Ein erfolgreicher Exit nach dem anderen: Peter Kimpel, Finanzchef von Rocket Internet, sitzt mittlerweile auf 2,3 Milliarden Euro Net Cash.

Rocket Internet

29.06.18
CFO

CFO des Monats: Peter Kimpel

Kaum belegen drei IPOs die Substanz von Rocket Internet, setzten die Investoren Firmenchef Oliver Samwer schon wieder unter Druck. Sein CFO Peter Kimpel vertreibt sich derweil die Zeit mit Financial Engineering – nicht zum Nachteil der Aktionäre.

Wie die Zeiten sich ändern. Noch vor einem Jahr musste sich die Führung des Startup-Entwicklers Rocket Internet den Vorwurf der Erfolglosigkeit anhören. Firmenchef Oliver Samwer und CFO Peter Kimpel hatten den Investoren Weltklasse-Deals versprochen und Milliarden investiert, aber es fehlten die messbaren Erfolge. Doch dann folgten die drei extrem erfolgreichen Börsengänge der Rocket-Beteiligungen Delivery Hero (Juni 2017), Hello Fresh (November 2017) und ganz aktuell Mitte Juni Home24.

Während Samwer und Kimpel die gute Kursperformance bei Delivery Hero und Hello Fresh inzwischen genutzt haben, um ordentlich Aktien loszuschlagen, traten die Berliner beim Home24-IPO sogar als Käufer auf, damit durch die Kapitalerhöhung der Rocket-Anteil von zuvor 41 nicht auf unter 30 Prozent verwässerte. Dafür investierte Rocket rund 20 Millionen Euro – und fuhr damit sogar noch einen weiteren Buchgewinn ein, denn die Home24-Aktie sprang am ersten Handelstag um fast 20 Prozent nach oben.

CFO Peter Kimpel sitzt auf 2,3 Milliarden Euro

Insgesamt haben die drei Börsengänge im Beteiligungsportfolio von Rocket Internet stille Reserven von mehr als 1 Milliarde Euro aufgedeckt. Die lange Zeit gegenüber der Startup-Schmiede überaus kritisch eingestellten Investoren honorieren das spürbar: Die Rocket-Aktie hat seit Jahresbeginn fast ein Viertel an Wert gewonnen, während der breite Markt sich unter dem Strich kaum bewegt hat. Doch der ganze Groll der Investoren ist noch nicht verflogen – noch immer liegt das Papier fast 40 Prozent unter seinem Ausgabekurs beim Börsengang im Herbst 2014.

Und der Posten des Finanzchefs bei einem Unternehmen wie Rocket Internet kann anstrengend sein. Schon wieder bereitet die Crux des Geschäftsmodells CFO Kimpel Kopfzerbrechen. Zuerst fehlte der „Proof of Concept“, und jetzt, da Samwer und er gleich drei starke Belege dafür geliefert haben, fragen Analysten und Investoren: „What’s next?“

Diese Frage ist durchaus dringend, sitzt Kimpel doch mittlerweile auf einer Nettofinanzposition von 2,3 Milliarden Euro. Alleine die (nach Ablauf der Lock-up-Frist bei Home24) jederzeit marktgängigen Restanteile an Home24, Hello Fresh und Delivery Hero würden bei einem Verkauf weitere 1,7 Milliarden Euro in die Kasse spülen. Samwer und Kimpel müssen ihre Finanzkraft zeitnah einsetzen, um den gewaltig angeschwollenen Kassenbestand wieder auf Normalmaß zu stutzen und die nächste Generation von Börsenaspiranten aufzubauen.

Kimpel arbeitet wertsteigernd, zumindest theoretisch

Was genau aber führen Kimpel und Samwer im Schilde? Fintechs, Online-Marktplätze und alles rund um Künstliche Intelligenz hält Samwer für aussichtsreiche Investments.

