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Neue Interimsführung für Takko

Takko hat zwei neue Manager im Vorstand. CEO Karl-Heinz Holland und CFO Ernst de Kuiper haben ihre Ämter allerdings zunächst interimistisch übernommen.
Roland Rampsch - stock.adobe.com

Der kriselnde Mode-Discounter Takko hat mitten in der Coronakrise sein Top-Management ausgetauscht. Karl-Heinz Holland, bisheriger Vorsitzender des Takko-Beirats, wird mit sofortiger Wirkung neuer Interims-CEO. Zudem übernimmt Ernst de Kuiper interimistisch das Amt des Finanzchefs. Der bisherige Finanzchef Andreas Silbernagel lässt sein CFO-Amt aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres ruhen. Das teilte das Unternehmen heute mit.

Takko-CEO Alexander Matschull geht

Karl-Heinz Holland ersetzt den bisherigen Vorstandschef Alexander Matschull, der seinen Weggang bereits im Oktober vergangenen Jahres angekündigt hatte. Er verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Holland kennt die Einzelhandelsbranche gut: Der 53-Jährige war rund 23 Jahre für den Lebensmitteldiscounter Lidl tätig, davon sechs Jahre als CEO.

Im Jahr 2014 musste Holland Lidl jedoch verlassen, offenbar aufgrund „unterschiedlicher, nicht überbrückbarer Auffassungen betreffend der künftigen strategischen Geschäftsausrichtung“, wie verschiedene Medien das Unternehmen damals zitierten. In den Jahren 2018 und 2019 war Holland bereits Beiratsvorsitzender bei Takko. In diese Position kehrte er im Oktober 2020 zurück.

An Hollands Seite rückt der Niederländer Ernst de Kuiper als Interims-CFO. Takko zufolge bringt de Kuiper Erfahrung im Einzelhandel und Filialgeschäft mit und ist zudem mit Private-Equity-finanzierten Unternehmen vertraut. Zuletzt war er CFO und CIO des Möbelhändlers Leen Bakker (Homefashion), der sich seit 2017 im Portfolio des niederländischen Mittelstandsinvestors Gilde befindet. 

Davor arbeitete er unter anderem als Finanzchef des Wettbewerbers Kwantum, bei dem Gilde 2015 eingestiegen war. Seinem Profil auf dem Karrierenetzwerk Linkedin zufolge ist er seit Mai 2014 zudem als selbständiger Interimsmanager tätig.

FINANCE-Köpfe

Andreas Silbernagel, Takko Fashion GmbH

Seit 1991 ist der studierte Betriebswirt Andreas Silbernagel bei Takko Fashion. Nach verschiedenen Stationen innerhalb des Finanz- und Rechnungswesens des Modediscounters, unter anderem als Senior Executive Director, wird er enger Mitarbeiter des früheren CFOs Thomas Helmreich. Als Helmreich Takko im Mai 2018 verlässt, steigt Silbernagel zum Finanzchef der Münsterländer auf. Im Januar  2021 lässt Silbernagel sein CFO-Mandat bei Takko aus gesundheitlichen Gründen ruhen. Für ihn steigt interimistisch Ernst de Kuiper als Finanzchef bei Takko ein.

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Takko geriet wegen Corona in Finanzierungsnot

Die Hauptaufgabe des neuen Führungsduos dürfte es sein, wieder Ruhe ins Unternehmen zu bringen und die erheblichen Irritationen im Investorenkreises beizulegen. Nachdem der erste Shutdown im Frühjahr das hoch verschuldete Unternehmen enorm belastete, setzte das Duo Matschull/Silbernagel im Mai die vierteljährlich fällig werdende Zinszahlung auf beide Tranchen der ausstehenden Anleihe kurzerhand aus.

Im Zuge der anschließenden Rettungsverhandlungen unterbreitete Matschull gemeinsam mit seinem Vater Arnold Matschull, der Takko groß gemacht hatte, den Bondholdern ein Angebot, das letztlich auf eine Übernahme Takkos durch die Matschull-Familie mit minimalem Eigenkapitaleinsatz hinausgelaufen wäre. Dabei brauchte Takko dringend Geld. Moody’s reagierte mit einem Downgrade, der Bond fiel zeitweise auf nur noch 12 Prozent des Nennwerts.

Mittlerweile hat sich die Lage bei Takko wieder etwas entspannt: Im Sommer bezahlte Takko seine Zinsen wieder, und der Kurs der mit 5,4 Prozent verzinsten, insgesamt 500 Millionen Euro schweren Anleihe hat sich bis auf 87 Prozent des Nennwerts erholt.

Das Schlimmste ist vorbei: Takko-Anleihekurs (1 Jahr)

Takko-Bonds müssen refinanziert werden

Doch über den Berg ist der Mode-Discounter noch nicht: Die negativen Folgen der Coronakrise könnten Takko mit dem zweiten Lockdown noch einmal einholen – wann Geschäfte wie Takko wieder ihre Türen für Kunden öffnen dürfen, ist ungewiss.

Darüber hinaus braucht Takko eine langfristige Lösung für die Anleihe, die im November 2023 auslaufen wird. Im Zuge dessen wird auch die enorm hohe Verschuldung des Unternehmens adressiert werden müssen, unter Einbeziehung des Hauptgesellschafters Apax, der sich zuletzt erkennbar bemühte, die Zügel in die Hand zu nehmen und die Wogen im Unternehmensumfeld zu glätten.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den bisherigen Takko-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Andreas Silbernagel und auf unserer Themenseite zu Takko.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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