Die Coronakrise ist auch an den M&A-Beratern und Investmentbankern nicht spurlos vorbeigegangen.

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23.10.20
Banking & Berater

M&A-Berater sind trotz Corona wieder optimistischer

Unternehmen wagen sich langsam wieder an Deals, doch die monatelange Flaute hat ihre Spuren bei den M&A-Beratern und Investmentbankern hinterlassen. Wie schwer wurde die Branche getroffen?

Die vergangenen Monate waren hart für M&A-Berater: Transaktionen wurden aufgrund der Coronavirus-Krise reihenweise verschoben oder komplett auf Eis gelegt, die Auftragsbücher schrumpften dementsprechend auf ein Minimum. Viele M&A-Berater hatten daher bereits im Frühjahr mit dem Schlimmsten gerechnet und ein rabenschwarzes M&A-Jahr 2020 vorausgesagt.

Ganz so schlimm ist es aber dann doch nicht gekommen, zeigt das neue FINANCE M&A Panel, für das FINANCE gemeinsam mit der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Smallcap-Berater kommen schwerer durch die Krise

Tatsächlich waren die Auftragsbücher der M&A-Berater doch voller, als sie bei der Frühjahrsumfrage geschätzt hatten: Auf einer Skala von minus 5 (stark unterdurchschnittlich) bis plus 5 (stark überdurchschnittlich) prognostizierten die M&A-Berater ihr geschätztes Projektaufkommen für die kommenden drei bis acht Monate im April noch mit minus 1,33. Ihre aktuelle Auslastung bewerten die Berater nun mit minus 0,3 – das ist zwar immer noch unterdurchschnittlich, aber immerhin wesentlich besser als befürchtet.

Die Coronakrise hat dabei nicht alle M&A-Berater gleichermaßen getroffen. Die Smallcap-Berater, die M&A-Deals mit einem Volumen von bis zu 40 Millionen Euro begleiten, hat es etwas schlimmer erwischt: Sie schätzten ihre kommende Auslastung im April auf minus 1,2 und vergeben nun minus 0,45. Besser lief es für die Mid- und Largecap-Berater, die Transaktionen mit einem Volumen von über 40 Millionen Euro betreuen: Bewerteten sie im April das erwartete Projektaufkommen noch mit minus 1,55, liegt der Wert aktuell bei minus 0,05.

M&A-Berater sind verhalten optimistisch

„Der Schock war massiv“, erinnert sich CMS-Corporate-Partner Oliver Wolfgramm an die Anfänge der Krise zurück. „Umso größer ist nun die Erleichterung, dass Projekte trotz der Krise erfolgreich zu Ende gebracht werden konnten und auf Eis gelegte Projekte wieder aufgenommen wurden.“ Das stimmt den Rechtsanwalt positiv für die Zukunft: „Die Krise eröffnet auch neue Opportunitäten, nicht zuletzt im Bereich Distressed M&A“.

Zumindest etwas positiver gestimmt als noch im Frühjahr sind die von FINANCE befragten M&A-Berater auch mit Blick nach vorn: Ihr künftiges Projektaufkommen für Deals mit Signing in den kommenden drei bis acht Monaten schätzen die Berater mit dem Wert 0,83 wieder überdurchschnittlich ein. Die Smallcap-Berater zeigen sich mit einem Wert von 0,67 allerdings etwas zurückhaltender als die Berater von Mittelständlern und größeren Konzernen, deren Prognose beim Wert 1,1 liegt. Dennoch: Das Vorkrisenniveau ist noch weit entfernt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

„Der Schock war massiv.“

Oliver Wolfgramm, Corporate Partner bei CMS

Die detaillierten Ergebnisse des FINANCE M&A Panels können Sie hier kostenlos herunterladen. Weitere exklusive und spannende Panels, Studien und Datenbanken finden Sie unter der Rubrik FINANCE-Research. Wie M&A-Professionals aus Unternehmen die aktuelle Lage am M&A-Markt einschätzen, lesen Sie hier.