2019 war ein gutes Jahr für BDO, der Prüfer und Berater ist ordentlich gewachsen. Nur ein Dax30-Mandat fehlt jetzt noch zum großen Glück.

BDO

12.03.20
Banking & Berater

BDO positioniert sich für Dax30-Mandat

BDO wächst und macht mit namhaften Mandatszugewinnen von sich reden. Ein Dax30-Konzern ist aber immer noch nicht darunter. BDO gibt sich kämpferisch.

Nach Mazars und Warth & Klein Grant Thornton hat nun auch BDO seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt. Das mittelständische WP- und Beratungshaus konnte 2019 demnach um 9 Prozent auf rund 262 Millionen Euro zulegen. Das ist ein Wachstum etwa auf Vorjahresniveau und etwas mehr als die vor einem Jahr prognostizierten 6 bis 7 Prozent. 

Holt Rödl & Partner BDO ein?

Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Next-Ten-Haus ein Umsatzwachstum in der Größenordnung von 2018 und 2019. Doch obwohl viele Unternehmen von solchen Wachstumsraten nur träumen können, wachsen die Verfolger Mazars (plus 10 Prozent) und Warth & Klein (plus 30 Prozent, davon 12 Prozent organisch) sogar noch schneller.

Ob BDO mit dieser Entwicklung seine Position als Nummer 5 in Deutschland gemessen am Umsatz halten kann, wird sich zeigen, wenn Konkurrent Rödl & Partner in den kommenden Wochen seine Zahlen vorgelegt hat. Rödl & Partner setzte 2018 noch 236 Millionen Euro um und müsste seine Umsatz vom 11 Prozent steigern, um BDO einzuholen – kein besonders unrealistisches Szenario. In den Vorjahren wuchs Rödl zwischen 8 und 10 Prozent.

Rödl & Partner war BDO in den vergangenen Jahren gefährlich nahe gekommen. Während BDO nach einem Strategieschwenk hin zu einem multidisziplinären Prüf- und Beratungshaus zunächst einige Jahre der Konsolidierung verkraften musste, legte Rödl immer weiter zu. 

BDO wird wohl neuer JP-Morgan-Prüfer

Obwohl BDO sich immer mehr zu einem multidisziplinären Dienstleister entwickelt, ist die Wirtschaftsprüfung nach wie vor das stärkste Geschäftsfeld. 2019 setzte das Haus damit knapp 115 Millionen Euro (plus 9 Prozent) um, was 44 Prozent vom Umsatz ausmacht. Treiber waren unter anderem neue Mandatsgewinne im Bankenbereich: Hier konnte BDO im vergangenen Jahr schon die DVB Bank und einige Töchter von Siemens Financial Services gewinnen. 

Und es deuten sich noch weitere Umsatzzuwächse an. So wird BDO aller Voraussicht nach neuer Prüfer von JP Morgan in Deutschland. BDO-Vorstand Andrea Bruckner spricht außerdem von einem weiteren neuen Bankenmandat, das BDO gewonnen habe, ohne aber Details zu dem neuen Kunden zu nennen.

Offenbar hat BDO mit seinem Vorhaben Erfolg, sich im hochregulierten Bankensektor als veritable Alternative zu den Big Four zu positionieren. Dieselbe Strategie fährt allerdings auch der mittelständische Konkurrent Mazars, der mit dem Gewinn des Goldman-Sachs-Mandats ebenfalls einen wichtigen Erfolg verbuchen konnte. 

