Mazars ist zuletzt stark gewachsen – holt das mittelständische Prüf- und Beratungshaus bald Wettbewerber Baker Tilly ein?

Mazars

17.01.20
Banking & Berater

Mazars wächst überraschend stark

Der Wirtschaftsprüfer und Berater Mazars hat stark zugelegt – und kommt dem Konkurrenten Baker Tilly dadurch auf einmal gefährlich nahe. Während Mazars im Audit-Geschäft mit namhaften Mandaten punktet, sollen im Tax-Bereich Neuzugänge Wachstum bringen.

Mazars überrascht mit einem starken Wachstum: Der mittelständische Wirtschaftsprüfer und Berater legte in Deutschland zuletzt um 10,5 Prozent zu und setzte damit insgesamt 158 Millionen Euro um. Das zeigen die kürzlich vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19, das im August endet. Mazars ist das erste Next-Ten-Haus, das seine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorlegt hat, die Konkurrenten werden erst in den kommenden Wochen und Monaten nachziehen.

Es ist möglich, dass Mazars – bisher gemessen am Umsatz die Nummer 9 in Deutschland – nach seinem jüngsten Wachstumsschub die Nummer 8 im Markt, Baker Tilly, ein- oder sogar überholt haben könnte. Der Wettbewerber war zuletzt unter den Erwartungen geblieben und wies für 2018 einen Umsatz von knapp 152 Millionen Euro aus. Um nicht von Mazars überholt zu werden, müsste Baker Tilly für das Jahr 2019 ein Wachstum von mindestens 4 Prozent ausweisen.

Nach unten hat Mazars seine Position nun weiter abgesichert: Die Nummer 10 im Markt, Warth & Klein Grant Thornton, setzte zuletzt 105 Millionen Euro um und prognostiziert bis 2019/20 – nach dem Abschluss einer größeren Fusion – einen Umsatz von 140 Millionen Euro.

Mazars wächst stärker als prognostiziert

Das starke Wachstum von Mazars kommt überraschend, hatte Christoph Regierer, Sprecher des deutschen Management Boards, vor einem Jahr noch nur ein halb so hohes Wachstum von 5 Prozent prognostiziert. „Insbesondere die Financial Advisory Services (FAS) und die Rechtsberatung haben sich aber besser entwickelt als zunächst gedacht“, erklärt er nun die Abweichung nach oben.

Beide Bereiche sind tatsächlich stark gewachsen, allerdings von einem niedrigen Umsatzniveau aus. So legte FAS (zu dem auch das Geschäft mit Consulting gehört) um 44,6 Prozent zu, die Umsätze sind mit 14,2 Millionen Euro aber noch vergleichsweise gering. Im Vorjahr lag die Wachstumsrate noch in einem mittleren einstelligen Prozentbereich.

Treiber des jüngsten Wachstums waren dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus zufolge unter anderem neue Beratungsmandate in den Feldern IT, Begleitung von Transaktionen, Prozessoptimierung und Business Transformation. Konkrete Mandate könne man nicht nennen, nur so viel: „Wir sind im Automotive-Bereich gut vertreten“, sagt Regierer. Im vergangenen Jahr hatte er bereits berichtet, dass Mazars den Autozulieferer Mahle bei einem Projekt im SAP-Umfeld berät.

Die Rechtsberatung hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Zuwachs von 24,8 Prozent ebenfalls gut zugelegt, in dem Bereich ist der Umsatz mit 11,4 Millionen Euro allerdings ebenfalls noch eher homöopathisch. Doch Regierer hofft auf weiteres Wachstum: Einen Grundstein dafür habe Mazars mit einem neuen 15-köpfigen Team gelegt, das vor einem Jahr von PwC Legal zu dem kleineren Konkurrenten wechselte.

Ein starker Zuwachs von 27,7 Prozent ist ebenfalls im Bereich Accounting & Outsourcing (AOS) zu beobachten, aber auch dort geht es um vergleichsweise geringe Summen: Mit diesem Geschäftsfeld, bei dem Unternehmen Mazars ihr Reporting übertragen, setzte das Haus 13 Millionen um.

