Entspannung bei Takko: Der Mode-Discounter zahlt seine Anleihekupons wieder.

Takko

19.08.20
Finanzierungen

Takko zahlt wieder Anleihezinsen

Nach einem dramatischen Hickhack entspannt sich die Lage bei Takko wieder: Der Private-Equity-finanzierte Modehändler zahlt wieder Anleihezinsen, Moody’s hebt das Rating an. Risiken bleiben aber.

Vor Kurzem hielt Moody’s sogar noch einen Zahlungsausfall für wahrscheinlich, nun scheinen sich die Wogen bei dem Private-Equity-finanzierten Modehändler Takko wieder zu glätten. Das Unternehmen hat Anfang August bekanntgegeben, die Zinsen für seine beiden ausstehenden Anleihen über 285 und 225 Millionen Euro wieder zu zahlen. Das Geld ist nach FINANCE-Informationen vor Kurzem geflossen.

Grund: Das Geschäft hat sich nach Ende des Lockdowns wieder deutlich erholt. Noch im Mai war die Sorge vor einem Liquiditätsengpass groß, Takko hatte daraufhin die Zahlungen der Anleihekupons ausgesetzt. Die Ratingagentur Moody’s hatte in der Folge das Rating für das Unternehmen sowie beide Anleihen von Ba3 auf Caa3 gesenkt und hielt sogar einen Zahlungsausfall für wahrscheinlich.

Takko hatte durch die überraschende Aussetzung der Zinszahlungen ein Tauziehen zwischen Unternehmen und Bondholdern ausgelöst. Mittendrin im Trubel steckte die Familie Mattschull – Arnold Mattschull führte das Unternehmen lange Zeit als CEO, auf ihn folgte sein Sohn Alexander Mattschull. Sie hatten den Bondholdern im Zuge der Finanzierungskrise mehrere Angebote vorgelegt, die eine Übernahme der Firma vorsahen. Bei den Bondholdern fiel das aber krachend durch, sie hätten auf maßgebliche Forderungen verzichten müssen.

Keine Schuldenrestrukturierung bei Takko erwartet

Mit der nun wieder aufgenommenen Zahlung der Zinsen ist eine Schuldenrestrukturierung wohl erstmal vom Tisch. Moody’s stuft deshalb das Rating von Caa3 auf Caa2 herauf, der Ausblick ändert sich von negativ zu stabil. Die Agentur geht davon aus, dass sich das Liquiditätsprofil des Unternehmens besser darstellt als zunächst erwartet und eine Schuldenrestrukturierung in den nächsten zwölf Monaten daher unwahrscheinlich sei.

Moody‘s beruft sich bei der Upgrade-Entscheidung auf ein Liquiditäts-Update, das Takko am 6. August zur Verfügung gestellt hat. Demnach hätte sich die voraussichtliche Entwicklung der Liquidität des Unternehmens im Vergleich zu den Forecasts von Ende Juni deutlich verbessert. Einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf gebe es deshalb nicht mehr.

Die Agentur sagt allerdings auch, dass bezüglich der geschäftlichen Erholung weiterhin Risiken bestünden. Dazu zählen auch die Ungewissheiten rund um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Konsumentenverhalten, das noch schwach ausgebaute Online-Geschäft sowie die auch in der Vergangenheit volatile Verkaufs-Performance des Unternehmens, die sowohl saisonal als auch wetterabhängig ist.

FINANCE-Köpfe

Andreas Silbernagel, Takko Fashion GmbH

Seit 1991 ist der studierte Betriebswirt Andreas Silbernagel bei Takko Fashion. Nach verschiedenen Stationen innerhalb des Finanz- und Rechnungswesens des Modediscounters, unter anderem als Senior Executive Director, wird er enger Mitarbeiter des früheren CFOs Thomas Helmreich. Als Helmreich Takko im Mai 2018 verlässt, steigt Silbernagel zum Finanzchef der Münsterländer auf.

zum Profil

Was macht Apax mit Takko?

Auf der Anleiheseite zeigt sich die einsetzende Entspannung an den Kursen. Sie waren Ende Mai auf 20 Prozent des Nennwerts eingestürzt, mittlerweile liegen sie wieder bei über 70 Prozent. Auch Takkos Eigentümer Apax kann sich über die positive Entwicklung des Modehändlers freuen. Seine Verkaufspläne dürften aber kurzfristig vom Tisch sein, noch ist Takkos Situation zu fragil.

Vor Beginn der Corona-Pandemie hatte sich der Mode-Discounter wirtschaftlich gut entwickelt. Im vergangenen Geschäftsjahr stand das in der 40-jährigen Unternehmensgeschichte zweitbeste Ergebnis zu Buche. Takko galt als heißer Exit-Kandidat. Doch die Pandemie traf das hochverschuldete Unternehmen hart. Die Verschuldung ist noch eine Spätfolge des teuer erkauften Einstiegs von Apax im Jahr 2010.

Der PE-Investor soll jedenfalls in den Refinanzierungsgesprächen zuletzt die Zügel wieder an sich genommen haben. Und die dürften auch noch weitergehen, trotz verbesserter Liquiditätslage. Laut Moody’s hat Takko für seine Revolving Credit Facility einen Covenant Waiver erhalten. Der Covenant bezieht sich auf ein Minimum-Ebitda von 110 Millionen Euro. Das Ebitda lag laut Moody‘s in den zwölf Monaten vor Ende April allerdings bei 94 Millionen Euro. Moody’s rechnet damit, dass Takko sich einen Covenant Reset im Jahresverlauf sichern wird. Andernfalls wäre ein erneuter Riss des Covenants wahrscheinlich, so die Agentur.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über den Finanzchef von Takko erfahren Sie auf dem Profil von Andreas Silbernagel bei FINANCE-Köpfe.