Der chinesische Industrieriese SGGC will zu 20 Prozent bei dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz einsteigen.

50Hertz Transmission

09.02.18
Deals

Chinesen steigen bei 50Hertz ein

Der chinesische Industriegigant SGCC will sich offenbar mit 20 Prozent beim Berliner Netzbetreiber 50Hertz einkaufen. CFO Marco Nix muss sich auf einen neuen großen Anteilseigner einstellen.

Ein chinesischer Industrieriese kauft sich ins deutsche Stromnetz ein. Die State Grid Corporation of China (SGCC) will offenbar bei dem Berliner Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz einsteigen, so berichtet das „Handelsblatt“.

50Hertz gehört momentan zu 60 Prozent dem belgischen Übertragungsnetzbetreiber Elia, der Rest liegt in den Händen des australischen Infrastrukturfonds IFM Investors. IFM will nun offenbar die Hälfte seines Anteils an SGCC verkaufen. Ein Sprecher von IFM hat die M&A-Gespräche gegenüber FINANCE bestätigt. 50Hertz wollte zu dem Thema keine Stellungnahme abgeben.

Das „Handelsblatt“ zitiert Verhandlungskreise, denen zufolge Mehrheitseigner Elia bis Ende März eine Vorkaufsrechtoption ziehen kann. Sollten die Belgier davon nicht Gebrauch machen, wäre der Weg für SGCC frei. Der M&A-Deal könnte noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Ein Kaufpreis für das 20-Prozent-Paket ist nicht bekannt.

50Hertz ist in Hamburg und im Osten aktiv

50Hertz ist einer der vier großen aktiven Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und spielt damit eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Energiewende. Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber ist es, den regional produzierten Strom über „Stromautobahnen“ in andere Regionen Deutschlands zu verteilen. Die Berliner sind besonders auf den Osten und Hamburg fokussiert. Der Umsatz lag zuletzt bei 1,3 Milliarden Euro. 50Hertz wird von der Ratingagentur Moody’s mit Baa1 im Investmentgrade bewertet.

Mit SGCC könnte nun ein wahrer Industriegigant Anteilseigner der Hauptstädter werden. Die Chinesen setzen pro Jahr deutlich mehr als 250 Milliarden Euro um und gehören somit zu den größten Konzernen der Welt. Das Unternehmen ist für einen Großteil des chinesischen Stromnetzes verantwortlich.

SGCC will sich Know-how von 50Hertz sichern

Der Einstieg von SGCC dürfte strategischer Natur zu sein. Die chinesische Regierung will sich Know-how in der Energietechnik aus dem Ausland sichern, betrachtet das Feld als strategisch wichtig. 50Hertz leistet in dem Bereich gemeinsam mit den Konkurrenten Tennet, Amprion und TransnetBW Pionierarbeit. Entsprechend wertvoll ist das Wissen für chinesische Konzerne.

50Hertz scheint dem neuen Partner aus Fernost nicht abgeneigt zu sein. Die Berliner hätten in den vergangenen acht Jahren viel Unterstützung von den Eignern Elia und IFM erhalten, man möchte den Weg „auch mit einem erweiterten Gesellschafterkreis“ fortsetzen, zitiert das „Handelsblatt“ 50-Hertz-CEO Boris Schucht.

CFO Marco Nix will rund 4 Milliarden Euro investieren

FINANCE-Köpfe

Marco Nix, 50Hertz Transmission GmbH

Nach seinem Studium an der Berliner Humboldt-Universität beginnt Marco Nix seine Karriere 2001 im Vorstandsbüro bei dem Berliner Energieversorger Bewag. Über Stationen im Risikomanagement und Rechnungswesen bei Vattenfall Europe übernimmt er im April 2009 die Leitung des Controllings des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz. Seit April 2014 ist er Finanzchef der Elia Grid International, einem gemeinsamen Beratungsunternehmen des belgischen Übertragungsnetzbetreibers Elia und 50Hertz. Im Juli 2015 wird Marco Nix zum CFO von 50Hertz berufen.

zum Profil

50Hertz-CFO Marco Nix muss sich nun wohl auf einen neuen Anteilseigner einstellen. Der gebürtige Berliner ist seit 2015 CFO des Unternehmens. Er verantwortet dabei vor allem das großangelegte Investitionsprogramm, das dem Ausbau des Stromnetzes dient. 50Hertz will von 2017 bis 2021 rund 4 Milliarden Euro hierfür ausgeben.

Zur Finanzierung zapft Finanzchef Nix im Schnitt einmal im Jahr den Kapitalmarkt an. Das soll sich auch in naher Zukunft nicht ändern: „Wir gehen davon aus, dass die künftigen Investitionen in etwa zu 60 Prozent über Fremdkapital finanziert werden“, sagte er im November im Interview mit FINANCE-TV. Zuletzt waren für 50Hertz klassische Anleihen das Mittel der Wahl.

Chinesen kaufen sich bei deutschen Konzernen ein

Ein Fall wie SGCC und 50Hertz ist nicht selten. Immer wieder haben chinesische Konzerne in den vergangenen Monaten versucht, sich bei deutschen Industriegrößen einzukaufen. So gehört der Roboterbauer Kuka seit kurzem zum chinesischen Midea-Konzern. Die gescheiterte Übernahme des Spezialmaschinenbauers Aixtron durch den Investor Fujian erregte ebenso Aufsehen wie der letztlich geglückte Verkauf der früheren Osram-Sparte Ledvance an ein Bieterkonsortium aus Fernost.

Die Bundesregierung sah den vermehrten Einstieg chinesischer Investoren zuletzt kritischer und erschwerte Direktinvestitionen deutlich. Bei 50Hertz und SGCC soll dies aber kein Problem sein, da die Chinesen weniger als 25 Prozent der Anteile kaufen wollen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

50Hertz-CFO Marco Nix ist Berliner und interessierte sich für Sport und Geschichte. Erfahren Sie mehr über ihn und seine Karriere auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Marco Nix.