Kaum ist die Buwog-Übernahme in trockenen Tüchern, plant Vonovia bereits die nächste große Übernahme auf dem europäischen Immobilienmarkt.

Roland Weihrauch/Vonovia

04.05.18
Deals

M&A-Deals: Vonovia, Telekom, Knauf

Vonovia bastelt erneut an einer großen Übernahme in Europa, T-Mobile US und der US-Konkurrent Sprint schaffen die Fusion nach mehreren Anläufen und Knauf kommt einer Übernahme des US-Gipsherstellers USG einen guten Schritt näher. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Vonovia übertrumpft Starwood Capital bei Victoria Park

Der Immobilienkonzern Vonovia will erneut auf dem M&A-Markt aktiv werden und den schwedischen Konkurrenten Victoria Park übernehmen. Das gaben die Bochumer über eine Pressemitteilung bekannt. Demnach soll sich der Kaufpreis auf rund 900 Millionen Euro belaufen. Damit überbietet Vonovia das Kaufangebot des US-Investors Starwood Capital, der Anfang April ein Angebot über 1 Milliarde Dollar (umgerechnet rund 836 Millionen Euro) vorgelegt hatte. Die Frist für das Vonovia-Angebot soll voraussichtlich am 25. Mai beginnen und bis zum 18. Juni laufen.

Es wäre bereits die dritte größere Übernahme für Vonovia innerhalb eines Jahres und zugleich der Markteintritt in Schweden. Im Frühjahr 2017 kaufte Vonovia den österreichischen Wettbewerber Conwert für 2,9 Milliarden Euro. Anfang 2018 folgte dann die Übernahme von Buwog für insgesamt 5,2 Milliarden Euro.

Telekom gelingt Fusion von T-Mobile US

Ein erster Anlauf scheiterte, doch nun will die Telekom ihre US-Tochter T-Mobile US fünf Monate nach Abbruch der ersten Fusionsverhandlungen erneut mit dem Wettbewerber Sprint fusionieren. Der Dax-Konzern und der japanische Sprint-Hauptgesellschafter Softbank planen, ihre beiden US-Mobilfunktöchter durch einen Aktientausch zusammenzuführen. Das Transaktionsvolumen soll sich auf 150 Milliarden Dollar belaufen, den Barwert der Synergien beziffert die Telekom auf 43 Milliarden Dollar.

Das fusionierte Unternehmen würde sowohl beim Umsatz, als auch bei der Kundenzahl und der Netzabdeckung zu den Marktführern am US-Mobilfunkmarkt zählen. Telekom wird bei der Transaktion von der Kanzlei Allen & Overy (Federführung: Walter Uebelhoer) DLA Piper (Nancy Victory und Michael Senkowski) und Wachtell Lipton Rosen & Katz beraten.

Knauf kommt bei USG-Übernahme voran

Der unterfränkische Baustoffkonzern Knauf ist bei seiner geplanten Milliardenübernahme des US-Gipsherstellers USG einen guten Schritt vorangekommen. Das USG-Management hat sich vor der entscheidenden Hauptversammlung am Montag bereit erklärt, in Gespräche über das Angebot einzutreten. Knauf bietet 42 Dollar je USG-Aktie, der Kaufpreis läge damit bei rund 5,9 Milliarden Dollar (etwa 4,8 Milliarden Euro).

Neben dem größten USG-Anteilseigner, der Investmentfirma Berkshire Hathaway, hinter der der Investor Warren Buffett steht, sowie dem langjährigen USG-Aktionär Shapiro Capital Management, hatten sich in dieser Woche auch die Aktionärsberater Proxy-Advisor ISS und Glass Lewis für Verhandlungen mit Knauf ausgesprochen.

Bayer verkauft milliardenschwere Covestro-Beteiligung

Der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer schließt das Kapitel Covestro fast endgültig ab. Am Donnerstagabend hat Bayer den Verkauf von 29 Millionen Covestro-Aktien eingeleitet und sich somit von seiner restlichen Beteiligung an seiner ehemaligen Tochtergesellschaft getrennt. Insgesamt macht das Aktienpaket einen Anteil von 14,2 Prozent aus. Bayer fließen durch den Verkauf rund 2,2 Milliarden Euro zu. Der Konzern halte nun noch 6,8 Prozent, um eine Unternehmensanleihe zu bedienen, die 2020 fällig wird. Die Investmentbanken Bank of America Merill Lynch und J P Morgan fungierten bei der Transaktion als Joint Bookrunner.

