Die LBBW konnte ihr Kapitalmarktgeschäft nach einem Katastrophenjahr wieder stabilisieren.

LBBW/Frank Kleinbach

13.03.20
Banking & Berater

LBBW stabilisiert Kapitalmarktgeschäft

Die LBBW-Zahlen für 2019 zeigen, dass es im Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft wieder aufwärts geht. Das Wachstumspotential der Landesbank liegt aber woanders.

Die LBBW hat 2019 einen Gewinn vor Steuern von 612 Millionen Euro erzielt – das sind 11,4 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 zeigen. Das hat vor allem drei Gründe: Der Vorsteuergewinn im Firmenkundengeschäft blieb das zweite Jahr in Folge stabil, das Kapitalmarkgeschäft hat nach einem extrem schwachen Jahr im vergangenen Jahr wieder etwas zugelegt, vor allem jedoch haben die Schwaben ihr Geschäft mit der Immobilien- und Projektfinanzierung stark ausgebaut. 

LBBW drosselt Kreditvergabe an Firmenkunde

Das Firmenkundengeschäft bündelt die LBBW seit drei Jahren im Geschäftssegment Unternehmenskunden. Ein Blick auf dessen Details zeigt: Der Vorsteuergewinn blieb mit rund 300 Millionen Euro bereits das zweite Jahr in Folge stabil. Einer höheren Risikovorsorge standen ein höherer Zins- und Provisionsüberschuss sowie niedrigere Kosten gegenüber. Das stabile Niveau ist für die Schwaben bereits ein Erfolg: Zuvor hatte die LBBW im Firmenkundengeschäft vier Jahre in Folge Rückgänge verkraften müssen.

Der Zinsüberschuss legte 2019 um 2 Prozent auf 806 Millionen Euro zu. Im Vorjahr war das Wachstum mit 8,7 Prozent noch deutlich stärker ausgefallen. Der Unterschied begründet sich mit einer restriktiveren Kreditvergabe. 2019 weitete die LBBW ihr Firmenkundenkreditbuch um 2 Milliarden Euro auf 51 Milliarden Euro aus. Im Jahr zuvor waren es noch 5 Milliarden Euro Zuwachs gewesen. Auch die niederländische ING oder die Düsseldorfer HSBC traten zuletzt auf die Kreditbremse. Eine gegenläufige Kreditstrategie verfolgt die Commerzbank.

Ihren Provisionsüberschuss steigerte die LBBW im Firmenkundengeschäft um 4,7 Prozent auf 177 Millionen Euro. Das Wachstum ist allerdings nur ein erster Schritt zurück zu alten Dimensionen. Im Vorjahr war der Provisionsüberschuss noch um 12 Prozent gesunken. Ein Manko war damals das maue Cross-Selling im Firmenkundengeschäft. Darin will die LBBW Fortschritte gemacht haben. So seien beispielsweise die Corporate-Finance-Erlöse gesteigert worden, heißt es nun.

10 Prozent Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft sind momentan nicht machbar, wir müssen eher mit 6 bis 8 Prozent rechnen.

Karl Manfred Lochner, Firmenkundenchef, LBBW

Firmenkundenchef Karl Manfred Lochner sagte Anfang des Jahres gegenüber FINANCE, dass man mehr Währungssicherungen, Anleihegeschäft und Exportfinanzierungen verkauft habe. Die Wachstumserwartungen im Firmenkundengeschäft dämpfte er aber: „10 Prozent Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft sind momentan nicht machbar, wir müssen eher mit 6 bis 8 Prozent rechnen“, so Lochner.

Die Kosten konnte die LBBW im Firmenkundengeschäft leicht auf 608 Millionen Euro senken. Die Risikovorsorge erhöhte sich aufgrund von Einzelfällen um 45 Prozent auf 128 Millionen Euro. Mit 0,6 Prozent ist der Anteil aller notleidenden Kredite am Gesamtportfolio der Bank aber weiterhin sehr niedrig. 

