standorte Hamburg und Bremen verantwortlich ist. Otto ist seit zwei Jahren bei BBL und auf Restrukturierung sowie Distressed-Transaktionen spezialisiert. Zuvor war er bei KPMG Law.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de  

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.