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Deloitte gewinnt Prüfmandat bei Bechtle

Bechtle entscheidet sich für Deloitte als neuen Abschlussprüfer. Foto: Bechtle AG
Bechtle entscheidet sich für Deloitte als neuen Abschlussprüfer. Foto: Bechtle AG

Bechtle bekommt einen neuen Abschlussprüfer: Deloitte wird aller Voraussicht nach das Prüfmandat erhalten. Der neue Wirtschaftsprüfer soll auf der Hauptversammlung am 2. Juni vorgeschlagen werden, wie das IT-Systemhaus Bechtle bei der Vorlage der Zahlen für 2021 bekanntgab. Den Segen der Aktionäre einzuholen ist meist nur noch eine Formalie.

Bechtle greift großem Prüferwechsel 2023 vorweg

Damit tritt Deloitte ab 2022 die Nachfolge des Big-Four-Konkurrenten EY an. EY testiert die Jahresabschlüsse von Bechtle seit 2002, ein Wechsel ist damit strenggenommen noch nicht obligatorisch. Den Jahresabschluss 2022 dürfte EY noch testieren, die Pflichtrotation hätte erst ab dem Abschluss für 2023 gegriffen. Doch schon im Juni vergangenen Jahres hatte Bechtle die Ausschreibung für einen neuen Abschlussprüfer gestartet.

Bechtle gehe davon aus, dass es im kommenden Jahr zu einem sehr lebendigen Wechselgeschehen kommen werde und sich die Prüfer in viele neue Kunden werden einarbeiten müssen, wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber FINANCE erklärt. In diese „Welle“ zu rutschen, wollen die Neckarsulmer mit dem vorzeitigen Wechsel vermeiden. Aufgrund des nach dem Wirecard-Skandal beschlossenen Gesetzes FISG, das Prüferwechsel sogar schon nach zehn Jahren verpflichtend macht, werden in nächster Zeit viele Wechsel erwartet.

Für Deloitte ist das gewonnene Prüfmandat ein weiterer Erfolg. Der Wirtschaftsprüfer tat sich im Vergleich zu den anderen großen Prüfgesellschaften zunächst schwer damit, größere Mandate im Rahmen der seit 2016 geltenden Rotation für sich zu gewinnen. Deloitte konnte zunächst mit Bayer nur ein einziges Dax-Unternehmen auf seiner Mandantenliste verzeichnen.

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Spätzünder Deloitte gewinnt vermehrt Mandate

Zuletzt hat es Deloitte aber geschafft, das Big-Four-Feld von hinten aufzurollen – und das auch im Pool der großen Konzerne. So sicherte sich das kleinste der großen Vier vergangenes Jahr bereits das Prüfmandat der Deutschen Post, die jahrzehntelang von PwC geprüft wurde.

Ende des Jahres folgten noch zwei weitere neue Kunden aus der Dax-40-Familie. Mit dem Mandat der Deutschen Telekom konnte Deloitte schon einmal, wie nun bei Bechtle, den Konkurrenten EY ausstechen, der das Mandat wegen des Wirecard-Skandals wieder entzogen bekommen hatte. Und beim Pharmakonzern Merck setzt künftig ebenfalls Deloitte, nicht mehr KPMG, seinen Stempel unter die Bilanz. Damit gelang es Deloitte binnen eines Jahres von jedem einzelnen der Big-Four-Rivalen ein Dax-Mandat einzuheimsen.

Zwar ist Bechtle kein Dax-40-Konzern, aber das Unternehmen mit einem Umsatz von 5,2 Milliarden Euro und 12.880 Mitarbeitern ist immerhin im MDax vertreten. Auch dort ist Deloitte verglichen zu den anderen drei Wirtschaftsprüfern unterdurchschnittlich stark vertreten.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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