E.on SE

02.01.17
Wirtschaft

E.on braucht frisches Kapital für Atomfonds-Zahlungen

Im Juli werden die Zahlungen an den staatlichen Atomfonds fällig. E.on kommt dafür wohl nicht ohne frisches Kapital aus, RWE will dagegen auf die Milliarden aus dem Innogy-Börsengang zurückgreifen.

E.on kann die 10 Milliarden Euro schwere Zahlung an den staatlichen Atomfonds offenbar nicht ohne frisches Kapital stemmen. Der hoch verschuldete Essener Energieversorger will sich zur Finanzierung 2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen, erklärte CEO Johannes Teyssen gegenüber der „Rheinischen Post“.

Bei dem Betrag handelt es sich um die sogenannte Risikoprämie. Mit diesem Aufschlag will sich der Staat für mögliche Kostensteigerungen bei der Atommüllentsorgung wappnen, die nicht durch Rückstellungen der Energieversorger gedeckt sind. Bei E.on beträgt die Prämie laut Teyssen 25 Prozent der für die Entsorgung gebildeten Rückstellungen, im Branchendurchschnitt liegt der Zuschlag bei 35 Prozent.

Im Dezember hatte sich die Bundesregierung mit den vier Atomkraftwerksbetreibern darauf verständigt, die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls zu übernehmen. Zur Finanzierung müssen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall inklusive Risikoprämie rund 23,6 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds einzahlen, Ratenzahlung ist dabei möglich.

E.on setzt zur Finanzierung auf eigenkapitalnahe Instrumente

Mit welchem Instrument E.on die 2 Milliarden Euro einwerben will, ist offenbar noch nicht entschieden: Teyssen, der auf die teurere Ratenzahlung verzichten will, schloss im Interview mit der Rheinischen Post lediglich eine „große Kapitalerhöhung mit Börsenprospekt“ aus. In kleinerem Umfang ist eine Kapitalerhöhung aber denkbar: Es sei möglich, „dass wir neue E.on-Aktien im Rahmen des genehmigten Kapitals von 10 Prozent des Grundkapitals ausgeben“, sagte der CEO. Zum gegenwärtigen Kursniveau würde dies etwa 1 Milliarde Euro in die Kasse von CFO Michael Sen spülen, der im April in den Vorstand seines früheren Arbeitgebers Siemens wechselt. Sein Nachfolger wird das Eigengewächs Marc Spieker.

Auch die Platzierung von Hybridanleihen oder Wandelanleihen auf Uniper-Aktien nennt Teyssen als Option. Damit setzt E.on auf eigenkapitalnahe Instrumente. Angesichts der angespannten Bilanzkennzahlen ist dies auch wenig überraschend: Laut Berechnungen der Berenberg Bank liegt das Verhältnis von wirtschaftlicher Nettoverschuldung zum Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei 5x. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 schrieb E.on wegen Abschreibungen auf die abgespaltene Tochter Uniper einen Rekordverlust von 9,3 Milliarden Euro.

E.on-CEO Teyssen konkretisiert Sparpläne

Viel Zeit zur Refinanzierung bleibt E.on nicht: Teyssen erklärte, den im Juli fälligen Gesamtbetrag über 10 Milliarden Euro auf einen Schlag zahlen zu wollen. Neben der Kapitalmaßnahme soll das Geld vor allen aus den flüssigen Mitteln des Energieversorgers bekommen. Diese beziffert Teyssen auf 14 Milliarden Euro.

Gleichzeitig gab der E.on-Boss auch neue Details des Sparprogramms  „Phoenix“ bekannt, mit dem die Essener ihre Kosten bis 2018 um 400 Millionen Euro drücken wollen. Vor allem in der zentralen Verwaltung, die der Energieversorger gerade erst im Rahmen der Uniper-Abspaltung neu aufgestellt hat und in der derzeit 600 Mitarbeiten tätig sind, sollen demnach Stellen wegfallen. Wie viele es werden, sei noch offen. Wie bei früheren Sparprogrammen könnte auch bei Phoenix jeweils die Hälfte der Einsparungen auf Personal sowie Sachkosten entfallen, so Teyssen. Das Sparprogramm voranzutreiben, dürfte zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Finanzvorstands Marc Spieker zählen.

RWE profitiert beim Atom-Deal von Innogy-Milliarden

Auch E.on-Konkurrent RWE will sich auf einen Schlag von seinen Atomsorgen freikaufen. Das erklärte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz der Zeitung „Die Welt“. Der Energieversorger muss inklusive Risikoprämie insgesamt 6,8 Milliarden Euro an den staatlichen Atomfonds überweisen.

Anders als der Rivale E.on kommt RWE-CFO Markus Krebber dabei wohl ohne Kapitalmaßnahme aus: Der Börsengang der Ökostromtochter Innogy brachte den Essenern im Oktober 2,6 Milliarden Euro ein. Auch dank des Verkaufs der Erdölsparte Dea im Jahr 2015 für mehr als 5 Milliarden Euro habe man noch „einiges auf der hohen Kante“, sagte CEO Schmitz, ohne Zahlen zu nennen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Das konventionelle Energiegeschäft hat E.on an Uniper ausgelagert, doch das Atomgeschäft belastet den Konzern noch immer. Die Hintergründe erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu E.on.