KTG Energie folgt dem Mutterkonzern KTG Agrar und stellt ebenfalls den Insolvenzantrag.

KTG Energie

27.09.16
Wirtschaft

KTG Energie stellt Insolvenzantrag

Erst vergangene Woche hat der Neueigentümer Zech bei KTG Energie zwei Restrukturierungsexperten in den Vorstand berufen, um die finanzielle Lage zu prüfen. Das Ergebnis: Der Biogasproduzent ist pleite.

KTG Energie ist zahlungsunfähig. Während die Vorstände Thomas Berger (bis Anfang August) und Christian Heck (seitdem) keinen Insolvenztatbestand sahen und immer wieder beschwichtigten, die Folgen der Pleite des Mutterkonzerns KTG Agrar seien für die Biogastochter beherrschbar, kamen die neuen starken Männer bei KTG Energie schnell zu einem anderen Schluss. Heute Morgen beantragten sie die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

Erst vor vier Tagen waren die Restrukturierungsexperten Thorsten Bieg und Gerrit Hölzle von der Kanzlei Görg als „Chief Insolvency Officers“ in den Vorstand berufen worden. Der neue Eigentümer, das Bremer Familienunternehmen Zech, beauftragte die Rechtsanwälte mit der Überprüfung der Zahlungsfähigkeit. Zech hat Mitte September einen 50-prozentigen Anteil an KTG Energie sowie den Großteil der Agraraktivitäten des insolventen Mutterkonzerns KTG Agar übernommen.

Die Eindrücke der neuen Vorstände und ein Gutachten eines nicht genannten Wirtschaftsprüfers bestätigten, dass KTG Energie zahlungsunfähig ist. Dass die Experten so schnell genügend Anlass für einen Insolvenzantrag gefunden haben, könnte möglicherweise zu einem juristischen Problem für Christian Heck werden, der das Unternehmen seit August alleine führt. Es steht die Frage im Raum, warum nicht er schon Insolvenzgründe erkannte. Dass der neue Eigentümer Zech der Corporate Governance von KTG Energie nicht traute, zeigt sich schnell in konsequenten Personalentscheidungen: Nach dem Wechsel des Hauptgesellschafters musste der gesamte Aufsichtsrat zurücktreten, darunter auch der einstige KTG-Agrar-Chef Siegfrid Hofreiter, dem die Pleite des Agrarkonzerns angelastet wird.

Schlechte Aussichten für Anleihegläubiger von KTG Energie

Für die Sanierungsexperten Thorsten Bieg und Gerrit Hölzle beginnt jetzt die nächste Phase ihres Mandats: Sie müssen das Biogasunternehmen wieder in die richtige Spur bringen. KTG Energie war vor allem durch die Probleme im Mutterkonzern KTG Agrar ins Schlingern geraten. Nach der Insolvenz waren viele Lieferanten und Kreditgeber auch bei dem Tochterunternehmen auf Distanz gegangen. Es kam zu großen Versorgungslücken bei den Substraten, was KTG Energie zunächst verschleierte.

Kurzzeitig schöpften die Anleihegläubiger des Unternehmens durch den Einstieg des neuen Eigentümers noch neue Hoffnung. Der mit 7,25 Prozent verzinste Bond, der bis im September 2018 läuft, erholte sich kurzzeitig auf rund 50 Prozent. Diese Hoffnungen haben sich nun zerschlagen. Ob die Investoren noch mit einer Rückzahlung rechnen können, ist ungewiss. Mittlerweile notiert die Anleihe nur noch bei rund 11 Prozent.

Auch der Kurs der Aktien des Unternehmens ist auf dem ohnehin niedrigen Niveau noch einmal deutlich abgesagt, als der Neueigentümer Zech vergangene Woche die Zahlungsfähigkeit von KTG Energie in Frage stellte. Seit heute ist er ein Penny-Stock.

Finanzielle Verflechtungen von KTG Energie und KTG Agrar

Im Aufgabenheft der Sanierer dürfte vor allem eine Lösung der finanziellen Abhängigkeiten von KTG Energie und KTG Agrar stehen. Bisher waren beide Unternehmen eng verbunden. KTG Energie schuldet der Mutter ein Darlehen in Höhe von 33 Millionen Euro. Darüber hinaus garantiert KTG Agrar mehrere Finanzierungen von KTG Energie. Auf der anderen Seite ist KTG Energie der wichtigste Abnehmer der Maisernte von KTG Agrar. Auch Grassilage liefern die Agrarbetriebe an die Biogasstandorte.

Der neue Eigentümer Zech dürfte darauf achten, die Lieferbeziehungen intakt zu lassen, da sie zentral sind für das Funktionieren beider Unternehmen. Nach einer Abtrennung der Schulden im Zuge des Insolvenzverfahrens könnten dann voneinander unabhängige Finanzierungen oder eine zentrale Finanzierung durch die Zech-Gruppe die bisherigen Finanzströme zwischen den beiden KTG-Gesellschaften ersetzen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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