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Wie Banken-CFOs ihren Datenschatz heben können

CFOs verfügen über einen enormen Datenschatz. Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com
CFOs verfügen über einen enormen Datenschatz. Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com

Budgetmanagement, Finanzplanung und Reporting – die Aufgabenpalette von Finanzvorständen ist vielfältig und in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. In vielen Industrieunternehmen, aber auch in Banken, zeichnen die CFOs neben dem Finanzressort zudem auch für Aufgabenfelder wie die Digitalisierung verantwortlich. Vor allem Letztere hat dazu beigetragen, dass der Einfluss der Finanzentscheider auf die strategische Entwicklung ihrer jeweiligen Organisation deutlich gestiegen ist.

Das gilt vor allem für Banken, wie Christian Buddendick, Senior Manager beim Beratungshaus zeb, feststellt. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Buddendick für eine Studie die CFOs führender Banken in Europa befragt. Das Ergebnis: Wer seine Daten effizient nutzt, kann die Strategie seines Hauses deutlich aktiver beeinflussen als in der Vergangenheit. Doch nicht jeder weiß diesen „Datenschatz“ bislang zu heben.

Immerhin: Von den befragten CFOs gaben 57 Prozent an, aktiv die Gesamtstrategie ihrer Bank mitgestalten zu können. Allerdings räumten mit 37 Prozent etwa zwei von fünf Finanzentscheidern ein, nur punktuell in strategische Entscheidungen eingebunden zu sein. „Dabei ist gerade in Banken die strategische Bedeutung des CFO noch ein wenig höher als in Unternehmen, ihm ist nach dem CEO die wichtigste Rolle zugedacht“, sagt Buddendick im Gespräch mit FINANCE.

CFO muss strategische Erfolge messbar machen

„Der CEO trifft zwar die strategische Entscheidung, der CFO ist jedoch derjenige, der die Details und Konsequenzen einer Transformation kommuniziert – also Ursache und Wirkung miteinander verknüpft – und den Erfolg der Strategieumsetzung messbar machen muss“, erläutert er. Dies erfordere die nötigen Daten und deren tiefes Verständnis von der „neuen Generation“ von CFOs.

Christian Buddendick Senior Manager beim Beratungshaus zeb. Foto: zeb

Das gilt vor allem für die Finanzkommunikation. So waren Banken trotz zahlreicher Rekordergebnisse der jüngsten Quartale zuletzt vonseiten der Investoren weniger gefragt, wie beispielsweise die Kurse von Deutscher Bank und Commerzbank gezeigt haben. Angesichts der starken Konkurrenz unter den Banken können Charisma und Überzeugungskraft des Kommunikators Abhilfe schaffen. „Der klassische Erbsenzähler als CFO-Profil hat ausgedient“, betont Buddendick.

Die neue Generation von Finanzchefs habe das erkannt und entwickele ihre Position stetig hin zu dem, was Buddendick als „datengestützte CFO-Funktion“ beschreibt. „Sie hat erkannt, dass die gezielte Analyse von Daten ihre eigene Rolle in den Instituten nachhaltig wandelt und strategisch bedeutsamer macht“, erläutert er.

Doch zwischen der Außenwahrnehmung und dem eigenen Verständnis der Finanzentscheider klafft aktuell nicht selten noch eine deutliche Lücke, wie die Ergebnisse der CFO-Studie zeigen. Denn für den Aufbau einer datengestützten CFO-Funktion ist die effektive Nutzung der richtigen Daten von entscheidender Bedeutung.

CFOs fehlt es an Zeit für strategische Aktivitäten

Allerdings fehlt es dem Gros der Banken-Finanzchefs im Alltag offenbar regelmäßig an Zeit, um sich mit strategischen Aktivitäten zu beschäftigen, die jedoch einen enormen Mehrwert für die Finanzinstitute schaffen könnten. Bei der Frage nach den Top 3 jener Aufgaben, die am meisten Zeit in Anspruch nehmen, gaben 67 Prozent der Befragten an, dass ein Großteil ihrer Zeit von traditionellen Aufgaben wie Planung und Prognose beansprucht werde.

Dicht dahinter folgen externes und internes Reporting, die jeweils jeder zweite Finanzentscheider zu den größten Zeitfressern zählt, sowie das Rechnungswesen mit 30 Prozent. Doch ausgerechnet für die aus Sicht der CFOs besonders relevanten Aufgaben Strategieentwicklung und Business-Support gaben die Befragten jedoch an, nur wenig Zeit aufwenden zu können (23 Prozent), ebenso wie für das Management ihrer Daten (27 Prozent).

Zwar haben sich beide Werte in den vergangenen Jahren bereits verbessert, „der anhaltende Fokus auf klassischen Alltagsaufgaben führt bei vielen CFOs aber durchaus zu Frustration“, weiß Buddendick. Immerhin zeigt das Ergebnis der Befragung: 77 Prozent der Finanzchefs wissen, dass durch eine effizientere Nutzung von Daten das strategische Potenzial ihrer Finance-Funktion besser ausgeschöpft werden könnte. Doch wie können CFOs – auch außerhalb des Bankensektors – diesen Datenschatz nicht nur heben, sondern auch strategisch davon profitieren?

„Die meisten Finanzentscheider und ihre Teams verfügen technisch gesehen schon über die notwendige Voraussetzung für genaue Analysen – einen integrierten Datenbestand“, erläutert Buddendick. Dieser ermögliche präzisere Prognosen auch vor dem Hintergrund von unsicheren Szenarien wie der Corona-Pandemie oder den Folgen des Ukraine-Kriegs.

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Zeit sparen mit schlankeren Prozessen und Reportings  

Um diese Daten effizient nutzen zu können, müssen CFOs jedoch zunächst die alltäglichen Zeitfresser in den Griff bekommen. Vor allem in Sachen Planung und Prognose können schlankere Prozesse und Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) viel Zeit sparen. „An dieser Stelle müssen CFOs auch mal loslassen und vertrauen können, und es bedeutet außerdem rollierende Planung“, rät Buddendick.

Gleiches gilt in Bezug auf das interne Reporting. „Kein Mensch braucht mehr diese 150-seitigen PDF-Dokumente, in denen einfach alles zusammengetragen ist“, betont er und plädiert für ein schlankeres und interaktiveres Reporting, von dem letztlich auch die Entscheider profitieren. Dafür brauche es freilich die richtigen Daten und deren Verständnis.

Im Vergleich zu den Unternehmen seien einige Großbanken beim Thema Reporting noch etwas hinterher – ebenso wie in Sachen Digitalisierung. „Dabei waren gerade die Banken früher richtig gut darin und haben aus eigener Sicht die Standards gesetzt“, erinnert Buddendick. Dann kam die Finanzkrise und mit ihr höhere Auflagen für die Banken. Die Folge: Das Gros der Investitionen wanderte lange nur in den Ausbau der Compliance und die Finanzinstitute verloren den Anschluss, den es nun aufzuholen gilt.

„Der Aufbau einer umfassenden Datenkompetenz im Sinne einer Data Literacy ist dabei eine zentrale Herausforderung für den CFO“, fasst Buddendick zusammen.

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.