Erst von der Konzernmutter an die Börse gebracht, jetzt komplett verkauft: Sixt Leasing.

Sixt Leasing

21.02.20
Deals

M&A-Deals: Sixt, ThyssenKrupp, Dialog Semiconductor

Sixt will sich von seiner Leasing-Tochter trennen, ThyssenKrupp verhandelt beim Verkauf der Aufzugsparte nur noch mit Finanzinvestoren, und Dialog Semiconductor kauft in den USA zu. Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Sixt will seine Leasing-Tochter verkaufen

Sixt will sich von seinen Anteilen an seiner Leasinggesellschaft trennen: Der Autovermieter aus Pullach verhandelt mit der Hyundai Capital Bank Europe über einen Verkauf der 41,9-prozentigen Beteiligung an der ebenfalls börsennotierten Sixt Leasing, wie beide Sixt-Unternehmen mitteilten.

Hyundai Capital Bank Europe ist ein Joint Venture der Santander Consumer Bank und der Hyundai Capital Services. Der vorgesehene Preis betrage 18,00 Euro je Aktie zuzüglich der Dividende für das Geschäftsjahr 2019. Sixt würden dadurch rund 160 Millionen Euro zufließen. Das komplette Eigenkapital von Sixt Leasing wird bei dem Deal mit 371 Millionen Euro bewertet. Inklusive rund 1 Milliarde Euro an Nettofinanzschulden läge das Ebitda-Multiple bei 5,8. Hyundai Capital Bank erwäge zudem ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot, eine finale Entscheidung darüber sei jedoch noch nicht getroffen worden.

Zwei Finanzkonsortien buhlen um TK-Elevator

ThyssenKrupp hat die finale Runde im Bieterwettstreit um die Aufzugssparte eingeläutet: Wie der Stahlkonzern mitteilte, konkurrieren auf der Zielgeraden nur noch zwei Private-Equity-Konsortien um die Übernahme von ThyssenKrupp-Elevator. Dabei bilden die Finanzinvestoren Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board das eine Konsortium. Das andere besteht aus dem Private-Equity-Duo Advent und Cinven. Damit ist Kone aus den Verhandlungen ausgeschieden, wie der finnische Aufzugskonzern kurz darauf selbst bekanntgab.

Die Essener streben eigenen Aussagen zufolge nun an, „kurzfristig eine Einigung über einen Mehrheits- oder Vollverkauf zu erzielen“. Sofern sich ThyssenKrupp nicht mit den beiden übrigen Bieterkonsortien einigen könne, sei der Börsengang der Aufzugssparte weiterhin eine alternative Option. Dieser sei ab dem Frühsommer möglich.

Dialog Semiconductor übernimmt Adesto Technologies

Der Halbleiterkonzern Dialog Semiconductor drängt in den Markt für das Industrielle Internet der Dinge (IIoT). Dafür übernimmt das in London ansässige aber an der Frankfurter Börse gelistete Unternehmen den US-Anbieter Adesto Technologies aus Kalifornien.

Der Kaufpreis für Adesto liegt Dialog Semiconductor zufolge bei 12,55 US-Dollar je Aktie, was einem Kaufpreis von rund 500 Millionen Dollar entspreche. Diesen will das Unternehmen in bar aus eigenen Mitteln finanzieren. Dialog Semiconductor erhofft sich von dem Deal jährliche Kostensynergien von rund 20 Millionen Dollar. Das Adesto-Management empfiehlt seinen Aktionären, das Angebot anzunehmen.

Dialog wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hogan Lovells und dem Finanzberater BMO Capital Markets beraten. Adesto erhält rechtlichen Beistand von Fenwick & West.

SCP kündigt Real-Zerschlagung an

Nachdem das Bieterduo X+bricks und SCP vergangene Woche den Zuschlag für die Übernahme der Metro-Tochter Real bekommen hat, gibt es nun offizielle Informationen über den Kauf der Supermarktkette: Wie der luxemburgische Private-Equity-Investor SCP bekannt gab, wird er nach der vollständigen Übernahme von Real Alleineigentümer von 276 Standorten, des Digitalgeschäfts, von 80 Immobilien sowie alle der zu Real zugehörigen Gesellschaften. Zudem sollen alle rund 34.000 Mitarbeiter übernommen werden. Die Real-Gruppe wird dabei mit rund 1 Milliarde Euro bewertet.

Der Supermarktkette steht nun die Zerschlagung bevor: Der Großteil der Real-Märkte soll SCP zufolge an andere Einzelhändler verkauft oder aufgeteilt werden. Lediglich rund 50 Standorte sollen 24 Monate lang unter der Marke Real weitergeführt werden, rund 30 Standorte sollen geschlossen werden. Die Kanzlei Skadden (Federführung: Jan Bauer und Holger Hofmeister) haben die Parteien sowohl beim M&A- als auch dem gesamten kartellrechtlichen Prozess und der steuerlichen Strukturierung und Finanzierung beraten. Metro wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Christof Jäcke und Nicolas Böhm) unterstützt. 

M&A-News

JP Morgan befördert Dirk Albersmeier zum weltweiten M&A-Co-Chef: Der deutsche Topmanager wird künftig zusammen mit seiner Kollegin Anu Aiyengar die globale M&A-Abteilung der US-Bank verantworten. Das geht aus einer internen Mitteilung von JP Morgan hervor, die FINANCE vorliegt. Albersmeier startete 1997 bei JP Morgan, 2005 wurde er Chef des M&A-Geschäfts für Deutschland und Österreich. 2015 übernahm er zusätzlich den Posten des Co-Chefs für Fusionen und Übernahmen in der EMEA-Region. Diese Position wird Albersmeier auch nach dem Aufstieg beibehalten.

