Vonovia schlägt erneut im Ausland zu und sichert sich die Mehrheit an dem schwedischen Wettbewerber Victoria Park.

Simon Bierwald/Vonovia

22.06.18
Deals

M&A-Deals: Vonovia, Ceconomy, 50Hertz

Vonovia stemmt die zweite große Übernahme innerhalb weniger Monate, Ceconomy trennt sich von seinem unrentablen Russlandgeschäft und die chinesische SGCC steht offenbar erneut vor einem Einstieg bei 50Hertz. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Vonovia gewinnt Wettbieten um Victoria Park

Der Immobilienkonzern Vonovia übernimmt den schwedischen Konkurrenten Victoria Park. Die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent für das Übernahmeangebot sei überschritten worden. Nach eigenen Angaben kontrolliert das Bochumer Unternehmen nun 58 Prozent der Anteile. Damit sticht Vonovia den US-Wettbewerber Starwood Capital aus, der ebenfalls für Victoria Park geboten hatte.

Anfang Mai hatte Vonovia den Aktionären des schwedischen Konzerns ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet. Damals belief sich der Angebotspreis auf rund 900 Millionen Euro.  Wie viel Vonovia nun tatsächlich bezahlt hat, ist nicht bekannt. Der Immobilienkonzern hat die Annahmefrist für das Übernahmeangebot  zum 3. Juli zu verlängert.

Ceconomy verkauft Russlandgeschäft an M.Video

Der Media-Saturn-Eigentümer Ceconomy hat sich von seinem unrentablen Russlandgeschäft getrennt. Die Safmar-Tochtergesellschaft M.Video, ein Konkurrent von Ceconomy, hat sämtliche russische Filialen übernommen, teilte der Düsseldorfer Konzern in einer Pressemitteilung mit. Im Gegenzug beteiligt sich Ceconomy mit 15 Prozent an M.Video. Der Kaufpreis beträgt 258 Millionen Euro, kann sich je nach Geschäftsentwicklung aber noch um bis zu 86 Millionen Euro reduzieren.

In den vergangenen Jahren litt Ceconomys Russlandlandgeschäft unter erheblichem Umsatz- und Margenrückgang. 2017 leitete das Unternehmen ein Restrukturierungsprogramm ein. Die Ceconomy-Tochter Media-Saturn war seit 2006 in Russland aktiv.

Chinesische SGCC offenbar kurz vor Einstieg bei 50Hertz

Der chinesische Staatskonzern State Grid Corporation of China (SGCC) soll einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge erneut vor einem Einstieg bei dem Berliner Netzbetreiber 50Hertz stehen. SGCC habe bereits einen Kaufvertrag über die 20-Prozent-Beteiligung des australischen Infrastrukturfonds IFM unterschrieben. Aktuell würden seitens der Bundesregierung Überlegungen angestellt, um den Einstieg der Chinesen zu verhindern. 

Der belgische Netzbetreiber und 50Hertz-Mehrheitsaktionär Elia verfügt bei den zum Verkauf stehenden Anteilen noch bis Mitte Juli über ein Vorkaufsrecht, will dieses aber laut dem Bericht nicht ausüben. Deshalb werde auch die Möglichkeit diskutiert, dass Elia die Anteile zwar übernehme, sie aber direkt bei der Förderbank KfW weiterreicht. Bereits bei dem ersten Einstiegsversuch von SGCC Mitte März hatte Elia 20 Prozent der IFM-Anteile übernommen, die zu jenem Zeitpunkt noch 40 Prozent an 50Hertz hielten. 

Münchner Rück offenbar vor Verkauf von MEAG

Der Versicherungskonzern Münchner Rück soll einen Verkauf seines Vermögensverwalters Munich Ergo Asset Management GmbH (MEAG) planen. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insiderinformationen. Demnach befände sich der Versicherer in Gesprächen mit dem US-Fondsmanager Guggenheim Partners über einen möglichen Verkauf.

Dem Bericht zufolge befinden sich die Verhandlungen aber noch in einem frühen Stadium. Im Zuge eines möglichen Verkaufs würde auch über eine Beteiligung von Münchner Rück an Guggenheim diskutiert, heißt es weiter. MEAG verwaltet eigenen Angaben zufolge ein Vermögen von 250 Milliarden Euro.

