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Nach Wirecard: KPMG wird neuer Commerzbank-Prüfer

Die Commerzbank wechselt den Wirtschaftsprüfer: Nach EY soll künftig KPMG das Mandat übernehmen.
Julia Schwager/Commerzbank AG

Die Commerzbank hat ihren neuen Abschlussprüfer gefunden: Der Aufsichtsrat der Bank will KPMG als Wirtschaftsprüfer ab dem Geschäftsjahr 2022 vorschlagen. Das geht aus der Einladung für die Hauptversammlung des Geldinstituts hervor. Die Zustimmung der Aktionäre gilt meist als Formsache.

Die Commerzbank hatte eigentlich erst 2018 den Prüfer gewechselt – damals gewann EY das prestigeträchtige Prüfmandat, was ein großer Erfolg für das Big-Four-Haus war. Doch wegen des Wirecard-Skandals muss der Wirtschaftsprüfer das Mandat wieder abgeben: Im September gab die Commerzbank bekannt, dass sie ihren Prüfer austauschen will. Die Bank gehört zu den Unternehmen, die im Zuge der Wirecard-Pleite viel Geld verloren haben. Sollte die Commerzbank gegen Wirecards Prüfer EY klagen – so wie es momentan viele geschädigte Parteien erwägen – käme es zu einem Interessenskonflikt.

EY verlor bereits DWS, KfW und Deutsche Telekom

Aus dem gleichen Grund verlor EY auch schon das Mandat bei der KfW. Und auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS entschied sich dagegen, EY wie geplant als Prüfer zu mandatieren. Stattdessen prüft nun KPMG den Asset Manager. Die Mutter Deutsche Bank hat zwar ebenfalls Geld bei Wirecard verloren, doch die Bank hält an EY fest. Erst gestern veröffentlichte sie ihre Einladung zur Hauptversammlung, worin steht, dass EY erneut als Prüfer vorgeschlagen werden soll. Auch die Deutsche Telekom hat EY wegen des Wirecard-Skandals bereits als Kunden verloren, dort prüft nun erstmal der alte Prüfer PwC die Bilanzen weiter. Die Verluste sind ein schlechtes Signal an den Markt, EY leidet unter einem stark ramponierten Ruf.

Bei der Commerzbank wird EY aber zumindest noch die Bilanzen für das Geschäftsjahr 2021 prüfen. Schneller wäre ein Prüferwechsel wohl auch kaum gegangen, immerhin dauert die Einarbeitung gerade bei großen Konzernen oder Banken oftmals viele Monate. Durchgesetzt hat sich KPMG in dem Pitch gegen PwC. PwC hatte das Commerzbank-Mandat bis 2017 inne, durfte sich nach der Cooling-Off-Periode also erneut bewerben. Ob auch Deloitte um das Mandat gekämpft hat, ist nicht bekannt. 2017 hatte sich Deloitte um die Commerzbank beworben, jedoch gegen EY verloren.  

KPMG braucht neue prominente Mandate

Für KPMG ist das Mandat ein schöner Zugewinn, hat sich das Big-Four-Haus doch bisher eher schwer getan mit der Prüferrotation, zuletzt schrumpften die Umsätze sogar. Im Dax30 musste das Haus bereits viele Mandate abgeben, mit E.on und Covestro blieben die Zugewinne aber sehr überschaubar. Auch wenn die Commerzbank nicht mehr im Dax sondern im MDax ist, handelt es sich doch um ein lukratives und prominentes Mandat.

Profitiert hat KPMG vermutlich von seiner Erfahrung als ehemaliger Prüfer der Deutschen Bank – gerade die Prüfung von großen regulierten Finanzinstituten erfordert spezielles Wissen, was nicht jede Gesellschaft vorweisen kann.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Info

Wie laufen die Geschäfte der Wirtschaftsprüfer, wer schnappt sich welches Mandat? Das lesen Sie im Überblick auf unserer Themenseite Big Four.

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.