BDO peilt Dax30-Mandat an

Neben den Mandaten aus dem Sektor Finanzdienstleistungen konnte BDO mit Vapiano und der All For One Group 2019 noch zwei weitere kapitalmarktorientierte Unternehmen als Kunden gewinnen. Damit liegt die Zahl dieser Kunden jetzt schon bei insgesamt 42. Ein Dax30-Konzern – das erklärte Ziel von BDO – ist allerdings noch immer nicht dabei, doch das könnte sich laut Bruckner bald ändern: „Um Dax-Mandate zu gewinnen, haben wir bewusst investiert und neue Kollegen an Bord geholt, um fachlich passend aufgestellt zu sein.“ Man bewerbe sich zwar nur in bestimmten Branchen, aber dort sieht Bruckner ihr Unternehmen auf keinen Fall auf verlorenem Posten: „Der Markt ist auf der Suche nach Wirtschaftsprüfern, die so international und groß aufgestellt sind, dass sie Dax30-Konzerne prüfen können.“ 

BDO dürfte zu den wenigen mittelständischen Prüfern gehören, die tatsächlich eine Chance auf ein Dax-Mandat haben, immerhin hat die Gesellschaft auch schon in der Vergangenheit mit MAN, Schering oder Beiersdorf in diesem Segment Kunden gehabt. Und auch die neuen Bankenmandate signalisieren, dass BDO große und komplexe Prüfungen stemmen kann. 

BDO: „Beratungsmandate hinterlassen Visitenkarte“

Während im Prüfgeschäft der Durchbruch aber noch fehlt, berichtet BDO von Fortschritten im Beratungsgeschäft, wo bereits mehrere Dax30-Konzerne das Beratungshaus mandatiert hätten: „Das werten wir als positives Zeichen, denn so hinterlassen wir bei den Unternehmen eine Visitenkarte und bleiben sichtbar. Nach Auslaufen des Beratungsmandats kommen wir dann vielleicht auch als Prüfer in Betracht“, meint BDO-Vorstand Parwäz Rafiqpoor, der sich vornehmlich um das Beratungsgeschäft kümmert.

So hat BDO 2019 etwa Siemens bei der geplanten – und letztlich geplatzten – Zugfusion mit Alstom beraten. Auch außerhalb des Dax‘ konnte BDO Beratungsaufträge ergattern, beispielsweise bei der Ausgliederung des Chemieparks von Novartis oder der Übernahme von Rhön durch Asklepios

Im Beratungssegment hat BDO 2019 stärker zugelegt als in der Prüfung, der Umsatz wuchs um 17 Prozent auf 43 Millionen Euro. Ein wichtiger Treiber war die gestiegene Nachfrage nach IT-Beratung, die BDO mit der Tochter BDO Digital (ehemals BDO IT) bedient. Vor gut einem Jahr wurde außerdem BDO Cyber Security gegründet. Insgesamt arbeiten bei den beiden Töchtern 200 Mitarbeiter, die etwa 16 Millionen Euro zum Umsatz beitragen.

Indes: In den Vorjahren waren die Zuwächse im Beratungsgeschäft mit knapp 25 beziehungsweise sogar 34 Prozent noch deutlich höher. Zudem hatte BDO für das abgeschlossene Jahr eigentlich einen Anstieg von 20 Prozent prognostiziert. Das Nichterreichen dieser Prognose begründet Parwäz Rafiqpoor mit Lücken auf Personalseite: „Wir mussten sogar manche Aufträge an uns vorbeiziehen lassen, da wir einfach nicht die Kapazitäten hatten.“

Steuer- und Rechtsberatung knackt 100-Millionen-Marke

Dieses Problem teilt BDO mit allen größeren WP- und Beratungshäusern, die um die Talente – vor allem mit Digital-Know-how – buhlen. Neben der Corporate-Finance- und Digitalberatung sind solche Kandidaten auch in der Steuer- und Rechtsberatung gesucht. Diese knackte bei BDO mit 104 Millionen Euro (plus 5 Prozent) 2019 erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke. Damit trägt dieser Bereich 40 Prozent zum Umsatz bei und ist der zweitgrößte nach der Wirtschaftsprüfung.

Perspektivisch sollen alle drei Geschäftsfelder etwa ein Drittel zum Gesamtumsatz beitragen, erklärt Rafiqpoor. Das ändere allerdings nichts am Selbstverständnis von BDO als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, betont er.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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