Das Kartellamt spricht sich gegen einen großen M&A-Deal in der Müllbranche aus.

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18.04.19
Deals

M&A-Deals: Grüner Punkt, Commerzbank, Uniper

Die Übernahme der Recycling-Marke Grüner Punkt durch Remondis steht auf der Kippe, die ING interessiert sich für die Commerzbank und Uniper beugt sich dem Druck von Elliott. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

HIG und Bluebay bleiben auf Grünem Punkt sitzen

Der geplante Verkauf des Unternehmens Duales System Deutschland (DSD) durch die beiden Finanzinvestoren HIG und Bluebay droht zu scheitern: Das Bundeskartellamt legte am Montag ein vorläufiges Veto für die Übernahme durch den Müllentsorger Remondis ein.

Die Kartellbehörden befürchten, dass durch die Übernahme der Wettbewerb bei den dualen Systemen in Deutschland behindert würde. Remondis sei das mit Abstand größte deutsche Entsorgungsunternehmen. Die FINANE-Leser zeigten sich in einer Online-Umfrage skeptisch, ob der Deal nun noch zu retten sei. Remondis und die beiden Private-Equity-Investoren haben nun zwei Wochen Zeit, um zu dem Entscheidungsentwurf Stellung zu beziehen.

ING angeblich an Commerzbank interessiert

Die niederländische Bank ING ist einem Medienbericht zufolge an einer Übernahme der Commerzbank interessiert. ING-Chef Ralph Hamers soll dem „Manager Magazin“ zufolge bei der Bundesregierung und Commerzbank-Chef Martin Zielke angeklopft und Interesse an Gesprächen signalisiert haben. Beide Banken wollten dies nicht kommentieren.

Die Commerzbank befindet sich derzeit in Gesprächen mit der Deutschen Bank über eine mögliche Fusion. Die ING ist nicht die erste Auslandsbank, der Interesse an der Commerzbank nachgesagt wird. Auch die Unicredit soll angeblich bereit stehen, falls die Verhandlungen mit der Deutschen Bank platzen sollten.

Uniper gibt dem Druck von Elliott nach

Uniper beugt sich dem Druck seines aktivistischen Investors Elliott und erwägt eine Übernahme durch seinen finnischen Großaktionär Fortum: Wie der Energiekonzern mitteilte, soll in der ordentlichen Hauptversammlung Ende Mai darüber abgestimmt werden, ob Fortum mittels eines Beherrschungsvertrages die Kontrolle bei Uniper übernehmen soll.

Elliott hatte diesen Schritt im März gefordert. Bislang verhindert eine Regelung in Russland die Übernahme durch die Finnen, die daher nur knapp die Hälfte an Uniper halten. Bereits im März gab es vorsichtige Zeichen der Annäherung. Zuvor hatte das Uniper-Management um CEO Klaus Schäfer und CFO Christopher Delbrück das Handgeworfen. Der Finanzchef heuerte daraufhin bei einem Start-up an.

Finanzinvestoren zweifeln angeblich bei Osram-Deal

Die Übernahme des Lichtkonzerns Osram könnte auf der Kippe stehen. Laut „Manager Magazin“ hätten die Private-Equity-Investoren Bain Capital und Carlyle Zweifel gepackt und  sie hätten das Interesse verloren. Osram hingegen dementierte die Gerüchte und sagte, dass die Gespräche weiter andauern würden.

Seitdem die Investoren ihr Interesse an dem Lichtkonzern bekundet haben, haben sich die Aussichten eingetrübt. Osram musste erst Ende März seine Gewinnprognosen anpassen. Die Aktie reagierte empfindlich auf die Meldung, dass der Deal wackelt, und fiel um 6 Prozent auf 31 Euro, legte nach dem Dementi aber wieder etwas zu.

Weitere Meldungen

Die Deutsche Bahn will sich einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge von ihrer Nahverkehrstochter Arriva trennen. Dem Bericht zufolge prüft der Vorstand zwar auch einen Börsengang, soll aber einen Verkauf an Investoren bevorzugen. 

