Ebner Stolz hat sich 2018 gut entwickelt – mit Ausnahme der Unternehmensberatung, die sogar geschrumpft ist.

Ebner Stolz

15.04.19
Banking & Berater

Ebner Stolz ergattert namhafte Prüfmandate

Ebner Stolz ist 2018 stark gewachsen und hat gleich mehrere neue Prüfmandate gewonnen. Nur das Geschäft mit der Unternehmensberatung kommt nicht von der Stelle.

2018 war ein gutes Jahr für Ebner Stolz: Das mittelständische Prüf- und Beratungshaus ist in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 8,4 Prozent auf 213 Millionen Euro Umsatz gewachsen, wie die nun vorgelegten Geschäftszahlen zeigen. Das komplett organisch erzielte Wachstum liegt damit etwa auf Vorjahresniveau.

Verglichen mit der Next-Ten-Konkurrenz – den WP- und Beratungshäusern, die auf die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY folgen – steht Ebner Stolz damit gut da: Baker Tilly konnte 2018 nur um 2,8 Prozent zulegen, Mazars immerhin um 5,6 Prozent. Warth & Klein ist zwar mit 8,8 Prozent ähnlich stark gewachsen wie Ebner Stolz, das Wachstum war dort allerdings auch durch größere Zukäufe bedingt. FINANCE-Informationen zufolge ist Rödl & Partner in Deutschland um rund 9 Prozent gewachsen, detaillierte Zahlen kommen noch in den nächsten Wochen. BDO hat seine Zahlen noch nicht vorgelegt.

Ebner Stolz bleibt damit gemessen am Umsatz das siebtgrößte Prüf- und Beratungshaus Deutschlands und hält zum Verfolger Baker Tilly, der 2018 rund 152 Millionen Euro umsetzte, einen ordentlichen Vorsprung aufrecht. Ebner Stolz will auch dieses Jahr weiter zulegen und rechnet für 2019 mit einem Wachstum, das „spürbar über 10 Prozent liegt“, sagt Partner Wolfgang Russ.

Ebner Stolz hat seine Teams gestärkt

Das mit Abstand stärkste Wachstum gab es 2018  in der Rechtsberatung, mit der Ebner Stolz 18,6 Millionen Euro umgesetzt hat, ein Plus von 26,5 Prozent. Dazu beigetragen hat laut Russ auch das im Sommer abgeworbene große Anwaltsteam, das unter anderem den Standort Stuttgart deutlich gestärkt hat. Allerdings macht die Rechtsberatung bisher nur 9 Prozent des Umsatzes aus.

Den größten Umsatzanteil hingegen hatte mit fast 43 Prozent die Steuerberatung, die 2018 um 7,7 Prozent auf 90,8 Millionen Euro gewachsen ist. Eine wichtige Rolle spielten auch in diesem Bereich neue Teams: Unter anderem hat sich das Prüf- und Beratungshaus mit einem neunköpfigen Team aus Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern in Düsseldorf verstärkt.

Ebner Stolz gewinnt 3U, Alno und weitere Prüfmandate

Die Neuzugänge haben auch das WP-Geschäft angetrieben, das um fast 12 Prozent auf 78,7 Millionen gewachsen ist und damit rund 40 Prozent vom Gesamtumsatz ausmacht. Ebner Stolz hat im vergangenen Jahr gleich mehrere kapitalmarktorientierte Unternehmen (Public Interest Entities, PIE) als Prüfkunden gewonnen: Laut Wolfgang Russ sind das die Telekommunikationsunternehmen 3U, 1188 Solutions und Ecotel Communications, außerdem die Softwareunternehmen Easy Software und Nexus sowie der im Insolvenzverfahren befindliche Küchenhersteller Alno, der zuvor einen Big-Four-Prüfer hatte.

Zudem haben auch die Aufsichtsräte des Chemieunternehmens Alzchem und des Immobilienunternehmens Agrob Ebner Stolz als neuen Prüfer vorgeschlagen, wie aus den Einladungen zu den Hauptversammlungen der Unternehmen hervorgeht. Die Zustimmung der Aktionäre ist meist nur Formsache.

Interessant ist dabei, dass diese Zugewinne nicht mit der verpflichtenden Abschlussprüferrotation zusammenhängen, die seit 2016 alle kapitalmarktorientierten Unternehmen zwingt, ihr Prüfmandat nach zehn Jahren neu auszuschreiben. Ohne den Zwang der Prüferrotation wechseln Unternehmen normalerweise nur selten ihre Prüfer, beispielsweise dann, wenn sie mit dem bisherigen nicht zufrieden waren oder sich die Eigentümerstruktur ändert.

Ebner Stolz kommt in der Dax-Familie nicht voran

Es gab aber auch Verluste im PIE-Segment: Ebner Stolz ist nicht mehr Prüfer der an ausländische Investoren verkauften Equinet Bank und Uniwheels. Unter dem Strich ist das Haus derzeit Prüfer von insgesamt 32 kapitalmarktorientierten Unternehmen und damit die Nummer fünf im PIE-Segment direkt hinter den Big Four. Ebner Stolz hatte sich 2018 auch um S- und TecDax-Mandate beworben, konnte aber keines gewinnen, sagt Partner Russ. Nach wie vor prüft Ebner Stolz mit den SDax-Unternehmen Takkt, Adler Real Estate und der Indus Holding nur drei Konzerne aus der Dax-Familie.

„Man darf aber nicht vergessen, dass unser Fokus auf den mittelständischen Unternehmen liegt, deren Honorare auch den Großteil der Gesamthonorare aus dem WP-Geschäft ausmachen“, betont Russ. Im Mittelstand habe man neue Prüfkunden gewonnen, etwa die Beteiligungsgesellschaft Adcuram, den Industrieanlagenanbieter Stemmer Imaging, das Heiztechnikunternehmen Pfeiffer & May oder den Fußballklub VfB Stuttgart.

Unternehmensberatung ist geschrumpft

Ebner Stolz hat 2018 im Zuge der Prüferrotation an mehr als 10 Ausschreibungen für Prüfmandate teilgenommen. Die Idee dahinter: Selbst wenn das Haus beim Pitch für die Abschlussprüfung nicht zum Zuge kommt, könnte ein Beratungsmandat abfallen, hatte Wolfgang Russ noch im Sommer 2017 gegenüber FINANCE erklärt. Geklappt hat das bisher aber noch in keinem Fall. Laut Russ liegt das daran, dass die Unternehmen die Ausschreibung für das Prüf- und Beratungsmandat vollständig voneinander trennten. „Dafür ist es uns gelungen, bei einigen Unternehmen, bei denen wir rausrotieren mussten, als Berater mandatiert zu werden“, sagt Russ.

Dennoch hat sich das klassische Unternehmensberatungsgeschäft 2018 schwach entwickelt: Es ist sogar um rund 5 Prozent auf knapp 25 Millionen Euro geschrumpft. In den Vorjahren stagnierte das Geschäftsfeld. Zur Unternehmensberatung zählt Ebner Stolz unter anderem die klassische Management-Beratung, aber auch Unterstützung bei Restrukturierung, M&A sowie Digitalisierung.

Den Rückgang begründet Russ damit, dass größere Projekte ausgelaufen seien, die man noch nicht habe ersetzen können. „2019 werden wir aber wieder wachsen, unter anderem weil die Nachfrage nach Restrukturierungsberatung zunehmen dürfte“, verspricht der Partner.
 
julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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