Opel, Goldman & Co.: Mazars gewinnt neue Mandate

Deutlich höher sind die Umsätze in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung: Mit jeweils 40 beziehungsweise 36 Prozent tragen diese beiden Geschäftsfelder mit Abstand am meisten zum Umsatz bei.

Mit dem Audit konnte Mazars um knapp 10,6 Prozent auf 63,1 Millionen Euro wachsen. Und das Wachstum soll im laufenden Geschäftsjahr noch zulegen: Die Hoffnungen ruhen auf neuen Mandaten, die Mazars im Zuge der gesetzlichen Abschlussprüferrotation gewonnen hat. Neben dem bereits bekannten Neumandat bei Opel kommen künftig die Beteiligungsgesellschaft Kap, der Werkstattkettenbetreiber A.T.U, die Opel Bank sowie Roland Versicherungen hinzu. Zudem verteidigte Mazars das Mandat bei Klassik Radio.

„Gerade bei den kapitalmarktorientierten Mandaten, die ja alle von der Prüferrotation betroffen sind, sind eine hohe Spezialisierung und eine starke Internationalität gefordert“, meint Christoph Regierer. „Der Markt traut uns zu, dass wir große Mandate übernehmen können.“

Mazars hatte sich explizit zum Ziel gesetzt, im Zuge der Rotation neue Prüfmandate im komplexen Financial Services Bereich mit Banken und Versicherungen zu gewinnen. Mit der Opel Bank, Roland Versicherungen und – ab 2021 – der Prüfung von Goldman Sachs ist das bereits in einigen Fällen gelungen. 

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Mazars schrumpft in der Steuerberatung

Im zweiten großen Bereich – der Steuerberatung – hat Mazars im abgelaufenen Geschäftsjahr 56,4 Millionen Euro umgesetzt, was einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dennoch ist das Geschäftsfeld nach wie vor eines der größten Umsatzbringer. Das laufende Geschäftsjahr könnte den Bereich aber zurück auf den Wachstumspfad führen, denn er wächst kräftig personell: Zu Beginn 2020 hat Mazars den Stuttgarter Standort der Partnergesellschaften Lohrmann Riehle Lätsch Durach & Partner aufgenommen. Von dort hat sich ein 60-köpfiges Team aus den Bereichen Steuerberatung, Rechtsberatung und Wirtschaftsprüfung angeschlossen.

Ebenfalls zu Beginn des neuen Jahres hat Mazars den Steuerexperten Stefan Hölzemann von WTS an Bord geholt. Mitte 2019 kam bereits der Steuer-IT-Spezialist Christian Würschinger als Partner von KPMG hinzu.

Tax, Audit und FAS sollen etwa gleich stark werden

Auch wenn aktuell Audit und Tax klar das Geschäft dominieren, hat es sich Mazars zum Ziel gesetzt, bis 2024 mit den Bereichen Audit, Tax und FAS/Consulting je etwa 30 Prozent umzusetzen – mit leichtem Überhang bei der Wirtschaftsprüfung, wie Christoph Regierer erklärt. „Die Wirtschaftsprüfung ist und bleibt unsere Kerndienstleistung.“

„Wirtschaftsprüfung ist und bleibt unsere Kerndienstleistung.“

Christoph Regierer, Mazars

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Regierer aber zunächst über alle Geschäftsfelder hinweg mit einem Wachstum auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Geschäftsjahr, also rund 10 Prozent. Von einer konjunkturellen Abkühlung lässt er sich dabei nicht abschrecken: „Ich glaube, dass unsere Leistungen gerade dann gefragt sein werden, vor allem im Bereich der Business Transformation.“ Auf einen Ausbau der Restrukturierungsberatung, wie es derzeit andere Konkurrenten tun, setzt er hingegen nicht.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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