Nach der Übernahme der KTG-Gruppe durch die Zech-Gruppe schöpften viele Bondholder der KTG Energie wieder Hoffnung. Doch die Skepsis des neuen Eigentümers macht diese gleich wieder zunichte.

KTG

21.09.16
Wirtschaft

Neuer Eigentümer Zech greift bei KTG Energie durch

Die Zech-Gruppe will Klarheit, wirft Ex-KTG-Chef Siegfried Hofreiter aus dem Aufsichtsrat von KTG Energie und platziert zwei Insolvenzanwälte im Vorstand bei KTG Energie. Sie sollen prüfen, ob Insolvenzgründe vorliegen.

Nur wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass das Bremer Familienunternehmen Zech einen Großteil der KTG-Gruppe übernehmen wird, greift der neue Eigentümer durch. Wie der Biogasproduzent KTG Energie am gestrigen Dienstag abends mitteilte, sollen die beiden auf Restrukturierung und Insolvenzrecht spezialisierten Anwälte Thorsten Bieg und Gerrit Hölze von der Kanzlei Görg in den Vorstand von KTG Energie einziehen.

Sie sollen prüfen, ob bei KTG Energie Gründe für das Stellen eines Insolvenzantrags vorliegen. Sollten sie fündig werden, könnte dies problematisch für Christian Heck werden, der KTG Energie seit dem Abgang von Ex-Chef Thomas Berger im August als Alleinvorstand führt. Trotz erheblicher Probleme im Geschäftsverlauf hat Heck bisher darauf verzichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Auch im Aufsichtsrat greift Zech durch: Der gesamte dreiköpfige Aufsichtsrat von KTG Energie tritt zurück: Dietmar Lutz, Hubertus Fleßner und der langjährige KTG-Agrar-Chef Siegfried Hofreiter, der die Pleite des Agrarkonzerns zu verantworten hat. Der Vorstand werde unverzüglich eine gerichtliche Neubestellung beantragen, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. FINANCE-Informationen zufolge soll der Rückzug von Hofreiter aus dem Aufsichtsrat eine zentrale Bedingung der Zech-Gruppe für den Kauf der Mehrheit an KTG Energie gewesen sein.

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KTG Energie geriet durch Pleite von KTG Agrar in Schieflage

Nicht nur, dass gegen Hofreiter wegen der dubiosen Umstände der Pleite von KTG Agrar inzwischen die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch KTG Energie war erst durch Hofreiters Machenschaften beim Mutterkonzern KTG Agrar in Schieflage geraten. Dessen Pleite hatte bei dem Biogasproduzenten zu Versorgungs- und Produktionsproblemen geführt, die KTG Energie versuchte, zu verschleiern. KTG Energie litt unter Substratmangel, weil Lieferungen von KTG Agrar ausblieben und enge Finanzierungsbeziehungen zwischen den beiden Unternehmen bestehen, was die Geldgeber zurückhaltend werden ließ.

Für die Bondinvestoren von KTG Energie, die nach dem Einstieg von Zech gerade erst wieder Hoffnung geschöpft hatten, ist die erkennbar kritische Haltung des neuen Hauptgesellschafters zur Lage bei KTG Energie ein Schlag ins Kontor. Die Kurserholung der 50 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe von KTG Energie auf zwischenzeitlich über 50 Prozent ist vorbei. Heute halbiert sich das Papier und fällt auf nur noch knapp über 20 Prozent. 

Zech-Gruppe kaufte auch insolvente Imtech Deutschland

Die KTG-Gruppe ist nicht das erste Unternehmen, das die Zech-Gruppe zügig aus der Insolvenz heraus aufkauft. Das Bremer Familienunternehmen, das seine Wurzeln eigentlich im Baugewerbe hat, machte auch bei Imtech – dem Ausrüster des Skandalflughafens Berlin Brandenburg (BER) – nur acht Wochen nach dessen Insolvenz Nägel mit Köpfen und übernahm einen Großteil des Deutschlandgeschäfts des Baudienstleisters.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die Hintergründe der Pleite des Agrarriesen KTG Agrar sind mehr als dubios. Auch die Biogastochter KTG Energie steckt in diesem Strudel drin. Viele Zusatzinfos zur aktuellen Lage gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar.

 

Die Bonds der KTG-Gruppe sind nicht die einzigen Anleihen von Mittelständlern, die zuletzt ausgefallen sind. Erfahren Sie mehr über den angeschlagenen Markt, auf der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen