Skyline von Stockholm: Der schwedische Finanzinvestor Kinnevik ist nicht mehr Großaktionär von Rocket Internet.

Rudy Balasco/Thinkstock/Getty Images

08.06.17
CFO

Kinnevik sagt Rocket Internet Goodbye

Der einstige enge Verbündete Kinnevik hat seinen Restanteil an Rocket Internet auf den Markt geworfen. Ausgerechnet Rockets neue Investmentstrategie hat Kinnevik einen unerwartet lukrativen Exit ermöglicht.

Das Investmenthaus Kinnevik ist nicht mehr Aktionär von Rocket Internet. Die Schweden waren Investor der ersten Stunde, lange Zeit größter Aktionär und auch regelmäßiger Co-Investor bei Deals von Rocket Internet. Nun hat Kinnevik seine Restbeteiligung von 6,6 Prozent zu einem Kurs von 20 Euro komplett verkauft. Die Papiere gingen an verschiedene institutionelle Investoren.

Kinnevik hatte schon Ende Februar ebenfalls 6,6 Prozent der Rocket-Aktien verkauft und damals einen schweren Kurssturz ausgelöst. Anders als im Februar kam die jetzige Platzierung aber nicht unerwartet. Die Lock-up-Frist von 90 Tagen war vor wenigen Tagen abgelaufen, und Kinnevik hatte schon im Februar deutlich gemacht, dass das Ziel der Komplettrückzug sei. Schon im Mai vergangenen Jahres hatte Kinnevik seine Vertreter aus dem Aufsichtsrat von Rocket Internet abgezogen. 

Rocket Internet wurde Kinnevik zu ähnlich

Diesmal reagiert die Rocket-Aktie nicht so stark wie im Februar. Rauschte das Papier nach der damaligen Kinnevik-Platzierung noch um fast 10 Prozent nach unten, gab es gestern im späten Handel einen Rücksetzer um rund 4 Prozent. Am heutigen Donnerstagvormittag erholt sich die Rocket-Aktie leicht und notiert aktuell bei rund 20,50 Euro.

Als Begründung für den Rückzug aus dem Berliner Venture-Investor hatte Kinnevik schon früher erklärt, dass sich die Geschäftsmodelle beider Häuser zusehends ähneln würden, seitdem Rocket nicht mehr in erster Linie selbst Start-ups aufbaut, sondern auch in etablierte Wachstumsunternehmen investiert.

IPO-Pläne von Delivery Hero bescheren Kinnevik Extra-Millionen

Ausgerechnet diese Strategie von Rocket-Chef Oliver Samwer hat Kinnevik nun aber einen vergleichsweise hohen Exit-Erlös beschert. Die Pläne der Rocket-Beteiligung Delivery Hero, an die Börse zu gehen, haben der Rocket-Aktie in den vergangenen Wochen viel Rückenwind verliehen. So erholte sich die Aktie deutlich von ihrem Tiefstkurs, den sie im April bei unter 16 Euro markiert hatte.

Rocket Internet hat Delivery Hero nicht selbst aufgebaut, sondern im Februar 2015 für 496 Millionen Euro einen 30-Prozent- Anteil erworben, den die Berliner inzwischen auf rund 35 Prozent ausgebaut haben, unter anderem indem sie ihre Beteiligung an Foodpanda in Delivery Hero einbrachten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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