Lufthansa liebäugelt mit Übernahme von Norwegian

Die Lufthansa ist in den Poker um den norwegischen Billigflieger Norwegian eingestiegen. „Es steht eine weitere Konsolidierungswelle an. Das heißt, dass wir auch mit Norwegian in Kontakt stehen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Ein tatsächliches Übernahmeangebot sei jedoch noch nicht eingereicht worden.

Zuletzt hatten die Norweger bereits zwei Offerten des Lufthansa-Konkurrenten International Airlines Group (AIG) abgelehnt. Zu der Unternehmensgruppe gehören unter anderem British Airways, Vueling und Iberia. IAG-Chef Willie Walsh macht indes im Wochenverlauf deutlich, dass sein Konzern kein Interesse an einem Bieterstreit mit der Lufthansa habe. Er wüsste jedoch auch nichts von einem konkreten Interesse des deutschen Luftfahrtkonzerns. Neben IAG und Lufthansa wird auch dem irischen Billigflieger Ryanair Interesse an Norwegian nachgesagt. 

E.on kurz vor Abschluss des Uniper-Verkaufs

Der Energiekonzern E.on steht kurz vor dem Abschluss des Verkaufs seiner Uniper-Anteile über rund 46,7 Prozent an den finnischen Konkurrenten Fortum. Alle Bedingungen für die Transaktion seien erfüllt, teilte E.on mit. Der Deal soll damit in den kommenden zwei Wochen abgeschlossen werden. Durch den Verkauf werden E.on rund 3,8 Milliarden Euro zufließen.

Vergangene Woche hatte die EU-Kommission den milliardenschweren Verkauf Unipers ohne Auflagen genehmigt. Im September 2017 gab E.on bekannt, sich von seiner Uniper-Beteiligung trennen zu wollen

Weitere Meldungen

Der Immobilienkonzern Vonovia will im Anschluss an die Übernahme des österreichischen Konkurrenten Buwog die übrigen Minderheitsaktionäre des Konzerns mit einer Barabfindung aus dem Unternehmen drängen. Das geht aus einer Mitteilung von Buwog vom Mittwochabend hervor. Vonovia hält bereits 90,7 Prozent der Buwog-Anteile, die sich der Konzern in der 5,2 Milliarden Euro schweren Übernahme gesichert hat. 

Nachdem der Baukonzern Hochtief mit seiner Übernahme des spanischen Mautstraßenbetreibers Abertis erfolgreich war, wollen die Essener nun auch die verbliebenen Anteile der Minderheitsaktionäre von Abertis übernehmen. Wie Hochtief mitteilte, bietet der Konzern 18,36 Euro je Aktie. Die Annahmefrist läuft vom 21. Juni bis mindestens 27. Juli. Im Anschluss soll Abertis von der Börse genommen werden. Hochtief hält bereits 94,4 Prozent der Anteile.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp könnte einen größeren Anteil an dem geplanten Joint-Venture mit dem indischen Wettbewerber Tata erhalten als geplant. Aufgrund der schlechteren Geschäftsentwicklung bei Tata verhandeln die beiden Konzerne nun neu über die Beteiligungshöhen. Der Kapitalanteil des Essener Konzerns könnte dadurch von 50 Prozent auf 55 Prozent erhöht werden.

Der US-Hedgefonds Elliott hat laut eigenen Angaben seine Beteiligung an dem Maschinen- und Anlagenbauer Gea erhöht. Der Fonds des aktivistischen Investors Paul Singer kontrolliere nun etwas mehr als 5 Prozent der Stimmrechte des MDax-Unternehmens. Im Oktober letzten Jahres hatte sich Elliott bereits mit 3 Prozent bei Gea eingekauft.

Das Biotechnologie-Unternehmen Evotec und der französische Pharmakonzern Sanofi haben die Gründung ihres geplanten Joint Ventures besiegelt. Beide Konzerne hätten eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, teilte Evotec mit. Die Verhandlungen liefen bereits seit Anfang März. Der Abschluss der Transaktion ist für die kommenden Wochen geplant, muss jedoch noch von den Aufsichtsbehörden in Frankreich genehmigt werden.

