HeidelbergCement muss wegen der Coronakrise mehrere Milliarden Goodwill abschreiben.

HeidelbergCement

07.07.20
Finanzabteilung

HeidelbergCement schreibt 3,4 Milliarden Euro Goodwill ab

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement muss wegen der Coronakrise 3,4 Milliarden Euro Goodwill abschreiben. Dies könnte der Anfang einer ganzen Welle sein. Auch bei anderen Dax-Unternehmen schlummert viel Goodwill in den Bilanzen.

HeidelbergCement muss seine im Zuge von M&A-Deals angehäuften immaterielle Vermögenswerte (Goodwill) drastisch abwerten. Insgesamt muss der Baukonzern 3,4 Milliarden Euro vor Steuern abschreiben, wie das Unternehmen am Montagabend nach Börsenschluss bekanntgab. Vor allem Vermögenswerte in Westeuropa seien betroffen, auf sie entfallen Abwertungen von 2,7 Milliarden Euro, heißt es in der Mitteilung. Der Rest betrifft die Regionen Nordamerika, Asien/Pazifik sowie Nord- und Osteuropa.

Wegen der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus hatte HeidelbergCement im abgelaufenen zweiten Quartal des Jahres alle wesentlichen Geschäftseinheiten überprüft. Das Ergebnis: Der Wert des Portfolios ist deutlich gesunken. Normalerweise prüfen Konzerne ihre Beteiligungen immer am Jahresende auf Werthaltigkeit. In besonderen Phasen, wie jetzt in der Coronakrise, sind anlassbezogene Impairment-Tests wie nun bei HeidelCement aber keine Seltenheit.

Brexit belastet HeidelbergCement-Portfolio

Der Konzern nennt drei wesentliche Gründe für die starke Wertminderung im Portfolio. Zunächst würden die Tochterunternehmen wegen der Corona-Pandemie die ursprünglich erwarteten Umsätze nicht erreichen, die Geschäftserwartungen seien gesunken. Zusätzlich spielt den Heidelberger zufolge aber auch der nahende Brexit eine Rolle. So zeigten sich bereits „konjunkturelle Sondereffekte“ in dem Land, in dem die große Heidelberg-Cement-Beteiligung Hanson ihren Sitz hat. Als dritten Grund nennt der Konzern die Erhöhung der für Bewertungszwecke herangezogenen Marktrisikoprämie von 6 auf 7 Prozent.

Konkret entfallen die Abschreibungen auf Portfolien, die im Rahmen zweier großer Zukäufe in das HeidelCement-Portfolio gekommen sind. Für 2019 wies der Baukonzern insgesamt fast 12 Milliarden Euro an Goodwill aus.

Abschreibungen auf Hanson und Italcementi

Rund zwei Drittel der Wertminderungen entfallen HeidelCement zufolge nun auf den 2007 übernommenen britischen Baustoffhersteller Hanson. Für Hanson nahm HeidelCement damals rund 8 Milliarden Pfund in die Hand und verschuldete sich dabei immens, was zu einer Belastung in der folgenden Finanzkrise wurde.

Auch auf das 2016 zugekaufte Unternehmen Italcementi werden nun Wertminderungen fällig. Es sorge jetzt für ein Fünftel der Abschreibungen, erklärte HeidelCement. Der Hintergrund: Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt in Italien, einem Land, das in den zurückliegenden Monaten besonders unter der Coronakrise litt. HeidelbergCement kaufte den italienischen Wettbewerber 2016 für 6,7 Milliarden Euro.

Zwar belasten die Wertminderungen das Ergebnis, konkrete Mittelabflüsse sind damit aber nicht verbunden, betonte HeidelCement. Doch auch operativ kämpft das Unternehmen gegen die Folgen der Krise. So wurde das Rating des Konzerns im Mai von Fitch heruntergestuft. Neben der Coronakrise führte nicht zuletzt die hohe Verschuldung dazu. Der Konzern um CFO Lorenz Näger rechnete früheren Angaben zufolge bereits damit, dass das Geschäftsergebnis wegen Corona eine ordentliche Delle bekommen werde.

Als Gegenmaßnahme soll dem Konzern der bereits im Februar veröffentliche Sparplan Cope helfen. Ziel ist es, 1 Milliarde Euro einzusparen – auch durch Anpassungen im Pesonaltableau.

Dax-Unternehmen: Luft in den Bilanzen

HeidelbergCement könnte mit seiner hohen Goodwill-Abschreibung nur den Anfang gemacht haben, denn auch die allermeisten übrigen Dax-Unternehmen weisen einen hohen Goodwill aus. Laut „Börse-Online“ betrug die Goodwill-Gesamtsumme der Dax-30-Unternehmen im vergangenen Jahr 317 Milliarden Euro. Das sei eine Steigerung um mehr als 140 Milliarden Euro gegenüber der Goodwill-Summe zehn Jahre zuvor. Von diesen 317 Milliarden Euro wurden 2019 lediglich 5 Milliarden Euro abgeschrieben.

Dieser Wert dürfte sich durch Corona nun erheblich steigern. In den vergangenen Jahren waren viele Großkonzerne auf M&A-Tour, die Erwartungen an die Zukäufe dürften durch die Pandemie in den meisten Fällen nun aber deutliche Dämpfer bekommen. So rückt der Goodwill gerade in Krisenzeiten noch einmal mehr in den Fokus.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über den amtierenden HeidelbergCement-CFO lesen Sie auf dem Köpfe-Profil von Lorenz Näger