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Deutsche Bank bleibt Prüfer EY gewogen

Die Deutsche Bank will trotz Wirecard weiter an Abschlussprüfer EY festhalten. Foto: Mario Andreya/Deutsche Bank

Endlich mal wieder gute Nachrichten für EY: Nach dem vernichtenden Urteil von Sonderermittler Wambach zur Arbeit der Wirtschaftsprüfer im Fall Wirecard, der drohenden Klagewelle vonseiten der Anlegerschützer und dem Verlust mehrerer lukrativer Prüfmandate kann das gebeutelte Big-Four-Haus zumindest in Bezug auf die Deutsche Bank aufatmen.

Die Bank hält ihrem Abschlussprüfer trotz der Verstrickung in den Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister die Treue und will EY auch für das kommende Jahr 2022 mit der Prüfung ihrer Zahlen beauftragen, wie ein Sprecher der Bank gegenüber FINANCE bestätigte. Den Beschluss habe der Aufsichtsrat nach Empfehlung seines Prüfungsausschusses getroffen. Der Entscheidung müssen allerdings noch die Aktionäre bei der kommenden Hauptversammlung am 22. Mai 2022 zustimmen.

Wirecard-Skandal hat EY mehrere Mandate gekostet

Die Entscheidung dürfte bei EY trotzdem für deutliches Aufatmen sorgen, denn in der Regel nehmen die Aktionäre den Vorschlag des Aufsichtsrats an. Der Auftrag bei der Deutschen Bank wäre nicht das erste lukrative Mandat, das die gebeutelten Wirtschaftsprüfer wegen ihrer Rolle im Fall Wirecard verlieren.

Bei der Commerzbank, der KfW und der Deutschen Telekom wurde EY als Prüfer bereits aussortiert. Nachdem sich schon die Deutsche Bank-Tochter DWS von EY getrennt hatte, stand die Frage im Raum, wie der Mutterkonzern mit EY umgehen würde. Einige Aktionäre äußerten sich klar gegen EY, so hieß es in dem Gegenantrag eines Aktionärs beispielsweise: „Der Fall Wirecard stellt ein Totalversagen der EY dar. (…) Ich erachte das Vertrauen in die EY als Wirtschaftsprüfer als in einem so hohen Maße beschädigt, dass ich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young nicht mehr für ausreichend kompetent ansehe, um die Bilanzen und Abschlussberichte großer Aktienkonzerne wie der Deutschen Bank AG zu prüfen.“

Zwar wurde EY dennoch zum Abschlussprüfer der Bank für 2021 gewählt. Doch nach der heftigen Kritik kündigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner an, das Prüfmandat für 2022 neu auszuschreiben. Achleitner hatte die bisherige Arbeit von EY bei der Deutschen Bank gelobt, mit der Neuausschreibung des Mandats halte man sich jedoch alle Optionen offen, betonte er damals.

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PwC hat erneut das Nachsehen

Für EY hätte der Verlust neben dem Prestige auch einen finanziellen Rückschlag bedeutet. Das Big-Four-Haus hatte das Deutsche-Bank-Mandat erst 2020 im Rahmen der gesetzlichen Prüferrotation von KPMG übernommen und eigentlich noch bis 2030 behalten dürfen. Da es kostspielig ist, sich auf die Übernahme eines derart großen und komplexen Mandats vorzubereiten, dürften zwei Jahre als Abschlussprüfer für EY nicht ausreichen, um das Projekt profitabel zu machen. Zudem gehört die Deutsche Bank zu den Unternehmen, die die höchsten Prüfhonorare im Dax zahlen – 2020 erhielt der Wirtschaftsprüfer 58 Millionen Euro für seine Dienstleistungen.

Weniger gut dürfte die Nachricht vom Festhalten der Deutschen Bank an EY derweil bei der Konkurrenz angekommen sein. Dem Vernehmen nach kämpfte auch PwC um das Mandat – doch der Wettbewerber wurde nur Zweitplatzierter hinter EY. Damit hat PwC nun schon zum zweiten Mal das Nachsehen, denn auch bei der letzten Ausschreibung landete PwC hinter EY.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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