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Greensill: Prüfer Ebner Stolz gerät ins Visier der Bafin

Gerät der Wirtschaftsprüfer Ebner Stolz im Fall Greensill in Bedrängnis?
Ebner Stolz

Im Greensill-Skandal rückt nun auch der Abschlussprüfer Ebner Stolz ins Visier der Behörden: Offenbar will die Finanzaufsicht Bafin ein Verfahren gegen das Next-Ten-Haus wegen möglicher Mängel bei der Abschlussprüfung der Greensill Bank einleiten. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Insider. Die Bafin soll „erhebliche Zweifel“ daran haben, dass die Prüfung der Bremer Bank korrekt abgelaufen sei, so der zitierte Insider.

Zuständig für die Durchführung dieses Verfahrens wäre die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS. Auf Nachfrage von FINANCE bestätigte die APAS, am 11. März eine Mitteilung mit Bezug zur Greensill Bank AG von der Bafin erhalten zu haben. Details zum Inhalt der Mitteilung gab die Behörde nicht bekannt, und erklärte nur allgemein: „Wir haben den gesetzlich festgelegten Auftrag, die Einhaltung berufsrechtlicher Pflichten von Abschlussprüfern im Zusammenhang mit der Durchführung gesetzlicher Abschlussprüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse zu prüfen.“ Dazu gehöre auch die Greensill Bank AG.

Ebner Stolz testierte Greensill-Abschluss von 2019

Ebner Stolz hatte den Jahresabschluss 2019 der Greensill Bank testiert. Diese steht nun unter dem Verdacht der Bilanzmanipulation. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank, nachdem die Bafin Strafanzeige gestellt hatte. Wegen drohender Überschuldung hatte die Bafin Anfang März ein Moratorium über die Bremer Privatbank verhängt. Zuvor hatte sie bei KPMG eine Sonderprüfung in Auftrag gegeben.

Im Rahmen dieser unabhängigen Prüfung konnte die Existenz zahlreicher verbuchter Forderungen nicht nachgewiesen werden. Dabei geht es um Forderungen, die die Greensill Bank von der GFG Alliance Group angekauft hat, erklärte die Bafin. CEO und Vorsitzender von GFG ist der indisch-britische Manager Sanjeev Gupta.

Des Weiteren mutmaßt die Bafin, die Greensill Bank habe ihr Forderungsportfolio diversifizierter ausgewiesen, als es tatsächlich sei, berichtet das „Handelsblatt“. Viele Positionen seien als Forderungen gegen verschiedene Unternehmen ausgewiesen worden, obwohl hinter diesen Firmen nur ein großer Kunde gestanden hätte, so offenbar der Verdacht der Behörde.

Dem Bericht zufolge stand die Bafin schon 2020 mit der Bank im Austausch. Sie hatte vor allem die Einstufung einiger Assets kritisiert, bei denen es sich „Future Receivables“ handelte – das sind zukünftige Forderungen, die schon vor der Entstehung verkauft werden können. Die Greensill Bank soll offenbar einige Forderungen bei Stahlgeschäften des Managers Gupta verkauft haben, die noch gar nicht konkret besprochen worden waren, zitiert das „Handelsblatt“ Finanzkreise.

Ebner Stolz kooperiert mit den Behörden zu Greensill

Die Bafin steht nach dem Bilanzskandal bei Wirecard massiv unter Druck, ihr wird vorgeworfen, viel zu langsam gehandelt zu haben. Am Pranger stehen aber auch die Wirtschaftsprüfer. Im Fall Wirecard ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit, ob der Wirecard-Abschlussprüfer EY gegen berufsrechtliche Pflichten verstoßen haben könnte – EY hatte mehr als zehn Jahre lang die Bilanzen des Zahlungsanbieters geprüft und keine Ungereimtheiten entdeckt.

Auch der Fall Grenke wirft kein gutes Licht auf die Branche. Wie Sonderprüfungen nun zutage förderten, hatte der Leasinganbieter Franchises teilweise zu überhöhten Preisen gekauft und gleichzeitig damit im Zusammenhang nahestehende Personen nicht transparent gemacht – die Bilanzen geprüft hatte KPMG.

Und nun ist auch Ebner Stolz ins Visier der Bafin geraten, ein mittelständisches Prüfungs- und Beratungshaus mit einem Umsatz von 255 Millionen Euro im Jahr 2019 und mehr als 1.700 Mitarbeitern. Die Stuttgarter wollen kooperieren: „Wir stehen in Kontakt mit allen beteiligten Behörden und haben unsere Kooperation im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten angeboten. Weder die verantwortlichen Prüfer noch Ebner Stolz als Unternehmen sind in dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bremen beschuldigt“, erklärte Ebner Stolz gegenüber FINANCE. Wegen der gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht dürfe man sich aber nicht zu aktuellen Prüfmandaten äußern.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Der Bilanzskandal bei Wirecard hat den deutschen Kapitalmarkt erschüttert – nun drohen Folgen für die Branche der Wirtschaftsprüfer. Der Fall Greensill verschärft die Lage noch einmal. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unseren Themenseiten zu Wirecard, Big Four und Next Ten.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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