Unser CFO des Monats Dezember: Emmanuel Thomassin von Delivery Hero.

Delivery Hero

27.12.19
CFO

Emmanuel Thomassin: Der Ablieferheld

Nach einem Milliardendeal in Südkorea ist der Börsenwert von Delivery Hero explodiert. Unser CFO des Monats Emmanuel Thomassin begeistert die Aktionäre – doch jetzt muss er endlich sein Versprechen einlösen, das Unternehmen profitabel zu machen.

Aufregender Dezember für Emmanuel Thomassin: Der Finanzchef des Berliner Essenslieferdienstes Delivery Hero erlebte, wie die Aktie seines Unternehmens einen unglaublichen Höhenflug hinlegte. Notierte der Kurs Anfang Dezember noch bei rund 48 Euro je Aktie, kratzt er inzwischen an der 70-Euro-Marke.

Damit hat der Essenslieferdienst erstmals den Börsenwert von über 12 Milliarden Euro geknackt und sich so noch vor den Primus Zalando katapultiert, der rund 11 Milliarden Euro auf die Waage bringt. Die Delivery Hero-Aktie hat zudem aller Voraussicht nach die stärkste Entwicklung im MDax im Dezember hingelegt. An die Börse gegangen war Delivery Hero im Sommer 2017 zu einem Preis von 27,80 Euro je Aktie, es war damals der größte deutsche Börsengang des Jahres.

Höhenflug der Delivery-Hero-Aktie (Chart seit Januar 2018)

Delivery-Hero-Aktionäre feiern Woowa-Deal

Der Grund für die Begeisterung der Aktionäre: Mitte Dezember kündigten die Berliner an, den südkoreanischen Wettbewerber Woowa Brothers für stolze 4 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Für den Preis bekommt CFO Thomassin auch das volle Programm: Denn Woowa ist mit seiner Plattform Baedal Minjok die Nummer 1 im koreanischen Essensliefermarkt.

Woowa erwirtschaftete im Jahr 2018 einen Umsatz in Höhe von 242 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 46 Millionen Euro. Obwohl sich daraus ein Kaufpreis in Höhe von über 80x Ebitda errechnet, liegt dies im Rahmen einer fairen Bewertung für Woowa, meint Lampe-Analyst Christoph Bast. Er lobt den Deal, so wie auch andere Analysten.

Der südkoreanische Markt sei hochattraktiv, da die Bevölkerungsdichte extrem hoch sei und es viele Single-Haushalte gebe – allesamt gute Voraussetzungen für steigende Bestellzahlen. Nach Abschluss der Transaktion könne Delivery Hero zudem auf substanzielle Kosteneinsparungen hoffen, so Bast.

Von Woowas Schlagkraft profitiert nun auch Delivery Hero: Mit dem Zukauf bauen die Berliner ihre Präsenz im koreanischen, aber auch im übergreifenden asiatischen Markt aus. Bislang sind die Berliner als Nummer 2 in Südkorea mit ihrer Plattform Yogiyo vertreten. In Asien wiederum erzielt Delivery Hero aktuell 30 Prozent seiner Umsätze – Tendenz steigend. Gemeinsam mit Woowa will CFO Thomassin die Expansion in Asien nun beschleunigen.

Thomassin verkaufte Deutschlandgeschäft an Takeaway

Bereits vor etwa einem Jahr, ebenfalls in der Vorweihnachtszeit, sorgte Emmanuel Thomassin mit Delivery Hero schon einmal für Schlagzeilen am M&A-Markt. Damals brachte er den Verkauf des Deutschlandgeschäfts mitsamt der Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de an den niederländischen Rivalen Takeaway auf den Weg. Für fast 1 Milliarde Euro wechselte das Geschäft den Besitzer – und CFO Thomassin schlug mit dem Deal zwei Fliegen mit einer Klappe.