Der Gebäudeausrüster Elvion übernimmt das Automatisierungsunternehmen Hermos. Das gaben beide Unternehmen bekannt. Hauptgesellschafter von Elvion ist das tschechische Energieversorgungsunternehmen CEZ. Hermos wurde beim Verkauf von der Hypovereinsbank beraten. 

Der Kreditversicherer Coface übernimmt den slowenischen Wettbewerber SID-PKZ. Das gaben beide Unternehmen bekannt. PKZ wurde 2005 von der SID Bank gegründet und verbuchte nach eigener Aussage im vergangenen Jahr Bruttoprämien von 14,3 Millionen Euro.

Das japanische Pharmaunternehmen Maruho will seine Beteiligung am deutschen Biotech-Unternehmen Biofrontera von 20,3 auf 29,33 Prozent aufstocken und hat dafür ein freiwilliges öffentliches Teilerwerbsangebot veröffentlicht. Die Japaner bieten 6,60 Euro je Aktie, was einer Prämie von 16,61 Prozent auf den XETRA-Schlusskurs vor Ankündigung des Angebots Anfang April entspreche.

Bei dem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot des deutschen Online-Lotterievermittlers Lotto24 durch Zeal Network haben rund 91,8 Prozent der Lotto24-Aktionäre ihre Aktien angedient. Wie das britische Online-Lotterieunternehmen mitteilte, endete die reguläre Annahmefrist der Offerte am 10. April.

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus prüft wertsteigernde Optionen für den Glasfaserausbau in Deutschland und erwägt dabei auch den Einstieg eines Investors. Das teilten die Berliner als Reaktion auf jüngste Medienspekulationen mit. Tele Columbus betont, dass es keine Gewissheit für das Zustandekommen einer Transaktion gäbe.

Der Schweizer Versicherungskonzern Baloise kauft den belgischen Wettbewerber Fidea von der chinesischen Anbang Insurance Group. Der Kaufpreis beträgt 480 Millionen Euro. Dies gaben die Baseler in einer Pressemitteilung bekannt. Fidea erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2018 ein Prämienvolumen von umgerechnet 351,6 Millionen Schweizer Franken.

Die Baader Bank verringert ihre Beteiligung am Frankfurter Asset Manager Conservative Concept Portfolio Management (CCPM) von rund 66 auf 20 Prozent. Eigenen Angaben zufolge gehöre dieser Schritt zur planmäßigen Konsolidierung des Gesamtkonzerns. Neuer Hauptanteilseigner wird die Leverkusener LeanVal Invest. Die Baader Bank hielt seit 2005 die Mehrheit an CCPM.

Die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet hat ihre Anteile am Möbelhändler Westwing von etwa 22 Prozent auf rund 18 Prozent reduziert. Käufer ist die US-amerikanische Investmentberatung Ruane, Cunniff & Goldfarb, die nun mit fast 5 Prozent an Westwing beteiligt ist. Im Oktober 2018 brachte Rocket Internet den Möbelhändler an die Börse, woraufhin die Westwing-Aktien kurzfristig einen zweistelligen Kursverlust erlitten.

Das Hochheimer Unternehmen Technogroup IT-Service, ein IT-Dienstleister für Hard- und Software in Rechenzentren, übernimmt den polnischen IT-Wartungsanbieter CPU Service. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. CPU Service wurde 1991 gegründet und hat seinen Sitz in Warschau. Die beiden Unternehmen führen eine langjährige Partnerschaft.

Der Oberhausener Software-Entwickler Access Europe übernimmt Net Range MMH, einen Anbieter von Cloud-basierten Infotainment-Lösungen für vernetzte Autos und Smart-TVs mit Sitz in Hamburg. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Das Management von Net Range werde weiterhin das Geschäft führen. Net Range wurde bei dem Verkauf von der Beratungsgesellschaft Clipperton unterstützt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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