Die Übernahme des deutschen Kabelnetzbetreibers Unitymedia ist noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Unitymedia

14.12.18
Deals

M&A-Deals: Vodafone, Advent, Prevent

Die EU-Kommission prüft die Unitymedia-Übernahme durch Vodafone, Advent ist offenbar nicht mehr unter den NordLB-Interessenten und Prevent will den Verkauf der Neue Halberg Guss abblasen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

EU prüft Übernahme von Unitymedia durch Vodafone

Die milliardenschwere Übernahme von Unitymedia durch den britischen Kabelnetzbetreiber Vodafone könnte wackeln. Wie die EU-Kommission mitteilte, habe sie eine vertiefte Prüfung der geplanten Transaktion eingeleitet. Der Deal könne den Wettbewerb auf dem Markt für Kabelnetzbetreiber gefährden, hieß es in der Begründung der Behörde. Anfang November wurde erstmals bekannt, dass die EU eine intensive Prüfung des Deals einleiten könnte.

Erst 2014 wurde Vodafone durch den Kauf von Kabel Deutschland inklusive der Tochter Kabel BW zum Marktführer auf dem deutschen Markt. Bereits mit der Übernahmeankündigung im Frühjahr 2018 wurden kritische Stimmen laut, die den Deal aus kartellrechtlicher Sicht anzweifelten. Die Kommission hat jetzt 90 Tage für die Prüfung Zeit. 

Advent scheidet aus Bieterverfahren um NordLB aus

Der Finanzinvestor Advent ist offenbar nicht mehr Teil des Bieterverfahrens um die Landesbank NordLB. Wie die FAZ unter Berufung auf namentlich nicht genannte informierte Kreise berichtete, wurde die Verkleinerung des Bieterkreises von vier auf drei Private-Equity-Häuser auf der Trägerversammlung der Bank beschlossen. Demnach beschränke sich der Bieterkreis jetzt auf Cerberus, Apollo und Centerbridge.

Neben einer Übernahme durch einen Finanzinvestor scheint jedoch auch die Idee einer Megalandesbank noch nicht vom Tisch zu sein. NordLB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers sieht darin weiterhin eine Option. Eine abschließende Entscheidung über die Angebote wird der NordLB zufolge bis Anfang 2019 erwartet. 

Prevent will Verkauf von NHG nachträglich abblasen

Der Autozulieferer Prevent will den Verkauf zweier Werke des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) rückgängig machen. Erst Ende November wurden nach monatelanger Suche die Werke in Saarbrücken und Leipzig an ein Investorenkonsortium verkauft. Der bisherige Eigentümer Prevent, hinter dem die bosnisch-deutsche Investorenfamilie Hastor steht, will nun von seinem vertraglichen Rücktrittrecht Gebrauch machen.

Der Autobauer Volkswagen, der NHG-Großkunde ist, erhebt offenbar Anspruch am Vermögen des Zulieferers. Angaben der „Saarbrücker Zeitung“ zufolge konnte sich VW durch einen Pfändungsbeschluss in einem Eilverfahren 50 Millionen Euro aus dem NHG-Verkauf sichern. Prevent zufolge seien wichtige Vertragsvereinbarungen damit nicht mehr erfüllt. Der neue Besitzer von NHG sperrt sich gegen den angekündigten Vertragsrücktritt des bosnischen Autozulieferers. 

Hitachi könnte Stromnetzsparte von ABB übernehmen

Der Schweizer Industriekonzern ABB verhandelt mit dem japanischen Konglomerat Hitachi über den Verkauf seiner Stromnetzsparte. Nach anfänglichen Gerüchten bestätigen beide Konzerne sich in Gesprächen zu befinden. Ein tatsächlicher Verkauf der Sparte sei den Unternehmen zufolge nicht sicher. Der japanischen Zeitung „Nikkei“ zufolge sollen die Verhandlungen jedoch kurz vor dem Abschluss stehen. Die Transaktion könnte einen Wert von über 7 Milliarden US-Dollar haben. Seit 2014 arbeiten die Konzerne im Bereich Stromnetze eng zusammen.

Scout24 bald in Private-Equity-Hand?

Die Online-Anzeigenbörse Scout24 ist offenbar ins Visier mehrere Private-Equity-Investoren geraten. Das berichtet zumindest die „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Aktuell wird Scout24 an der Börse mit 3,9 Milliarden Euro bewertet. Inklusive Schulden ergibt sich somit ein Kaufpreis von über 5 Milliarden Euro. Unter den möglichen Kaufinteressenten soll auch der US-Investor Silver Lake sein. Scout24 äußerte sich bisher nicht zu den M&A-Gerüchten.