Zunächst ist der Markt für Essenslieferdienste gerade in Deutschland hart umkämpft. Delivery Hero musste sich international gegen die Konkurrenz wie die britische Just Eat oder den US-Anbieter GrubHub behaupten. Hierzulande ist aber vor allem Takeaway mit der Marke Lieferando ein großer Platzhirsch, dem Delivery Hero letztlich das Feld überließ, um sich auf weniger umkämpfte Märkte zu konzentrieren.

Das frische Kapital konnte Emmanuel Thomassin sodann weiter investieren, zunächst für Marketinginitiativen, langfristig aber auch für die weitere Expansion von Delivery Hero – unter anderem nach Südkorea, wie der CFO schon im vergangenen Jahr bei FINANCE-TV angedeutet hatte.

CFO Thomassin holte Finanzinvestor Rocket Internet

Thomassin begleitet das 2011 gegründete Unternehmen inzwischen schon viele Jahre. Ein Jahr nachdem er zum Finanzchef von Delivery Hero berufen wurde – im Januar 2014 – holte er Rocket Internet ins Boot. Der Finanzinvestor stieg damals mit knapp 40 Prozent bei Delivery Hero ein. Als Rocket-Internet-Beteiligung entwickelte sich das Unternehmen unter dem CFO sehr gut – vor allem im Vergleich zu anderen Rocket-Beteiligungen, wie ein Blick auf die Aktienkurse zeigt.

Der Berliner Kochboxenanbieter Hello Fresh, dessen Papier nach dem Börsengang im Herbst 2017 mehr als 10 Euro wert war, notierte lange Zeit unter dem Ausgabekurs, befindet sich seit wenigen Monaten aber im Steigflug. Aktueller Wert: rund 18 Euro. Im Gegensatz zu Delivery Hero ist Hello Fresh auf Ebitda-Basis auch schon profitabel.

Wesentlich schlechter lief es bei Home24. Diese Aktie war beim IPO im Sommer 2018 fast 30 Euro wert und liegt inzwischen bei gerade einmal bei 5 Euro. Auch die Aktien von Westwing und der Global Fashion Group befinden sich seit den Börsengängen auf Talfahrt.

Thomassin muss Delivery Hero endlich profitabel machen

Die Herkulesaufgabe des Breakevens liegt noch vor CFO Thomassin: Zwar steigen die Umsätze rasant. Bei einem Umsatz von 687 Millionen Euro kam das Unternehmen im Jahr 2018 aber immer noch auf einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 100 Millionen Euro.

Und auch im laufenden Geschäftsjahr wird es nichts mit den schwarzen Zahlen: Für 2019 erwartet Thomassin einen Umsatz im Korridor zwischen 1,44 und 1,48 Milliarden Euro, dafür aber auch einen bereinigten Verlust zwischen 370 bis 420 Millionen Euro. Wann genau Delivery Hero endlich den lange erwarteten den Breakeven schafft, darüber hält sich der Finanzchef bedeckt.

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung.

2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich.

Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

zum Profil

Das verunsichert auch Investoren und Aktionäre: Auch sie können wohl kaum abschätzen, wann das Unternehmen endlich profitabel wird. Und auch die langfristige Entwicklung des Essenslieferdienstes im hart umkämpften Markt ist alles andere als klar.

CFO Thomassin hat Aktionäre schon einmal enttäuscht

Den Share- und Stakeholdern Sicherheit und Vertrauen in das Geschäftsmodell geben und Delivery Hero endlich in die Gewinnzone zu führen, dürfte bei Thomassin daher nun oberste Priorität haben. Denn die Aktionäre warten nicht ewig: Schon einmal hat Emmanuel Thomassin seine Anteilseigner enttäuscht. Im Sommer 2018 verschob der Finanzchef das Erreichen der Gewinnschwelle auf unbestimmte Zeit, zuvor hieß es noch, Ende 2018 sei es soweit. Der Aktienkurs rutschte daraufhin monatelang ab. Auf ein weiteres Mal sollte es Thomassin besser nicht ankommen lassen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr Infos zur Vita des Delivery-Hero-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Emmanuel Thomassin. Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite CFO des Monats.