Frank Gumbinger (links), Klaus Patzak (Mitte) und Gunnar Wiedenfels: 2016 war gespickt mit spektakulären CFO-Wechseln.

von links nach rechts: Semperit, Osram, ProSiebenSat.1

03.01.17
CFO

Die sensationellsten CFO-Wechsel 2016

Geplatzte M&A-Deals, Zoff im Vorstand, Fake-President-Attacke: 2016 mussten einige CFOs aus spektakulären Gründen ihre Posten räumen. FINANCE präsentiert die Top 5 der Aufsehen erregendsten Fälle.

Platz 5: Frank Gumbinger, Kontron

Eine solche Rolle rückwärts sieht man selten: Im Juni verkündete der Elektronikkonzern Kontron, dass Frank Gumbinger neuer Finanzchef des kriselnden Unternehmens wird. Anfang 2017 sollte er seine neue Position antreten. Vorgänger Michael Boy war nach schwachen Quartalszahlen bereits aus dem Vorstand ausgetreten, der Interims-Manager Thomas Riegler würde bis zum Dienstantritt das Finanzressort leiten, hieß es.

Ende Oktober dann die überraschende Kehrtwende: Frank Gumbinger werde doch nicht neuer CFO der Augsburger – aus „persönlichen Gründen“, teilte das Unternehmen mit. Stattdessen machte Kontron die Übergangslösung Riegler zum dauerhaften Finanzchef, der das Unternehmen aus der Krise führen soll. Gumbingers neue Station steht mittlerweile auch fest: Er ist seit Anfang Dezember Finanzchef des österreichischen Kautschukproduzenten Semperit.

Platz 4: Gunnar Wiedenfels, ProSiebenSat.1

ProSiebenSat.1 überraschte den Kapitalmarkt im Oktober mit der Meldung, dass sich der Medienkonzern einen neuen CFO suchen muss. Gunnar Wiedenfels verlässt das Münchener Dax-Mitglied nach nicht einmal zwei Jahren im Amt Ende März. Er wird Finanzchef des US-Medienriesen Discovery, zu dem unter anderem der Fernsehsender Eurosport gehört und der die Exklusivrechte für die Olympischen Spiele von 2018 bis 2024 hält. Der Wechsel über den großen Teich ist ein klarer Karrieresprung für den erst 39-Jährigen. ProSieben hat schon einen Nachfolger für Wiedenfels gefunden: Es ist Zalando-Manager Jan Kemper.

Platz 3: Minfen Gu, FACC

Minfen Gu, Finanzchefin des österreichischen Flugzeugzulieferers FACC, verlor ihren Posten durch einen der größten Wirtschaftsdiebstähle der jüngeren Vergangenheit. Im Januar 2016 musste FACC eingestehen, dass Kriminelle über die sogenannten Fake-President-Masche 50 Millionen Euro erbeutet hatten. Da der Klau eines solchen Mega-Betrags meist nur durch eklatante Mängel in der Finanzabteilung möglich ist, musste die Deutsch-Chinesin ihren Hut nehmen. Wenige Monate später musste auch CEO Walter Stephan gehen. Die Finanzabteilung muss FACC jetzt komplett neu aufstellen. Diese Aufgabe fällt dem neuen CFO Aleš Stárek zu.

Platz 2: Klaus Patzak, Osram

Selten werden Strategiedebatten im Vorstand so öffentlich ausgetragen wie die beim Leuchtmittelhersteller Osram. Im Herbst 2015 hatte CEO Olaf Berlien verkündet, dass die Münchener zur Massenproduktion von LED-Chips bis zu 1 Milliarde in ein neues Werk in Malaysia stecken wollen. Bei den Investoren – allen voran Großaktionär Siemens – kam der Strategieschwenk nicht gut an. Der Aktienkurs brach nach der Bekanntgabe zwischenzeitlich um 30 Prozent ein, erholte sich später aber wieder.

Der damalige Osram-Finanzchef und langjährige Siemensianer Klaus Patzak sah Berliens Pläne ebenfalls kritisch. Auf der Hauptversammlung kam es dann zum Eklat: Siemens verweigerte CEO Berlien die Entlastung, unterstützte aber gleichzeitig CFO Patzak. Einige Wochen später folgte die Trennungsankündigung. Den Verkauf des klassischen Lampengeschäfts Ledvance fädelte Osram-Chef Berlien schon alleine ein. Patzak ist mittlerweile Finanzvorstand beim Baukonzern Bilfinger. Auch dort ist das Portfolio stark in Bewegung. Neuer Osram-CFO ist der langjährige Philips-Manager Ingo Bank.

Platz 1: Georg Denoke, Linde

Der Abgang von Linde-CFO Georg Denoke fing mit einem der größten M&A-Deals des Jahres an: Der Gasekonzern Linde hatte bekanntgegeben, dass man Gespräche mit dem US-Konkurrenten Praxair über eine Fusion führe. Der zusammengerechnete Börsenwert beider Unternehmen: 60 Milliarden Euro. Doch der erste Fusionsversuch gestaltete sich schwierig, das Management beider Unternehmen stritt sich um den künftigen Unternehmenssitz und wie die Aufgaben im Vorstand aufgeteilt werden sollten.

Die Fusion wackelte, denn CFO Denoke und Linde-Chef Wolfgang Büchele wollten den Deal nicht unter allen Bedingungen. Wolfgang Reitzle, Chef des Linde-Aufsichtsrats und Vorgänger Bücheles, hingegen schon. Es krachte in der Top-Ebene des Dax-Konzerns.

Im September dann der Paukenschlag: In einer knappen Mitteilung verkündete Linde den sofortigen Weggang von Finanzchef Denoke, der beinahe zehn Jahre für die Finanzen von Linde verantwortlich gewesen war. CEO Büchele sollte ursprünglich noch bis April 2017 an Bord bleiben, ging aber ebenfalls deutlich früher.

Aufsichtsratschef Reitzle nahm daraufhin die Verhandlungen mit Praxair gemeinsam mit seinem Vertrauten Aldo Belloni als neuem Linde-CEO wieder auf, kurz vor Weihnachten meldeten sie dann schließlich doch noch Vollzug: Linde und Praxair gehen in einem Merger of Equals zusammen. Als Interims-CFO führt Treasury-Chef Sven Schneider Linde in die Fusion mit Praxair. Danach wird wohl ein Amerikaner den CFO-Posten übernehmen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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