M&A-Deals: SGL Carbon zahlt beim Verkauf von Hitco ordentlich drauf.

SGL Carbon

24.07.15
Deals

M&A-Deals: Axel Springer, SGL Carbon, Osram

Axel Springer bekommt doch nicht den Zuschlag für die Financial Times, SGL Carbon verkauft seine defizitäre Tochter Hitco und Osram hat in China einen Interessenten für sein Lampengeschäft gefunden. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

SGL Carbon verkauft Hitco nach Kanada

Das Management des Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon um CEO Jürgen Köhler und CFO Michael Majerus stellt derzeit jeden Geschäftsbereich auf den Prüfstand. Die seit langem defizitäre Tochter Hitco wird nun an die kanadische Avcorp Industries verkauft. Nicht Teil des Deals ist laut eines Unternehmenssprechers hingegen das derzeit noch profitable Materialgeschäft von Hitco. Allerdings zahlt SGL Carbon drauf, um Hitco loszuwerden: Umgerechnet zahlt SGL Carbon rund 40 Millionen Euro (47 Millionen US-Dollar), die hauptsächlich an Avcorp Industries fließen dürften. Das Closing soll spätestens am 16. Oktober erfolgen, der Deal bedarf noch der Zustimmung der Behörden.

DBAG steigt bei Familienunternehmen ein

Die Deutsche Beteiligungs AG setzt ihre Einkaufstour fort. Nachdem sie zuletzt einige große Buy-outs wie den der Gießerei Siblitz strukturiert hat, kauft die DBAG mit ihren Wachstumskapitalfonds nun Minderheitsbeteiligungen an zwei Familienunternehmen. Der DBAG Expansion Capital Fund steigt mit 40 Prozent bei Novopress, einem Werkzeughersteller, ein. Außerdem stocken die DBAG und der Fonds ihre Anteile an dem Textilhändler JCK Holding um insgesamt 12,4 Prozent auf. Verkäufer beider Beteiligungen ist der niederländische Vermögensverwalter Alpinvest Partners. Insgesamt werden 23,3 Millionen Euro investiert, wovon 11,1 Millionen auf die DBAG entfallen, wie das Unternehmen mitteilte.

Financial Times: Axel Springer geht leer aus

Axel Springer kauft doch nicht die Financial Times – Käufer ist der japanische Medienkonzern Nikkei. Der britische Verlag Pearson verkauft die Traditionszeitung für 1,2 Milliarden Euro an Nikkei, wie Pearson bekannt gab. Zuvor hatte Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, dass Bloomberg, Thomson Reuters und Axel Springer zu den Hauptinteressenten zählen – Springer hätte sogar schon ein konkretes Angebot ausgearbeitet, hieß es. Springer ist derzeit Gegenstand mehrerer M&A-Gerüchte: Vor wenigen Wochen erst wurde spekuliert, dass der Konzern eine Fusion mit ProSiebenSat1 eingehen könnte. Im Mai hieß es außerdem, Axel Springer hätte Interesse an der Huffington Post. 

Deutsche Autobauer gewinnen Poker um Nokia-Kartendienst Here

Die deutschen Autobauer Daimler, BMW und Audi haben im Poker um den Nokia-Kartendienst Here gesiegt. Sie erhielten für rund 2,5 Milliarden Euro den Zuschlag, wie das Manager Magazin berichtete. Damit liegt der Kaufpreis weit niedriger als ursprünglich von Nokia erwartet. Bislang seien bis zu 4 Milliarden Euro im Gespräch gewesen. Allerdings hätten sich alle anderen Bieter aus dem Bieterkampf zurückgezogen, berichtet das Manager Magazin unter Berufung auf Verhandlungskreise. Der PE-Investor General Atlantic, der in den Verhandlungen auf der Seite der deutschen Autokonzerne stand, wird sich vorerst nicht beteiligen. Ein späterer Einstieg sei jedoch möglich, gleiches gelte auch für andere Autobauer.