Bayer hat den Ausstieg bei Covestro stückweise vorangetrieben. Im Januar 2018 verkauften die Leverkusener 10 Prozent ihrer Anteile und sammelten dadurch 1,8 Milliarden Euro ein. Zuvor hatte sich Bayer bereits im Juni 2017 von 8,5 Prozent getrennt und sich damit 1 Milliarde Euro gesichert.

BASF und Solenis fusionieren Wasserchemikaliengeschäft

Der Chemiekonzern BASF und der US-Wettbewerber Solenis planen ihr Geschäft mit Wasser- und Papierchemikalien zusammen zu legen. Wie die BASF am Donnerstag mitteilte, soll das neue Unternehmen unter dem Namen Solenis firmieren und einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro haben. Die BASF wird künftig 49 Prozent an der Sparte halten. Die übrigen 51 Prozent erhalte Solenis, heißt es weiter.

Details zu einem Kaufpreis wurden nicht genannt. Die Konzerne rechnen mit einem Abschluss des Deals bis frühestens Ende 2018.

Starwood Capital verlängert Annahmefrist für CA Immo

Der US-Investor Starwood Capital, der derzeit auch für die schwedische Victoria Park bietet, hat die Annahmefrist für sein laufendes Übernahmeangebot des österreichischen Immobilienkonzerns CA Immo um zwei Wochen verlängert. Demnach haben die Aktionäre von CA Immo nun bis zum 30. Mai Zeit, das Angebot anzunehmen. Starwood Capital will bis zu 25,7 Millionen Aktien von CA Immo zu je 27,50 Euro erwerben. Der US-Investor bietet für einen Anteil von 26 Prozent an dem Immobilienkonzern.

Für das österreichische Unternehmen Immofinanz, für das Starwood Capital ebenfalls eine Offerte vorgelegt hatte, endet die Annahmefrist ebenfalls am 30. Mai.

LG übernimmt Autozulieferer ZKW für 1,1 Milliarden Euro

Der österreichische Automobilzulieferer ZKW wird Teil des südkoreanischen Mischkonzerns LG Corporation und dessen Tochtergesellschaft LG Electronics. Mit einem Kaufpreis von 1,1 Milliarden Euro ist es für LG die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte. ZKW wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Jochen Tyrolt und Christian Cascante) beraten.

ZKW beliefert mit rund 9.000 Mitarbeitern Kunden wie Audi, BMW sowie Porsche und steigerte 2017 seinen Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um knapp 30 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. LG erzielte im Geschäftsjahr 2016 eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 47,9 Milliarden Dollar (39,4 Milliarden Euro).

RWE und E.on wollen Pläne von Macquarie unterbinden

Um die geplante Übernahme von Teilen des tschechischen Innogy-Geschäfts durch die Investmentbank Macquarie zu verhindern, haben RWE und E.on eine Strategie ausgearbeitet. Demnach könnte RWE den Innogy-Anteil am tschechischen Gasnetzbetreiber erwerben und an E.on weiterverkaufen. Die Innogy-Aktionäre haben nun bis zum 6. Juli Zeit, dieses Übernahmeangebot anzunehmen.

Details zur Filetierung des Innogy-Konzerns und den unterschiedlichen Interessen finden Sie in der Titelgeschichte des aktuellen FINANCE-Magazins, das Sie hier als e-Paper beziehen können.

M&A-Personalien

Oliver Meyer wechselt von der Société Générale zu dem M&A-Haus Robert W. Baird. Der 49-Jährige wird laut Unternehmensangaben als Managing Director am Standort Frankfurt für die Investmentbank tätig sein. Meyer hat über 20 Jahre Berufserfahrung im Bereich M&A und war unter anderem für Rothschild tätig. 

