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Wegen Wirecard: Die Commerzbank klagt gegen EY

Commerzbank verklagt EY wegen Wirecard
Die Commerzbank verklagt EY wegen Wirecard. Foto: Julia Schwager/Commerzbank

Die Commerzbank will vom Wirtschaftsprüfer EY Verluste von rund 200 Millionen Euro infolge der Wirecard-Pleite ersetzt bekommen. Das Geldinstitut hat deshalb Klage vor dem Landgericht Frankfurt gegen das Big-Four-Haus eingereicht, wie eine Sprecherin gegenüber FINANCE bestätigte. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ über die Klage berichtet.

EY hatte jahrelang die Wirecard-Abschlüsse geprüft und testiert, auch noch, als es die ersten Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei Wirecard vom Shortseller Fraser Perring und in verschiedenen Wirtschaftsmedien gab. EY steht deshalb in der Kritik. So soll der Wirtschaftsprüfer Bilanzen trotz vieler Ungereimtheiten testiert haben.

Zahlreiche Klagen gegen EY wegen Wirecard

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu einzelnen Klagen grundsätzlich nicht äußern“, teilt EY auf FINANCE-Nachfrage mit. Die Forderungen der Gläubiger liegen deutlich über der Insolvenzmasse von Wirecard. Manche der Geschädigten versuchen deshalb,  EY in Regress zu nehmen. „Seit 2020 versuchen Privatanleger gegen EY zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen. Sämtliche erstinstanzlichen Gerichtsurteile, die in diesem Kontext bereits ergangen sind, bestätigen die Position von EY: Ansprüche gegen EY auf Schadensersatz bestehen nicht“, so EY weiter.

Das Big-Four-Haus ist deshalb zuversichtlich, dass die Commerzbank mit ihrer Klage keinen Erfolg haben wird: „Wir gehen davon aus, dass die Gerichte diese Position auch bei Klagen institutioneller Anleger beziehungsweise Kreditgebern vertreten werden.“

EY erlitt Schlappe vor dem Landgericht Stuttgart

Erst im Dezember hatte EY eine Schlappe vor dem Landgericht Stuttgart hinnehmen müssen. Der Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hatte EY auf Einsicht in die Akten des insolventen Zahlungsdienstleisters verklagt und recht bekommen.

Die Wirecard-Pleite gilt als einer der größten Finanzskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der Zahlungsdienstleister musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem bekannt geworden war, dass angebliche Umsätze in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro nie existiert hatten. Die Staatsanwaltschaft wirft ehemaligen Wirecard-Spitzenmanagern vor, Umsätze in Milliardenhöhe erfunden zu haben, um die Bilanzen zu schönen.

Commerzbank-Analystin spielte unrühmliche Rolle bei Wirecard

Aktuell sitzen der ehemalige CEO Markus Braun, der ehemalige CFO Stephan von Erffa sowie der ehemaligen Geschäftsführer der Dubai-Tochter des Zahlungsdienstleisters, Oliver Bellenhaus, auf der Anklagebank der vierten Strafkammer des Münchener Landgerichts. Braun hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sieht sich selbst als Opfer von Bellenhaus, der in dem Verfahren als Kronzeuge fungiert, und dem flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek.

Die Commerzbank spielte selbst keine ganz rühmliche Rolle im Fall Wirecard. Ihre ehemalige Analystin Heike Pauls hatte noch bis kurz vor dem Zusammenbruch positive Berichte über die Wirecard-Aktie veröffentlicht und interne Informationen an Braun durchgestochen. Mittlerweile hat Pauls die Commerzbank verlassen. Gegen eine außerordentliche Kündigung der Commerzbank Anfang 2021 hatte sie erfolgreich geklagt. Schließlich einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.