Siemens und Alstom wollen EU-Bedenken zerstreuen

Siemens und der französische TGV-Hersteller Alstom wollen die Bedenken der EU-Kommission bei ihrer geplanten Fusion zum zweitgrößten Eisenbahnkonzern der Welt zerstreuen. Dafür seien Zugeständnisse in den Bereichen Signaltechnik sowie Schienenfahrzeuge denkbar, wie Siemens mitteilte. Dabei gehe es um 4 Prozent des Umsatzes des neuen Unternehmens, was etwa einer halben Milliarde Euro entsprechen würde.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtete, handele es sich bei den Zugeständnissen eher um Lizenzvergaben an Konkurrenten und weniger um Verkäufe von Firmenanteilen. Über den bereits vor über einem Jahr angekündigten Deal sollte schon im November entschieden werden, doch die Entscheidung wurde auf Anfang 2019 verschoben

Weitere Meldungen

Der aktivistische Investor Elliott hat offenbar den nächsten deutschen Großkonzern im Visier. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll der Investor bereits vor einem Jahr bei dem Agrar- und Chemiekonzern Bayer eingestiegen sein. Die Agentur beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Über die Höhe der Beteiligung ist nichts bekannt, jedoch muss sie weniger als 3 Prozent betragen, da sie ansonsten meldepflichtig gewesen wäre. Dem Bericht zufolge drängt Elliott, hinter dem der US-Investor Paul Singer steht, das Bayer-Management zur Aufspaltung des Konzerns. 

Laut übereinstimmenden Medienberichten denkt die Deutsche Bahn offenbar über den Verkauf seiner britischen Tochter Arriva und des Logistikkonzerns Schenker nach. Mit dem Verkauf könnten unter anderem kurzfristige Finanzierungslücken des Konzerns überbrückt werden, so die Berichte. Die Bahn wollte die Sachlage auf eine Anfrage von FINANCE nicht kommentieren.

Die Fusion der Carsharing-Unternehmen der beiden Autobauer BMW (DriveNow) und Daimler (Car2Go) verzögert sich. Daimler zufolge würden noch Gespräche mit der US-Wettbewerbsbehörde geführt, weshalb das Joint Venture nicht wie geplant noch dieses Jahr zustande kommt. Stattdessen sei mit der Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Anfang 2019 zu rechnen.

Die Technologieholding Brockhaus Capital Management (BCM) hat mit dem Kauf des Partikelmesstechnik-Spezialisten Palas seinen ersten Deal vollzogen. 2017 hatte sich BCM von einer Private-Equity-Gesellschaft zu einer Industrieholding gewandelt. Palas wurde beim Verkauf an BCM von dem M&A-Beratungshaus IMAP unterstützt. BCM wurde von Invensity (Federführung: Matthias Welge, Stefan Marquart, Daniel Meyn, Oliver-Alex Aderhold) beraten.

Der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall erwägt offenbar den Kauf der deutsch-französischen Rüstungsholding KNDS. Dies berichtete die „Welt am Sonntag“. Alternativ sei für den Vorstand auch ein Kooperationsmodell mit KNDS denkbar. Derzeit gehört KNDS dem Panzerhersteller Kraus-Maffei Wegmann sowie dem französischen staatlichen Rüstungsunternehmen Nexter zu gleichen Teilen.

Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley baut ihren Anteil an dem Hamburger Schienenlogistiker VTG aus. Nach einem freiwilligen Übernahmeangebot an die Aktionäre von VTG, gehören nun 70,63 Prozent der Wertpapiere der Investmentbank. Morgan Stanley hatte in diesem Jahr bereits den 20-prozentigen Anteil des deutschen Unternehmers Klaus-Michael Kühne für 1,5 Milliarden Euro übernommen.

GF Casting Solutions, eine Division des Schweizer Industrieunternehmens Georg Fischer (GF), verkauft im Rahmen eines Management-Buy-outs zwei Eisengießereien in Singen und Mettmann an Fondium. Während der Übergangsphase bleibt GF mit 20 Prozent beteiligt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftete GF 2017 mit knapp 16.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,1 Milliarden Schweizer Franken (etwa 3,6 Milliarden Euro). Baker McKenzie (Federführung: Ingo Strauss, Heiko Gotsche) hat Georg Fischer bei dem Verkauf ihrer Division beraten. Fondium wurde von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO (Federführung: Thorsten Schumacher) unterstützt.

Der Stahlkonzern Salzgitter hat seine Beteiligung am Konkurrenten Aurubis erhöht. Wie das Unternehmen bekannt gab, baute Salzgitter seine Anteile um 5 Prozent auf über 25 Prozent aus. Dabei handle es sich um eine reine Finanzbeteiligung, wie eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Salzgitter war vor zehn Jahren bei Aurubis eingestiegen. In diesem Zeitraum schwankte die Beteiligung zwischen 10 und 20 Prozent. Wie viel der Konzern für die Anteilserhöhung bezahlt, ist nicht bekannt.

ProSiebenSat.1 gründet über seine Sparte 7Sports, in der der Medienkonzern seine E-Sports-Aktivitäten gebündelt hat, ein Joint Venture mit Esports.com. Das teilte das Unternehmen über eine Pressemitteilung mit. Beide Unternehmen würden jeweils mit 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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