Mefro Wheels, ein Hersteller von Stahlrädern, wird von dem strategischen US-Investor Accuride Corporation gekauft. Nach der Kartellfreigabe durch die EU-Kommission kann der US-Investor die 3.000 Beschäftigten an allen Standorten übernehmen. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Bereits 2016 hatte sich Mefro Wheels in die Verkaufstreuehand der Restrukturierungsberatung Wellensiek (Federführung: Markus Stadler) begeben. Metro Wheels erwirtschaftete eigenen Angaben zufolge zuletzt einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro.

Der Klimaanlagen- und Kühltechnikhersteller Reisner Cooling Energy ist im Zuge seiner Sanierung an eine Tochtergesellschaft der Technotrans verkauft worden. Im Rahmen eines Asset-Deals wurden alle 33 Beschäftigten an das neue Unternehmen, welches unter dem Namen Reisner Cooling Solutions firmiert, übertragen. Der Kühltechnikhersteller hatte im April dieses Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. White & Case (Federführung: Christoph Schulte-Kaubrügger) hat die beiden Unternehmen bei der Transaktion begleitet.

Der Anlagenbauer Gea plant seine französischen Geschäftsteile Westfalia Separator Production France SAS und damit den Produktionsstandort für Standard-Separatoren an den französischen Industriekonzern Altifort zu verkaufen. Die beiden Unternehmen rechnen mit einem Abschluss der Transaktion im dritten Quartal 2018. Sie haben sich vorerst auf eine Übergangsphase von bis zu zwei Jahren geeinigt. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Der Nahrungsmittelkonzern Hochdorf hat sich von der Hochdorf Baltic Milk UAB, einem Milchproteinwerk in Litauen, getrennt. Käufer ist eine litauische Investorengruppe. Der Verkauf erfolgt rückwirkend per Ende Mai 2018. Hochdorf will mit dem Deal den Bereich Dairy Ingredients reorganisieren und stärken. Der Nahrungsmittelkonzern hatte das Milchproteinwerk ab 2010 schrittweise übernommen.

Der Immobilienberater Colliers International Deutschland hat das Maklerunternehmen Engel & Völkers Main-Taunus übernommen. Der Vollzug der Transaktion wird in den kommenden Wochen erwartet und das Unternehmen künftig unter dem Namen Colliers International Residential firmieren. Colliers wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann (Federführung: Andreas F. Bauer) beraten.

Die Investmentgesellschaft Livia Group hat sämtliche Anteile am Kartonproduzenten Smurfit Kappa Baden Board vom irischen Mutterkonzern Smurfit Kappa übernommen. Kappa wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Jens Uhlendorf) beraten. Der Spezialist für Faltschachtelkartons erwirtschaftet eigenen Angaben zufolge jährlich mit 298 Beschäftigten einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

Die Wemas Holding, ein Anbieter von Straßenabsperrtechniken, hat die Gerding Verkehrstechnik erworben. Mit dem Zukauf will Wemas laut eigenen Angaben sein Produktportfolio in der mobilen als auch in der stationären Verkehrssicherung ausweiten. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Das Unternehmen aus Gütersloh ist im Oktober letzten Jahres von den PE-Investoren Gimv und Paragon übernommen worden.

Das Fintech Finastra hat Malauzai, einen Anbieter von Online-Banking für US-amerikanische Community-Banks und Credit Unions, übernommen. Mit dem Zukauf will Finastra seine Digitalisierungsstrategie im Retail Banking und Geschäftskundenbereich weiter vorantreiben. Die M&A-Beratung Krall & Co. hat Malauzai bei der Transaktion begleitet.

Der Versicherungskonzern Gothaer hat seine polnische Tochter Gothaer TU an die Vienna Insurance Group verkauft. Seit der Übernahme 2010 konnte die Gothaer TU ihre Umsätze eigenen Angaben zufolge um 30 Prozent erhöhen. Der Gothaer Konzern will sich mit dem Verkauf stärker auf das Kerngeschäft in Deutschland fokussieren. Das Versicherungsunternehmen wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Christoph Louven und Guido Brockhausen) beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.