Volkswagen findet Käufer für Leaseplan

Dem Autokonzern Volkswagen und Fleet Investments ist in einem neuen Anlauf der Verkauf des Leasinganbieters Leaseplan gelungen. VW und Fleet Investments, eine Investmentgesellschaft des Bankiers Friedrich von Metzler, halten über das Joint Venture Global Mobility Holding je 50 Prozent der Leaseplan-Anteile. Volkswagen und Fleet Investments erzielen bei dem Leaseplan-Deal einen Wert von 3,7 Milliarden Euro, was laut Reuters deutlich über den bisherigen Erwartungen liege. Das niederländische Unternehmen Leaseplan, bei dem die Wolfsburger vor elf Jahren einstiegen, geht nun an ein Investorenkonsortium, zu dem zwei Pensionsfonds, der Staatsfonds von Abu Dhabi, Goldman Sachs und der Finanzinvestor TDR Capital gehören, wie Leaseplan mitteilte. Mit dem Verkauf ist die Bank Rothschild beauftragt.

Chinesischer Konkurrent hat Interesse an Kerngeschäft von Osram

Osram hat einen Interessenten für sein ungeliebtes Lampengeschäft: Der chinesische Lampenhersteller Feilo Acoustics hat ein Gebot für den Geschäftsbereich abgegeben. Dies erklärte Feilo in einem Schreiben, das an der Börse Shanghai veröffentlicht wurde. Der Shanghaier Konzern Feilo bezieht sich auf Osrams Pläne, das Geschäft mit Glühbirnen und LEDs in ein eigenständiges Tochterunternehmen auszulagern. Allerdings betonte ein Osram-Sprecher gegenüber FINANCE, dass noch kein Verkaufsprozess eingeleitet worden sei.

M&A-Personalien

Der auf den europäischen Mid-Market spezialisierte PE-Investor Silverfleet hat sein Münchener Büro ausgebaut. Klaus Maurer und Falko Westphalen sind zu Principals befördert worden. Maurer ist seit 2009 bei Silverfleet angestellt, Westphalen kam ein Jahr später zu dem PE-Haus. Die beiden sollen sich künftig darauf konzentrieren, aus dem 850 Millionen Euro schweren Fonds „Silverfleet II“ zu investieren,  so Neil McDougall, Managing Partner in London.

Weitere M&A-Deals

Rund ein halbes Jahr nach der Übernahme von 67 Filialen des Medienhändlers Weltbild ist der Käufer pleite, berichtet die dpa unter Berufung auf einen Sprecher des Landgerichts Münster. Am Mittwoch wurde das Insolvenzverfahren für die Buchhandelskette Lesensart aus Ahaus eröffnet. Das Amtsgericht Münster bestellte den Betriebswirt Ulrich Zerrath aus Recklinghausen zum Insolvenzverwalter. Die Augsburger Weltbild-Zentrale hatte die Buchhandlungen mit 400 Beschäftigten im Oktober 2014 an die Lesensart GmbH des Unternehmers Rüdiger Wenk verkauft.

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 will offenbar bei der Scout24-Gruppe einsteigen, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Bankenkreise berichtete. Der Konzern befinde sich in Gesprächen mit dem amerikanischen Finanzinvestor Hellman & Friedman. Für ProSiebenSat.1 gebe es zwei Möglichkeiten, sich an Scout24 zu beteiligen: Entweder übernehme der Konzern die Anteilsmehrheit, oder aber ProSiebenSat.1 begnüge sich mit einer Minderheitsbeteiligung. In diesem Fall würde sich  der TV-Konzern allerdings garantieren lassen, dass Scout24 im Oktober an die Börse geht, so das Handelsblatt.

Die Lock-up-Frist bei dem seit Januar börsennotierten Kabelkonzern Tele Columbus ist zu Ende. Der TV-Anbieter könnte nun zum Übernahmekandidaten werden. Neben ausländischen Kabelnetzbetreibern könnten auch Kabel Deutschland oder Liberty Global Interesse haben. Zu haben sind Papiere, die Aktionäre im Zuge des IPO im Januar bevorteilt zugeteilt wurden. Es könnten bis zu 45 Prozent der Aktien auf den Markt kommen, bestätigte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage.