André Zentsch hat als Executive Partner bei der Düsseldorfer M&A-Beratung Mayland angeheuert. Er leitete bis 2019 rund 13 Jahre lang das Firmenkundengeschäft der Hypovereinsbank in der Region West. Die Position dort übergab er im vergangenen Sommer an Daniel Dalter, der von der Deutschen Bank zur Hypovereinsbank gewechselt war. Das Netzwerk, das er sich als Firmenkundenbanker aufgebaut hat, soll Zentsch künftig als M&A-Berater für Mayland nutzen. 

Weitere Meldungen

VST Building Technologies hat seine kompletten Anteile an der Tochter VST Engineering verkauft. Der Kaufpreis für die 95 Prozent liegt VST zufolge bei rund 800 Millionen Euro. Käufer sei die nicht zur VST-Gruppe gehörende VST Technolologies GmbH und Siegfried Gassner. 

Die belgische Ipcom-Gruppe hat die Münchener Seidemann-Gruppe übernommen. Die deutschen sind ein Fachhändler für technische Isolierungen. Der ehemalige Gesellschafter Jörg Seidemann soll das Unternehmen weiterhin als Geschäftsführer leiten. Ipcom wurde von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Hermann Ali Hinderer) beraten. 

Die Infusionstochter Fresenius Kabi hat mit Vifor Pharma in China ein Joint Venture gegründet, um dort den Zugang zu lebenswichtigen Blutbehandlungen zu verbessern, wie der Gesundheitskonzern mitteilte. Vifor Pharma sei zu 55 Prozent und Fresenius Kabi zu 45 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Medienkonzern Bertelsmann stockt seine Anteile an der RTL Group, Europas größtem privaten Fernseh- und Radiosenderbetreiber, auf: Wie Bertelsmann-CEO Thomas Rabe in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte, erhöhe man die Anteile an der RTL Group seit einigen Monaten im kleinen Stil. Jedoch hätten die Gütersloher „keine Pläne, die RTL Group komplett zu übernehmen und von der Börse zu nehmen.” Bertelsmann ist derzeit mit rund 75 Prozent an den Luxemburgern beteiligt.

Dermapharm kauft das auf die Allergieforschung spezialisierte Unternehmen Allergopharma vom Darmstädter Spezialchemiekonzern Merck. Die Übernahme wickelt der Grünwalder Hersteller von patentfreien Markenarzneimitteln über seine Investmenttochter Dermapharm Beteiligungs GmbH ab. Die Parteien vereinbarten Stillschweigen über den Kaufpreis. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 erwartet. Das Beratungshaus Ferber & Co. hat Dermapharm bei dem Deal unterstützt.

Der Immobiliendienstleister Ista beteiligt sich mit 25,1 Prozent an Facilioo, einer Digitalplattform für die Immobilienwirtschaft. Mit dem Einstieg in das Berliner Start-up wollen die Essener die Digitalisierung der Immobilienbranche vorantreiben. Über finanzielle Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit Mitte 2019 in Pilotprojekten zusammen.

Media and Games Invest
(MGI) kauft weitere Anteile an Gamigo: Die maltesische Investmentholding erhöht ihre Beteiligung an dem Hamburger Anbieter von kostenlosen Computerspielen von 53 auf 98 Prozent. Der Kaufpreis beträgt 16,5 Millionen Euro in bar. Zudem erhalten die ehemaligen Gamigo-Aktionäre bis zu 18,2 Millionen MGI-Aktien mit einer Lock-up-Periode von 25 Monaten. MGI bewertet das Hamburger Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit dem siebenfachen Ebitda – demnach liege der Kaufpreis für Gamigo bei nur etwa 50 Prozent der Bewertung vergleichbarer Unternehmen. Zudem beabsichtigt MGI auch den Erwerb der restlichen Gamigo-Anteile.

Der Kunststoffhersteller Weber Fibertech übernimmt den Spritzgussspezialisten PME Fluidtec. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. PME Fluidtec soll weiterhin als eigenständiges Unternehmen geführt werden. Zudem seien weitere Investitionen in den Hauptstandort in Ettenheim geplant. Die Verkäuferseite wurde von der Wirtschaftskanzlei Friedrich Graf von Westphalen & Partner (Federführung: Hendrik Thies) und MNI Partners (Federführung: Dominik Lutz) beraten. Weber Fibertech wurde von der Kanzlei Paul Hastings (Federführung: Christopher Wolff und Christian Müller) begleitet.

Die Hörmann Digital Beteiligungs GmbH steigt bei Orbis ein: Die Steinhagener Beteiligungsgesellschaft erwirbt rund 23 Prozent der Anteile an dem im niedersächsischen Oyten ansässigen Softwareunternehmen. Gleichzeitig wurde eine Barkapitalerhöhung vollständig gezeichnet, wodurch sich die Gesamtbeteiligung auf rund 28 Prozent erhöht. Der Transaktion müssen noch die deutschen und österreichischen Kartellbehörden zustimmen. Zudem hat sich die Hörmann Digital Beteiligungs GmbH das Recht gesichert, von dem Orbis-Großaktionär GMV die übrigen von ihm gehaltenen rund 15 Prozent der Anteile zu erwerben. Die Käuferseite wurde von Rödl & Partner (Federführung: Oliver Schmitt) beraten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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