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Heidelbergcement macht René Aldach zum CFO

René Aldach übernimmt als CFO bei Heidelbergcement von Lorenz Näger.
Heidelbergcement

Bei Heidelbergcement übernimmt endgültig eine neue Managergeneration die Ruder: Nachdem im Februar vergangenen Jahres der langjährige Konzernchef Bernd Scheifele die CEO-Position an Dominik von Achten übergeben hatte, wechselt der Baustoffhersteller nun auch seinen Finanzvorstand. Das CFO-Urgestein Lorenz Näger verabschiedet sich in den Ruhestand.

Näger, der den Posten des Finanzchefs bei Heidelbergcement seit 2004 innehat, verabschiedet sich schon Ende August und damit ein dreiviertel Jahr früher als geplant „auf eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“, wie es heißt, in den Ruhestand, teilt der Dax-Konzern mit.

Gründe für den verfrühten Abschied des 61-Jährigen nennt Heidelbergcement nicht. Vor seinem Wechsel zu dem Baukonzern hatte Näger seit 1999 als Vorstandsmitglied der Phoenix Group die Ressorts Controlling, Internationale Finanzen, Rechnungswesen und Beteiligungen verantwortet. Damals gehörte Phoenix ebenso wie Heidelbergcement zum Imperium des Unternehmers Adolf Merckle.

Chef-Controller René Aldach übernimmt

Nägers Nachfolge tritt René Aldach an, der den Posten ab dem 1. September übernimmt. Der 42-Jährige ist seit September 2020 als Group Director Reporting, Controlling and Consolidation bei Heidelbergcement tätig. Zuvor leitete er seit November 2015 das Finanzressort von Cement Australia und übernahm im April 2018 als CFO bei deren Konzernmutter Hanson Australia. Hanson ist eine Tochterfirma von Heidelbergcement.

Vor seiner Entsendung nach Australien arbeitete das Eigengewächs bereits rund elf Jahre bei Heidelbergcement. Dort war Aldach 2004 nach seinem Master-Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster als Finance-Management-Trainee eingestiegen. Zwischen Juni und November 2012 war er Assistent von CFO Lorenz Näger, bevor er bis zu seinem Wechsel nach Australien schon einmal die Funktion als Leiter Controlling von Heidelbergcement übernahm.

Aldach übernimmt den Vorstandsposten bei einem wachsenden, hoch profitablen und solide finanzierten Unternehmen, das aber dennoch vor beträchtlichen Herausforderungen steht. Der Konzern befindet sich momentan in der Transformation. Laut der Strategie „Beyond 2020“ will Heidelbergcement unter anderem klimaneutral werden und die Technologieführerschaft in der globalen Zementbranche übernehmen – Stichwort „grüner Zement“. Daneben hat der Baukonzern angekündigt, sein Portfolio zu optimieren und seine Margen zu verbessern. Die Transformation wird hohe Investitionen erfordern, für die der künftige CFO Aldach die nötigen Mittel bereitstellen muss.

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Dr. Lorenz Näger, HeidelbergCement AG

Lorenz Näger startet als Prüfungsassistent bei der Stuttgarter WP-Gesellschaft Dr. Lipfert GmbH und ist im Anschluss Assistent an der Universität Mannheim am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre.

Von 1991 bis zur Fusion der Ferd. Schulze GmbH & Co mit der Phoenix Pharmahandel leitet er die Steuerabteilung von Ferd. Schulze in Mannheim. Von 1993 bis 1997 leitet er die Unternehmensentwicklung bei Phoenix und wird 1997 Geschäftsführer der Phoenix International Beteiligungs GmbH, der Holdinggesellschaft für Auslandsbeteiligungen. 1999 wird er in den Vorstand der Phoenix Group berufen mit den Ressorts Controlling, Internationale Finanzen, Rechnungswesen und Beteiligungen. Seit Oktober 2004 ist Lorenz Näger Finanzvorstand von HeidelbergCement. Ende August 2021 verlässt er den Baustoffhersteller auf eigenen Wunsch und wechselt in den Ruhestand.

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Näger steht für zwei große M&A-Deals

Die Kasse dafür hat Noch-CFO Näger gerade erst kräftig aufgefüllt. In dieser Woche verkaufte Heidelbergcement Geschäftsaktivitäten im Westen der USA an den Baukonzern Martin Marietta. Kaufpreis: 2,3 Milliarden Euro. Die damit einhergehenden positiven Bilanzeffekte kann Heidelbergcement gut gebrauchen: Wegen der Auswirkungen der Coronakrise musste der Konzern im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Euro Goodwill auf zugekaufte Unternehmen abschreiben.

Dies geht auch darauf zurück, dass der Zementhersteller unter Nägers und Scheifeles Führung gleich zwei transformatorische Zukäufe wagte: Im Jahr 2007 investierte der Konzern 11,5 Milliarden Euro in die Übernahme des britischen Baustoffproduzenten Hanson. Die kurz darauf folgende Finanzkrise brachte den hoch verschuldeten Konzern ins Wanken, doch Näger gewann schnell das Vertrauen des Kapitalmarkts zurück und entschuldete kräftig. 2015 kaufte Heidelbergcement dann für 6,7 Milliarden Euro einen seiner größten europäischen Rivalen, Italcementi.

Vor Corona hatte Heidelbergcement im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 18,9 Milliarden und ein operatives Ergebnis (Ebit) von 2 Milliarden Euro verzeichnet. Im vergangenen Jahr drehte das Ergebnis nach einem Umsatzrückgang auf 17,6 Milliarden Euro wegen der Wertberichtigungen jedoch mit 1,3 Milliarden Euro ins Minus.

Neben René Aldach steigen auch Nicola Kimm und Dennis Lentz in den Vorstand auf. Während Kimm sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen wird, soll Lentz die digitale Transformation der Heidelberger vorantreiben.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den scheidenden Heidelbergcement-CFO lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Lorenz Näger.

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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