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Ex-EY-Forensiker Muth zieht mit Kollegen zu PwC

Der Forensiker Christian Muth hat EY verlassen und zieht mit Kollegen zu PwC. Foto: Thomas-adobe.stock.com

Der Wirecard-Skandal führt zu einem größeren Aderlass im Forensikteam des Wirtschaftsprüfers EY als bislang bekannt. So kehrt nicht nur der bekannte Forensiker Christian Muth dem Big-Four-Haus den Rücken – er nimmt FINANCE-Informationen zufolge auch noch ein größeres Team zu seinem neuen Arbeitgeber PwC mit. Zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

„Ein Dutzend Mitarbeiter“ wechselt von EY zu PwC

Bereits im Sommer war durchgesickert, dass Forensiker Christian Muth zu PwC wechseln will. Wie FINANCE nun aus Marktkreisen erfahren hat, wird Muth „mehr als einen Partner und mehr als ein Dutzend weiterer Mitarbeiter“ zu PwC mitnehmen – das wäre ein starker Einschnitt für die Forensik-Abteilung von EY.

Nicht bekannt ist, wann der Wechsel stattfinden soll. FINANCE-Informationen zufolge sollen zudem noch weitere Mitarbeiter das Forensik-Team verlassen, allerdings nicht Richtung PwC. EY, die jahrelang die Bilanzen des Skandalunternehmens Wirecard uneingeschränkt abgesegnet hatte, steht ohnehin derzeit stark unter Druck.

Weder PwC noch EY wollten diese Informationen kommentieren. EY teilte auf FINANCE-Anfrage mit, man könne sich grundsätzlich nicht zu Marktgerüchten über das mögliche Ausscheiden von Mitarbeitern äußern. „Der Bereich Forensic & Integrity Services ist ein wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells“, so ein Sprecher weiter. „Wir werden diesen Geschäftsbereich weiter stärken und signifikant in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren. So stellen wir sicher, dass wir bei der stetig wachsende Nachfrage am Markt auch künftig gut aufgestellt sind.“

Christian Muth war EY-Forensiker im Fall Wirecard

Die Personalie Christian Muth ist durchaus brisant. Der Forensiker Muth wurde im Zuge des Wirecard-Skandals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, nachdem er im Mai im Untersuchungsausschuss des Bundestags ausgesagt hatte. Dabei machte er deutlich, dass er und sein Team bereits 2016 Verdächtiges aufgespürt hätten. Muth war damals verantwortlicher Partner der Abteilung Betrugsermittlung und Compliance bei EY.

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Im Untersuchungsausschuss berichtete Muth von der sogenannten „Ring“-Sonderuntersuchung, bei der sich das Team 2015 mit der schon damals verdächtigen Wirecard-Akquisition einer indischen Unternehmensgruppe für 326 Millionen Euro befasste. Auf Initiative eines Whistleblowers, der den Kaufpreis damals als zu teuer einschätze, ging Muth zusammen mit seinem Team in der Forensik bei EY der Sache nach.

Muth musste Untersuchungen bei Wirecard abbrechen

Brisant: Die Sondersuchung wurde damals ohne Ergebnis abgebrochen, das sei die Entscheidung des gesamten Wirecard-Vorstands gewesen, wie Muth berichtete. „Die tatsächlichen Anschuldigungen konnten wir nicht abschließend verifizieren“, gab er vor dem Ausschuss zu. So hätte der Wirecard-Vorstand die Ermittlung behindert, indem der Zahlungsdienstleister nicht alle Daten vollumfänglich ausgehändigt habe.

Auch habe der damalige CFO Burkhard Ley diverse Änderungswünsche zum Bericht von EY geäußert, woraufhin der Forensiker intern „ausgerastet“ sei. Muth hätte seinen Unmut damals dem für Wirecard verantwortlichen Wirtschaftsprüfer mitgeteilt, betonte er im Untersuchungsausschuss. Folgen hatte die Behinderung von Muths Untersuchung für die Wirecard-Chefs keine: EY testierte weiter die Jahresabschlüsse, bis es im Juni vergangenen Jahres zum großen Knall kam.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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