Weitere Meldungen

Die Mövenpick-Gruppe veräußert ihr Hotelgeschäft für insgesamt 560 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 467 Millionen Euro) an Accor. Insgesamt beschäftigt Mövenpick Hotels & Ressorts 16.000 Mitarbeiter in 84 Hotels in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und Asien. Die Integration in die französische Gruppe mit 4.300 Hotels in 100 Ländern soll das Wachstum der Sparte weiter beschleunigen. Bis 2021 seien 42 weitere Hotels geplant.

Ex-Rennfahrer Niki Lauda kann seine Airline Laudamotion in drei Jahren komplett an den irischen Billigflieger Ryanair verkaufen. Lauda habe mit Ryanair-Chef Michael O’Leary ausgehandelt, dass er nach Ablauf dieser Frist über eine weitere Zusammenarbeit mit den Iren entscheiden kann, bestätigte Lauda gegenüber dem Onlineportal „Austrian Aviation Net“. Ryanair hatte sich Mitte März bei Laudamotion mit 25 Prozent eingekauft, strebt jedoch eine Mehrheit von 75 Prozent an.

Der Leuchtmittelhersteller Osram hat das auf 3D-Gesichtserkennung spezialisierte US-Unternehmen Vixar gekauft. Vixar erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Neben Vixar übernimmt Osram ein weiteres Nischenunternehmen. Der US-Wettbewerber Fluence Bioengineering, ein Produzent von LED-Beleuchtung für Gemüse- und Arzneipflanzenanbau, ist künftig Teil des Konzerns.

Das Private-Equity-Unternehmen EQT hat den Bereich luftgestützte Schulungsdienstleistungen der E.I.S. Aircraft Group zu einem nicht genannten Preis an das britische Forschungs- und Technologieunternehmen Qinetiq Group verkauft. Die E.I.S. Aircraft Group ist seit Februar 2015 im Portfolio des PE-Investors. EQT wurde bei der Transaktion von Ebner Stolz (Federführung: Torsten Jansen) beraten.

Frostkrone Tiefkühlkost, ein Portfoliounternehmen von Emeram Capital Partners, hat den französischen Hersteller von Tiefkühlkost Piz’Wich zu einem nicht genannten Preis erworben. Die französische Investmentgesellschaft Idinvest Partners hat die Private-Debt-Transaktion finanziert.

Der Pharmakonzern Merz hat ein Investment aus seinem 2015 gestarteten Venture-Capital-Programm getätigt und sich an dem US-Unternehmen Cytrellis Biosystems, das sich auf die Forschung im Ästhetikbereich fokussiert hat, beteiligt. Im Rahmen des Programms will das von Merz-CFO Beat Neukom geführte Familienunternehmen in Konzerne des internationalen Ästhetikmarkts investieren.  

Die Bonner Zeitungsdruckerei und die Verlagsanstalt H. Neusser will alle Anteile an der General-Anzeiger Bonn Gruppe an die Rheinische Post Mediengruppe verkaufen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen. Die Rheinische Post Mediengruppe macht eigenen Angaben zufolge jährlich einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Gleiss Lutz (Federführung: Thomas Menke) und Ebner Stolz haben die Bonner Zeitungsdruckerei und die Verlagsanstalt H. Neusser bei der Transaktion beraten.

Der technologiebasierte Finanzdienstleister Hypoport hat Fio Systems, einen Spezialanbieter für Softwarelösungen, gekauft. Der Kaufpreis beläuft sich Unternehmensangaben zufolge auf 71 Millionen Euro und ist aufgeteilt in eine Bar- und eine Aktienkomponente. Fio Systems wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Rainer Herschlein) beraten.

Der Acrylfaserhersteller Thai Acrylic Fibre, der zur indischen Aditya Birla Group gehört, hat das Hamburger Unternehmen Pyrotex Industries gekauft. Proventis Partners und die Kanzlei GvW Graf von Westphalen (Federführung: Ritesh Rajani) haben Pyrotex Industries bei der Transaktion beraten.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat die Mehrheit am britischen Hundefutterhersteller Tails.com übernommen. Der 2014 gegründete Konzern soll als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.