Newsletter

Abonnements

Volkswagen verliert CFO Frank Witter

Frank Witter plant seinen Abschied bei Volkswagen.
Volkswagen AG/Collage FINANCE

Frank Witter steigt aus: Der CFO des VW-Konzerns will den Dax-Konzern im Sommer 2021 verlassen, wie FINANCE aus Unternehmenskreisen erfahren hat. Demnach plant das VW-Urgestein und Eigengewächs seinen im Herbst dieses Jahres auslaufenden Vertrag lediglich um neun Monate zu verlängern. Zuerst berichtete das „Manager Magazin“ über die Personalie.

Sein Schlusspunkt bei den Wolfsburgern soll dann mit 62 Jahren der Jahresabschluss 2020 werden, bevor er an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergibt. Er geht aus persönlichen Gründen, wie heißt: Unter anderem wolle er sich mehr um die Familie kümmern, wie er in der Vergangenheit bereits mehrmals äußerte. Der Konzern selbst teilte offiziell lediglich mit, dass „über die individuellen Vertragsangelegenheiten einzelner Vorstandsmitglieder keine Angaben gemacht werden“.

Witter blickt auf knapp 30 Jahre VW zurück

Witter hat fast sein gesamtes Berufsleben bei dem Wolfsburger Autobauer verbracht. Bevor er seine Karriere bei Volkswagen begann, absolvierte er eine Ausbildung zum Sparkassenkaufmann und ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover. 1992 kam schließlich der Einstieg bei VW als Abteilungsleiter Kapitalmarktgeschäfte im Konzern-Treasury.

Nach einem kurzem Intermezzo als Corporate Treasurer der Schweizer Fluggesellschaft SAirgroup wird er im Jahr 2002 zum ersten Mal CFO innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Es folgen CFO-Stationen in den USA und Kanada, schließlich wird er Nordamerika-Chef von Volkswagen Financial Services, wo er ab September 2008 auch zum Vorstandsvorsitzender befördert wurde.

FINANCE-Köpfe

Frank Witter, Volkswagen AG

1992 startet Frank Witter nach seinem Studium seine Karriere bei Volkswagen und leitet dort bis 1998 die Abteilung Kapitalmarktgeschäfte im Konzern-Treasury. Anschließend ist Witter als Treasurer bei Volkswagen of America, Volkswagen Canada, VW Credit und deren Tochtergesellschaften in Michigan, USA, tätig. Nach einer kurzen Zwischenstation als Corporate Treasurer bei der Schweizer Fluggesellschaft SAirGroup, wird Witter 2002 CFO von Volkswagen of America, Volkswagen Canada, VW Credit und deren Tochtergesellschaften. Von 2005 an hat er die Funktion des CEO und CFO in Personalunion für Volkswagen of America und Volkswagen Canada inne. Von Juli 2006 bis September 2007 verantwortet er als Generalbevollmächtigter in der Konzernleitung die Region Nordamerika.

Von Oktober 2007 bis Mitte September 2008 ist Frank Witter President und Finanzchef von VW Credit und Regionalverantwortlicher für die amerikanischen Märkte von Volkswagen Financial Services(VWFS), der Finanztochter des Volkswagen-Konzerns. Ab September 2008 ist Witter Vorstandsvorsitzender von VWFS. Im Oktober 2015 wird er der Nachfolger von Hans Dieter Pötsch als Volkswagen-CFO.

Im Februar 2020 wird bekannt, dass Witter seinen Vertrag nur bis in den Sommer 2021 verlängern und sich danach „aus persönlichen Gründen“ zurückziehen wird.

zum Profil

Witter musste sich in der Krise beweisen

Witter wurde im Oktober 2015 oberster Finanzleiter bei dem Dax-Giganten, als er auf den damaligen CFO und jetzigen Aufsichtsratschef Dieter Pötsch nachfolgte. Direkt zu seinem Einstieg musste sich Witter beweisen – und lieferte ab: In seinen letzten Amtshandlungen kassierte Pötsch die Gewinnziele VWs und bildete Rückstellungen in Milliardenhöhe, um den Autokonzern durch den Abgasskandal zu manövrieren. Witter organisierte innerhalb kurzer Zeit einen Brückenkredit von rund 20 Milliarden Euro mit einem Konsortium aus insgesamt 13 Banken, um sich ein finanzielles Polster zu verschaffen und unabhängiger vom Kapitalmarkt zu werden, wo das Investorenvertrauen erschüttert war.

Dem Rekord-Brückenkredit folgte knapp drei Jahre später im November 2018 der Rekordauftritt am Bondmarkt: Witters Finanzteam platzierte in drei parallelen Emissionen Anleihen im Wert von insgesamt 12,5 Milliarden Euro in Europa, den USA und Kanada. Dabei handelte es sich auch um VWs ersten Auftritt am US-Kapitalmarkt nach Bekanntwerden des Dieselskandals.

Witter übergibt ein Unternehmen im Umbruch

In den vergangenen Jahren und Monaten steckte VW tief im Umbruch – und Witter mitten drin: Der schwierige Börsengang der LKW-Tochter Traton, die komplexe CFO-Rochade zwischen der Marke VW und Audi und die jüngsten M&A-Deals um Traton und dem Großgetriebehersteller Renk machen deutlich, wie sehr VW aktuell mit sich selbst beschäftigt ist. Auch droht immer wieder Ärger durch Klagen wegen des Abgasskandals.

Witter wird all diese Projekte noch über ein Jahr lang begleiten und seiner Nachfolge ein in vielen Teilen gänzlich anderes Unternehmen überlassen, als er es selbst vorfand. Der krönende Abschluss seiner sechs Jahre an der Finanzspitze der Wolfsburger könnte die Finanzierung der Elektromobilität sein: VW will in den kommenden viereinhalb Jahren rund 33 Milliarden Euro in die Einführung der E-Mobilität stecken – und Witter hat gezeigt, dass er die ganz großen Finanzierungen beherrscht.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Info

Mehr zur Vita des Volkswagen Finanzchefs Frank Witter erfahren Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil.

Sie wollen wissen, welcher Finanzchef wohin wechselt? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite CFO-Wechsel und der FINANCE-Datenbank für CFO-Wechsel.