Hapag-Lloyd

01.08.16
CFO

CFO des Monats: Nicolás Burr

Als CFO der Reederei Hapag-Lloyd hat Nicolás Burr eine Sisyphus-Aufgabe übernommen. Mit der Übernahme des Kontrahenten UASC rollt er den Stein ein weiteres Mal den Berg hinauf. Der Deal muss gelingen.

Lange hat es gedauert, doch jetzt geht es rund: Die derzeit tobende Marktkonsolidierung in der Containerschifffahrt ist an Schärfe kaum zu überbieten. Allianzen brechen auseinander, Marktführer fusionieren miteinander. Und wer keine starken Partner findet, steuert auf die Pleite zu. Eine solch gefährliche Lage drohte Hapag-Lloyd im Frühjahr, als die von den Hamburgern angeführte G6-Allianz zerbrach. Doch mit mutigen Schritten haben Reedereichef Rolf Habben Jansen und Finanzchef Nicolás Burr die Krise fürs Erste abgewendet.

Zunächst zimmerten sie ein neues starkes Bündnis („The Alliance“), dessen sechs Mitglieder mit über 600 Schiffen rund 20 Prozent der weltweiten Flotte an Containerschiffen auf sich vereinen. Dann brachten sie die Übernahme der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) unter Dach und Fach . Dass sie im gleichen Atemzug den versprochenen Gewinnanstieg einkassieren mussten, zeigt nur, wie stark die immer tiefer fallenden Frachtraten die Reedereien unter Druck setzen.

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Im perfekten Sturm – Mit einem Kraftakt will der chilenische CFO Nicolás Burr Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd vor dem Untergang bewahren. Sein riskanter Plan könnte sogar aufgehen...

 

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Nur die M&A-Manöver verhindern ernste Schieflage von Hapag-Lloyd

Die Übernahme von UASC folgte dem gleichen Muster wie der Kauf der chilenischen Reederei CSAV vor zwei Jahren – jener Deal, der den damaligen CSAV-CFO Nicolás Burr an die Spitze des Finanzressorts von Hapag-Lloyd katapultierte: Erst Aktientausch, anschließend Fresh Money. Nach Abschluss des UASC-Mergers soll eine Kapitalerhöhung die Bilanz um 400 Millionen Dollar stärken – die Underwritings hat Burr bereits festgezurrt.

Trotz nicht von der Hand zu weisender Erfolge wie der gelungenen Integration von CSAV und dem IPO im vergangenen Herbst ist Burrs Job eine Sisyphus-Aufgabe. Da ist zum einen die stürmische Branchenkonsolidierung: Durch den Merger mit CSAV rückte Hapag-Lloyd vor zwei Jahren im Weltmarkt auf Rang 4 vor. Weitere Fusionen unter Wettbewerbern ließen die Hamburger aber schnell wieder ins Hintertreffen geraten. Durch die Übernahme von UASC klettert Hapag-Lloyd jetzt wieder auf Platz 5. Und die in Folge des CSAV-Deals erzielten Synergien in Höhe von 400 Millionen Dollar (100 Millionen mehr als annonciert) haben die Ertragskraft Hapag-Lloyds mitnichten gestärkt. Sie haben nur dafür gesorgt, dass die Traditionsfirma den Verfall der Frachtraten einigermaßen bewältigen konnte.

Mit der Übernahme von UASC, die den Umsatz auf 12 Milliarden Dollar hochtreiben wird, starten die Hamburger nun den nächsten Versuch, ein auskömmliches Margenniveau zu erreichen. Die für dieses Jahr absehbare Marge auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2 bis 3 Prozent wird auf Dauer kaum reichen, um die notwendigen Investitionen finanzieren zu können. Über 400 Millionen Dollar an jährlichen Synergien soll der Deal von 2019 an bringen, soviel wie die Integration von CSAV. Die dafür nötigen Einmalkosten betragen 150 Millionen Dollar. Parallel dazu treibt der 40-jährige Finanzchef aus Chile gleich zwei Sparprogramme voran – „Octave“ und „Octave 2“ –, die noch einmal mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr bringen sollen.

Kauf von UASC treibt den Leverage von Hapag-Lloyd nach oben

Großen Spielraum für Planabweichungen bei Cost Cutting und Post-Merger-Integration hat Burr aber nicht, denn mit einer Nettofinanzverschuldung von demnächst 7 Milliarden Dollar steht Hapag-Lloyd das Wasser bis zum Hals. UASC bringt zwar eine junge Flotte und äußerst effiziente Mega-Frachter mit in die Ehe. Aber der Aufbau dieser Flotte hat die Schulden der Araber auf 4 Milliarden US-Dollar nach oben getrieben, und die Ertragskraft von UASC ist mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von zuletzt gerade einmal 33 Millionen Dollar kläglich. So wird die Konsolidierung des Zukaufs den Leverage von Hapag-Lloyd von 4,3 auf 6,7x Ebitda explodieren lassen, warnt Moody’s. Entsprechend senkte die Ratingagentur den Ausblick des B2-Ratings von positiv auf stabil.

Burr hat angekündigt, dass die Entschuldung in den nächsten Jahren höchste Priorität genießt, doch Moody’s ist skeptisch und rechnet nicht damit, dass der von der Ratingagentur errechnete Leverage in den nächsten zwei Jahren viel tiefer als auf 6,0x Ebitda sinken wird. Burr hingegen verspricht einen Wert von 3,5x Ebitda im Jahr 2018.

Trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass Hapag-Lloyd schneller vorankommt. Zum einen erspart die UASC-Übernahme den Hamburgern den Kauf von Super-Schiffen: UASC hat seit 2013 satte 17 Megaschiffe geordert, Hapag-Lloyd kein einziges. Die Capex-Einsparungen für Hapag-Lloyd beziffert Moody’s auf 2 Milliarden Dollar. „Durch den Deal haben wir die nötigen Flotteninvestitionen vorgezogen, jetzt können wir den Fokus auf maximalen Free Cashflow legen“, verspricht Burr.

Zum anderen ist der Ertragshebel enorm, den eine Erholung der Frachtraten Burr und seinem CEO Habben Jansen in die Hand geben würde. Außerdem hat Hapag-Lloyd seine kommunizierten Einsparziele nach großen Fusionen stets übertroffen, zudem gilt Burr als gewiefter Geldbeschaffer. Schon bei der recht kleinen CSAV gelang es dem vierfachen Familienvater, mehrere Kapitalerhöhungen festzuzurren, die sich insgesamt auf fast 1 Milliarde Dollar summierten. Burr ist es also gewohnt, auf rauher See zu segeln. Diese Wetterfestigkeit kann Hapag-Lloyd gut gebrauchen.     

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Wie der chilenische Finanzmanager nach Deutschland kam und was er in seiner Karriere schon alles erreicht hat, erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Nicolás Burr.