Nach 27 Jahren nicht mehr Schalke-CFO: Peter Peters ist zurückgetreten. Warum?

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08.06.20
CFO

CFO-Abgang schürt Finanzsorgen um Schalke 04

Der Finanzchef von Schalke 04, Peter Peters, hat hingeworfen – nach 27 Jahren im Amt. Sein Rücktritt nährt die Sorgen um die Finanzlage des Fußballklubs. Über die Gründe für einen Rücktritt wird heftig spekuliert.

Der überraschende Abgang von CFO-Urgestein Peter Peters schürt die Unruhe und die Finanzsorgen beim Fußballklub Schalke 04. Peters ist seit Freitagabend nicht mehr Finanzchef des Traditionsvereins. Nach Angaben des Vereins hat Peters um die Auflösung seines Vertrags gebeten.

Der 57-jährige war 27 Jahre lang Finanzchef von Schalke 04. Außerdem ist er einer der umtriebigsten Sportfunktionäre in Deutschland: So ist er Aufsichtsratschef des Ligaverbands DFL und dort gleichzeitig auch Stellvertreter von DFL-Chef Christian Seifert. Außerdem ist er Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) und Mitglied der Klublizenzierungskommission beim Europäischen Fußballverband Uefa. Diese Ämter darf Peters bis auf weiteres behalten, trotz seines Rücktritts bei Schalke 04.

„Härtefallantrag“ brachte Peters viel Kritik ein

Darüber, warum die Ära Peters auf Schalke zu Ende ging, wird kräftig spekuliert – vor allem, da Peters im Zuge der Coronakrise unter Druck geraten ist. So wurde ihm das Kommunikationsdesaster rund um den „Härtefallantrag“ angelastet, mit dem Schalke für große Irritationen bei Fans und Mitgliedern gesorgt hatte.

Inhaber von coronabedingt nicht mehr nutzbaren Eintritts- und Dauerkarten sollten zuerst ihre finanzielle Notlage belegen, bevor der Klub bereit wäre, das Geld für die Tickets zurückzuerstatten, forderte Schalke in einem Brief an die Ticketinhaber. Die Folgen waren ein Shitstorm und zahllose negative Kommentare von Fans und Journalisten, von denen viele die Aktion als Indiz für die prekäre Finanzlage des Fußball-Unternehmens werteten.

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Peter Peters, FC Schalke 04

Nach seinem Studium arbeitet Peters von 1987 bis 1991 als Sportredakteur bei der Zeitschrift RevierSport, der Westfälischen Rundschau und der WAZ Dortmund.1991 wechselt Peters die Seiten und fängt im Management des 1. FC Kaiserslautern an, wo er bis 1993 stellvertretender Geschäftsführer ist. Seit 1993 ist er als Vorstand für den FC Schalke 04 tätig und verantwortet die Bereiche Finanzen und Organisation des Fußballkonzerns. Im Juni 2020 tritt Peter Peters als Finanzvorstand von Schalke zurück.

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Tatsächlich hat das Coronavirus Schalke in schwere Bedrängnis gebracht. Die Vereinschefs selbst sprachen davon, dass sich Schalke in einem „Existenzkampf“ befinde. Der Re-Start der laufenden Bundesligasaison hat die akuten Liquiditätssorgen vertrieben. Doch der Wegfall der Zuschauereinnahmen und die sportliche Talfahrt, die den Klub die nächste Europacup-Saison kosten wird, sind als Belastungsfaktoren geblieben.

Schalke bilanziert wieder negatives Eigenkapital

Die finanziellen Eckdaten von Schalke 04 waren schon vor Corona nicht attraktiv. So ging im vergangenen Geschäftsjahr der Umsatz von 350 auf 275 Millionen Euro zurück. Doch obwohl sowohl die internationalen TV-Gelder als auch die Transfererlöse kollabierten, war dies immer noch der zweithöchste Umsatz der Vereinsgeschichte. Der operative Gewinn (Ebitda) lag bei 53 Millionen Euro, wegen der branchentypisch hohen Abschreibungen und Finanzierungskosten stand unter dem Strich jedoch ein Jahresfehlbetrag von 26 Millionen Euro. Dadurch rutschte das Eigenkapital im Konzern wieder ins Negative und belief sich auf minus 22 Millionen Euro.

