Die Lufthansa könnte nach der Coronakrise 22.000 Stellen streichen. Diese Nachricht schickte die Aktie auf Talfahrt.

Lufthansa/Alex Tino Friedel ATF Pictures

12.06.20
Wirtschaft

Ringen um Sparpaket schickt Lufthansa-Aktie auf Achterbahnfahrt

Ein womöglich deutlich höherer Stellenabbau als gedacht, Streit mit den Gewerkschaften und Kritik am Rettungspaket: Die Lufthansa-Aktie kommt einfach nicht zur Ruhe.

Die Achterbahnfahrt der wegen des Coronavirus arg gebeutelten Lufthansa-Aktie geht weiter: Nach einem Tarifgipfel mit Gewerkschaften am Mittwoch stürzte das Papier am Donnerstag kurz nach Börsenbeginn zeitweise um rund 13 Prozent ab und notierte unter teils unter 10 Euro. Im Laufe des Freitags zog der Kurs wieder leicht an und lag zeitweise bei 10,70 Euro.

Das Auf und Ab der Lufthansa-Aktie

Streicht Lufthansa mehr Stellen als gedacht?

Grund für die letzte Kursturbulenz war wohl die Nachricht, dass das durch die Coronakrise geplagte Unternehmen noch mehr Stellen streichen könnte als gedacht. Nach dem Tarifgipfel am Mittwoch mit den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit, Ufo und Verdi teilte der Luftfahrtkonzern mit, dass es nach der Krise rechnerisch 22.000 Stellen zu viel geben wird. Bisher war von einem Überhang von deutlich mehr als 10.000 Stellen die Rede.

Personal-Vorstand Michael Niggemann begründet die möglichen Personaleinsparungen folgendermaßen: „Ohne signifikante Senkung der Personalkosten während der Krise verpassen wir die Chance eines besseren Restarts aus der Krise und riskieren, dass die Lufthansa Group deutlich geschwächt aus der Krise hervorgeht.“ Die Lufthansa will mit Kurzarbeit und Krisenvereinbarungen möglichst betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Bis zum 22. Juni will der Konzern zusammen mit den Tarifpartnern zu einem konkreten Ergebnis kommen.

Die Lufthansa rechnet nur mit einer langsamen Erholung im Luftverkehr. Der Konzern geht davon aus, dass die Flotte nach der Krise rund 100 Flugzeuge weniger zählen wird. Zusätzlich kämen Überhänge in der Verwaltung und im Drittkundengeschäft der Servicegesellschaften hinzu, heißt es.

Lufthansa-Piloten verzichten auf Gehalt

Die Gewerkschaften zeigen sich zunächst lösungsorientiert. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo betonte, dass sie bereit sei, bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni eine Lösung zu erreichen. Jedoch fordert Ufo, die einen Überhang von 26.000 Arbeitsplätzen errechnet hat, dass die Mitarbeiter aller Airlines einen Kündigungsschutz bekommen.

Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bekräftigt ihre Bereitschaft zu Zugeständnissen in Höhe von 350 Millionen Euro, was für den einzelnen Piloten einen Gehaltsverzicht von bis zu 45 Prozent bedeuten könnte. „Im Gegenzug erwarten wir einzig vom Konzernvorstand, dass er sich zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekennt“, erklärte VC-Präsident Markus Wahl.

Kritik am Rettungspaket für Lufthansa

Weniger Zuspruch gibt es dafür für die Politik, die wegen des Rettungspakets für die Lufthansa kritisiert wird. „9 Milliarden für ein Unternehmen, das 4 Milliarden wert ist und Verzicht auf jede Mitsprache. Wenn die Lufthansa 22.000 Arbeitsplätze streichen sollte, ist die Bundesregierung verantwortlich!“, twitterte etwa der Linken-Parteichef Bernd Riexinger.

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter fordert sogar eine Nachverhandlung: „Die Bundesregierung sollte sich angesichts der neuesten Entwicklungen dringend noch einmal mit der Lufthansa an einen Tisch setzen und das Rettungspaket nachverhandeln.“ Er kritisiert vor allem, dass das Rettungspaket keine Sicherheiten für die Beschäftigten enthalte.

Das Rettungspaket sieht bisher vor, dass die Lufthansa Staatshilfe von 9 Milliarden Euro bekommt. 3 Milliarden sollen von der KfW kommen. Der Staat will sich mit einer Kapitalerhöhung von 20 Prozent beteiligen. Der Rest sind stille Einlagen des Bundes und eine Wandelanleihe von 5 Prozent der Anteile plus einer Aktie. Neben einigen Auflagen will der Staat noch zwei Plätze im Aufsichtsrat.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Gewinnwarnungen, ein Streik nach dem nächsten, ein groß angelegter Konzernumbau – und jetzt auch noch das Coronavirus: Die Lufthansa ist im Krisenmodus. Wie die größte deutsche Airline um die Wende ringt, lesen Sie auf Themenseite zur Lufthansa.