Hohe Zuwächse im Kapitalmarktgeschäft

Auch das Kapitalmarktgeschäft verliert zumindest nicht weiter an Boden, nachdem es 2018 ein rabenschwarzes Jahr verbucht hatte. Damals brach der Vorsteuergewinn um rund drei Viertel ein. Der Zinsüberschuss halbierte sich auf 151 Millionen Euro, nur der Provisionsüberschuss blieb stabil.

2019 liest sich dagegen wieder deutlich besser. Der Zinsüberschuss legte um 31 Prozent auf 207 Millionen Euro zu. Der Provisionsüberschuss wuchs um 11 Prozent auf 130 Millionen Euro. Den Rückgang aus dem Jahr zuvor kann das zwar nicht komplett aufholen, aber es geht in die richtige Richtung. Vor Steuern verdiente die LBBW im Kapitalmarktgeschäft wieder 117 Millionen Euro und damit doppelt so viel wie im Vorjahr. 

Das lag der Bank zufolge unter anderem an syndizierten Kapitalmarkttransaktionen mit einem Gesamtvolumen von 120 Milliarden Euro. Auch nicht näher erläuterte Treasury-Aktivitäten hätten ergebnissteigernd gewirkt.

Ein wichtiger Ertragsbringer für das Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft war auch 2019 wieder das Schuldscheingeschäft. Hier hat die LBBW nach eigener Aussage ihre Marktführerschaft verteidigt und kommt auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Die Bank habe 2019 insgesamt 53 Schuldscheine im Gesamtvolumen von 12,6 Milliarden Euro platziert. 

»Wir wollen die Nummer 3 werden«

Die Fusionsgerüchte um die Landesbanken reißen nicht ab. Wie positioniert sich die LBBW dabei? Firmenkundenvorstand Karl Manfred Lochner beantwortet die brennendsten Fragen im Interview (1,99 € zzgl. MwSt.).

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Rasantes Wachstum im Immobilien- und Projektgeschäft

Gewachsen ist die LBBW 2019 aber vor allem im Immobilien- und Projektgeschäft, wo die Bank nach eigener Aussage „rentabilitätsstarkes Neugeschäft“ im Gesamtvolumen von rund 10 Milliarden Euro verbuchte. Das Kreditbuch in diesem Segment schwoll dadurch um fast 60 Prozent auf 27 Milliarden Euro an. Zum Vergleich: Das Firmenkundenkreditbuch wuchs um 2 Milliarden Euro auf 51 Milliarden Euro.

Der Zinsüberschuss in im Immobilien- und Projektgeschäft sprang dadurch um 35 Prozent auf 376 Millionen Euro nach oben. Weil auch der Provisionsüberschuss um 5 Millionen auf 20 Millionen Euro gesteigert werden konnte, es keine Risikovorsorge gab und die Kosten mit 156 Millionen Euro stabil gehalten wurden, verdiente die LBBW mit der Immobilien- und Projektfinanzierung 2019 vor Steuern 54 Prozent mehr als im Vorjahr: 351 Millionen Euro – und damit mehr als im Firmenkundengeschäft mit seinen 300 Millionen Euro.

Die LBBW finanziert im Projektgeschäft vor allem Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien. Diese Finanzierungen machten der LBBW zufolge 40 Prozent des Neugeschäfts in diesem Segment aus und trugen wesentlich dazu bei, dass die LBBW auf Gesamtbankebene ihren Zinsüberschuss um 7,5 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro und ihren Vorsteuergewinn auf 612 Millionen Euro steigern konnte.

Für dieses Jahr traten die Schwaben allerdings direkt wieder auf die Euphoriebremse. Wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfelds, des intensiven Wettbewerbs, der schwachen Konjunktur und aufgrund der Folgen des Coronavirus rechnet die Bank für 2020 mit einem niedrigeren Vorsteuergewinn als im Vorjahr. Er soll voraussichtlich im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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