Den Verein drücken Nettofinanzschulden von 119 Millionen Euro, was etwas mehr als dem zweifachen Ebitda entspricht. Allerdings gehört Schalke zu den wenigen Bundesligaklubs, die sowohl das Stadion als auch die zentralen Catering- und Vermarktungsrechte selbst besitzen. Zudem ist kein Dritter am Eigenkapital beteiligt. Die Zahlungsströme des im Kern profitablen Profifußballbetriebs entfallen vollständig auf den eingetragenen Verein.

Finanzieller „Existenzkampf“ bei Schalke 04

Besonders in den zurückliegenden Wochen, als Corona die Anfälligkeit der Fußball-Finanzen zu Tage brachte, wurden dem seit 1993 agierenden Finanzchef die hohe Verschuldung und das negative Eigenkapital immer stärker angelastet. Peters wehrte sich, indem er die Aussagen vom „Existenzkampf“ relativierte und erklärte, um Schalke müsse „sich niemand Sorgen machen“. Tatsächlich waren die Bilanzrelationen der Königsblauen in der Vergangenheit fast immer schwächer als zum Jahreswechsel 2019/20.

Einen Teil der Schulden hat Peters an den Kapitalmarkt ausgegliedert. Im Mai 2012 brachte er Schalke erstmals an den Bondmarkt und begab eine Mittelstandsanleihe. Vier Jahre später refinanzierte der gebürtige Pfälzer den Bond und machte daraus zwei Papiere mit dem gleichen Gesamtwert von 50 Millionen Euro. Eines der beiden Papiere läuft noch bis 2023, das zweite wird jedoch schon in einem Jahr fällig.

„Um Schalke muss sich niemand Sorgen machen.“

Ex-Schalke-CFO Peter Peters

Große Finanzabteilung, volatile Mini-Bonds

Diese Anleihe in der aktuellen Lage zu refinanzieren, dürfte eine der größten Herausforderungen für Peters‘ Nachfolger werden. Wer dies wird, ist noch nicht bekannt. Bis auf weiteres übernehmen Sportchef Jochen Schneider und Marketing-Vorstand Alexander Jobst gemeinsam die Leitung des Finanzressorts.

Formal genügen zwei Vorstände den satzungsgemäßen Mindestanforderungen bei Schalke 04. Jedoch hat Peters die Finanzabteilung in seiner Amtszeit zu einem gewichtigen Faktor in der Vereinsverwaltung ausgebaut: Inzwischen beschäftigt der Verein rund 25 Finanzer, die sich unter anderem auch um die fußballuntypische Investor-Relations-Arbeit kümmern.

Erwirbt Tönnies bald Anteile an Schalke?

Die beiden Anleihen, die seit dem Corona-Ausbruch enorm volatil geworden sind und zwischenzeitlich unter 80 Prozent ihres Nennwerts absackten, reagieren kaum auf den Abgang des Finanzchefs. Mit Kursen von rund 95 nähern sie sich sogar wieder ihrem Ausgabekurs.

Schalke-Anleihen seit Ausbruch der Coronakrise extrem volatil

Dies könnte auch daran liegen, dass die Traditionalisten, zu denen Peters zählte, bei Schalke unter Druck geraten sind. Schalke ist der einzige Top-Fußballklub in Deutschland, der seine Profiabteilung noch nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat. Ein solcher Schritt wäre aber die Voraussetzung dafür, zur Bewältigung der Corona-Folgen frisches Eigenkapital hereinholen zu können.

Als naheliegender potentieller Investor gilt der Unternehmer Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef und „starker Mann“ auf Schalke. Er hatte unlängst gefordert, dass man „in Corona-Zeiten noch einmal darüber sprechen muss, ob wir einen traditionellen Fußballverein halten können“. Peters vermied es, sich öffentlich gegen Tönnies zu stellen und räumte ein, dass Schalke „eine Öffnung gegenüber Investoren“ tatsächlich in Erwägung ziehen müsse.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Viele weitere Infos zu Karriere und Werdegang des abgetretenen Schalke-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Peter Peters. Mehr über den Verein lesen Sie auf unserer Themenseite zu Schalke 04.