CFO Kimpel hingegen die eigene Firma – er betreibt im großen Stil Financial Engineering. Regelmäßig sammelt er Anteile der ausstehenden Wandelanleihe ein, um die im Raum stehende künftige Verwässerung der Aktionäre durch die Wandlung der Anleihe so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig kauft er schon seit Monaten Aktien zurück, zuletzt den Großteil der Beteiligung des philippinischen Großaktionärs PLDT. Dieser große Trade allein entsprach rund 6 Prozent aller ausstehenden Aktien. 

FINANCE-Köpfe

Peter Kimpel, Rocket Internet SE

Peter Kimpel beginnt seine Karriere als Analyst bei Goldman Sachs. Bei der Investmentbank bekleidet er zwischen 1992 und 2014 verschiedene Positionen: Zunächst sammelt Kimpel als Associate in New York und San Francisco internationale Erfahrung. In Frankfurt steigt er vom Associate zum Vice President auf und ist dort zwischen 2004 und 2006 schließlich Managing Director.

Anschließend zieht es Peter Kimpel noch einmal ins Ausland, und zwar zum Londoner Standort von Goldman Sachs, wo er ebenfalls als Managing Director tätig ist. 2010 wird er zum Partner befördert.

Der Karrierewechsel 2014 zu Rocket Internet bringt Peter Kimpel in seine erste Station als CFO eines börsennotierten Unternehmens. Im Oktober 2018 verlässt der Manager Rocket Internet wieder und heuert als neuer Deutschlandchef bei der Investmentbank Barclays an.

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Die im Eigenbesitz befindlichen Aktien in Höhe von 6,5 Prozent des Grundkapitals will der Ex-Investmentbanker nun einziehen – was eindeutig Sinn macht, notiert die Rocket-Aktie doch deutlich unter ihrem inneren Wert, der sich aus dem riesigen Kassenbestand, dem Wert der börsennotierten „Großen Drei“ sowie einer Vielzahl weiterer kleiner Beteiligungen zusammensetzt. Solange das so bleibt, wirkt jeder Aktienrückkauf auf dem aktuellen Kursniveau direkt wertsteigernd – zumindest auf dem Papier. 

Endlich Outperformance (Rocket vs. MDax seit Januar)

Rocket Internet muss Equity Story wiederbeleben

Drei Glückstreffer auf der Investment-Seite, dann Feierabend und noch massive Aktienrückkäufe unterhalb des Buchwerts sind aber nicht das, was Langfristanleger von Kimpels Chef, dem „aggressivsten Mann im Internet“ (Samwer über sich selbst), erwarten. Und so ist davon auszugehen, dass sich das Thema der übermäßig gut gefüllten Kasse schnell erledigen könnte.

Schließlich hat Samwer schon einmal gezeigt, dass er nicht stur an seiner Geschäftsidee der Start-up-Fabrik mit einer Vielzahl an kleinen Anschub-Investments festhält: 2015 pumpte er über eine halbe Milliarde Euro in diverse, der Start-up-Phase längst entwachsene Essenslieferanten, darunter Delivery Hero. Den Markt überraschte das damals, aber der Wert dieser Investments hat sich inzwischen mehr als verdoppelt.

Geht Rocket diesen Weg erneut und legt viel Geld für eine Pre-IPO-Beteiligung auf den Tisch, wäre Kimpes Unternehmenskasse wieder in der Balance, schließlich haben die vielen Dutzend Rocket-Beteiligungen regelmäßig Kapitalbedarf, den auch Rocket als Miteigentümer stillen muss. Sonst droht die Verwässerung der Anteile. Also braucht das Unternehmen zu jeder Zeit finanzielle Handlungsfähigkeit.

Die Unkenrufer, die Rocket jetzt als langweiligen Investmentfonds titulieren oder gar über vermeintliche Pläne für einen Rückzug von der Börse spekulieren, dürften bald eines Besseren belehrt werden – genau wie jene, die nach dem Börsengang gewarnt hatten, im Rocket-Portfolio befinde sich nichts als heiße Luft.                  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Deals, so weit das Auge reicht: Mehr über Vita und Karriere-Highlights des Rocket-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Peter Kimpel.

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite „CFO des Monats“.