Der amerikanische PE-Investor Cerberus plant anscheinend den Verkauf eines großen deutschen Immobilienportfolios. Dies berichtete Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Ein Verkauf der betreffenden Großhandelsmärkte könne Cerberus bis zu 1 Milliarde Euro (1,1 Milliarden US-Dollar) einbringen. Die UBS soll demnach den Auftrag haben, einen Käufer zu finden.

Der Finanzinvestor KKR übernimmt von dem niederländischen Investor Reggeborgh eine Mehrheitsbeteiligung an dem Glasfasernetzbetreiber Deutsche Glasfaser. Das Unternehmen soll in den kommenden Jahren rund 450 Millionen Euro in den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur investieren.

Die Otto Group verkauft ihren Geschäftsbereich für Bürobedarf, Otto Office, an die Hans R. Schmid Holding mit Sitz in Offenburg, zu der der Bürohändler Printus gehört. Otto wurde bei dem Verkauf durch die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Der kanadische Düngemittelkonzern Potash lässt nicht locker bei K+S. Allerdings sei laut Reuters auch das zweite Angebot aus Sicht des Kasseler Unternehmens nicht zufriedenstellend. Potash hatte 41 Euro je Aktie geboten, der Wert des Deals betrüge rund 7,9 Milliarden Euro. Der Potash-Vorstand habe sich mit Vertretern der hessischen Landesregierung getroffen, die anschließend erneut an das Management von K+S herangetreten sei. Allerdings setze sich die Regierung nach wie vor für einen Erhalt der deutschen Standorte ein.

Der Handelskonzern Metro hat laut Reuters über seine Tochter Metro Properties Anteile an zehn Real-Supermärkten in Höhe von 60 Prozent an den Berliner Immobilieninvestor Carlton Investment verkauft.

Der amerikanische Investor Northwestern Energy übernimmt für 143 Millionen US-Dollar (rund 130 Millionen Euro) ein Windkraftprojekt in South Dakota von dem deutschen Windenergieunternehmen Baywa r.e. Der Deal muss noch von den US-Behörden genehmigt werden.

Der PE-Investor Aurelius übernimmt die auf kosmetische Chirurgie spezialisierte Klinikgruppe Transform Medical Group. Das Unternehmen betreibt 27 Kliniken und zwei Spezialkliniken in Großbritannien.

Der Ökostromanbieter Lichtblick übernimmt die Stromsparte von Tchibo, wie die Welt berichtet. Das Energiegeschäft von Tchibo sei profitabel, gehöre jedoch nicht zum Kerngeschäft. Nach eigenen Angaben hat der Ökoanbieter rund 630.000 Kunden und erzielte im vergangenen Jahr Umsätze von rund 680 Millionen Euro.

Die Raiffeisen Bank International legt laut einem Bericht der Agentur Reuters den Verkauf ihrer polnischen Tochter Polbank auf Eis. Grund seien drohende staatliche Maßnahmen im Zusammenhang mit Krediten in Schweizer Franken, die das Tochterunternehmen vergeben hatte.

Der Commerzbank ist laut dpa der Verkauf ihrer Schiffstochter HSAM gelungen, die 18 Schiffe hält. Für rund 255 Millionen US-Dollar (233 Millionen Euro) übernimmt ein Konsortium aus dem amerikanischen Finanzinvestor KKR und dem britischen Schiffsunternehmen Borealis die Schiffe. Die Commerzbank verbucht aus dem Deal einen Verlust von rund 40 Millionen Euro für das zweite Quartal.

Der Hubschrauberhersteller Sikorsky wird von dem Rüstungskonzern Lockheed Martin übernommen. Auch dem Airbus-Konzern wurde ursprünglich Interesse an Sikorsky nachgesagt. Verkäufer ist United Technologies. Der Kaufpreis beträgt 9 Milliarden US-Dollar, nach Steuervorteilen aus dem M&A-Deal liege der Preis bei rund 7,1 Milliarden US-Dollar, wie Lockheed mitteilte.

Die Omega Pharma Invest und ihr Mutterunternehmen Perrigo, ein irischer Pharmakonzern, haben 100 Prozent der Anteile an dem Nahrungsmittelhersteller Naturwohl Pharma erworben. Omega Pharma wurde bei dem Deal durch die Kanzlei DLA Piper unter Federführung von Florian Hirschmann beraten.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.