Vonovia steigt beim schwedischen Wettbewerber Hembla ein – für 1,14 Milliarden Euro.

Tim Kramer/Vonovia

27.09.19
Deals

M&A-Deals: Vonovia, Osram, Condor

Vonovia bezahlt für die Expansion in Schweden mehr als 1 Milliarde Euro, Bain Capital sucht sich einen neuen Alliierten, und für Condor hat ein Unternehmer die Hand gehoben: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Vonovia macht Milliardendeal in Schweden

Mit einem Milliardendeal treibt Vonovia die Expansion auf dem schwedischen Markt voran: Der Bochumer Immobilienkonzern übernimmt 61 Prozent an dem schwedischen Wettbewerber Hembla. Der Anteil, den Vonovia von dem US-Finanzinvestor Blackstone erwirbt, entspricht 69 Prozent der Stimmrechte. Blackstone war 2016 bei dem Immobilienunternehmen eingestiegen. Der Kaufpreis, den Vonovia nun zahlt, hat es in sich: Die Bochumer lassen sich den Einstieg bei Hembla 1,14 Milliarden Euro kosten.

Nach der kartellrechtlichen Freigabe, mit der die Bochumer im Oktober oder November rechnen, müssen sie den Hembla-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot für die restlichen Aktien unterbreiten. Die Bochumer wurden bei dem Zukauf von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. Mit der Übernahme von Victoria Park im Juni 2018 hatte der Dax-Konzern den ersten Fuß auf den schwedischen Markt gesetzt. Nun wächst das schwedische Wohnungsportfolio von Vonovia von über 16.000 Wohnungen um weitere 21.000 Wohnungen.

Bain bietet erneut für Osram – mit Advent

Neue Wendung im Bieterkampf um Osram: Die beiden Private-Equity-Investoren Bain und Advent wollen ein gemeinsames Übernahmeangebot für den Münchener Lichtkonzern abgeben. Kurioserweise sind die Übernahmepläne mit Advent nicht die erste Osram-Offerte von Bain: Der US-Finanzinvestor bietet bereits mit Carlyle 35 Euro pro Aktie für den MDax-Konzern, also rund 4 Milliarden Euro.

Das Angebot stieß jedoch auf heftigen Gegenwind. Offenbar war Bains Partner Carlyle aber nicht dazu bereit, das Gebot aufzustocken. Um die Offerte des österreichischen Chipherstellers AMS zu übertreffen, hat sich Bain mit Advent verbündet. AMS bietet 38,50 Euro je Aktie, was einem Kaufpreis von 4,3 Milliarden Euro entspricht.

Advent und Bain haben dem Osram-Vorstand nun ein indikatives Angebot vorgelegt. Ein verbindliches Angebot sowie den genauen Kaufpreis will das Duo „in den nächsten Wochen“ einreichen – allerdings bleibt ihm nicht viel Zeit: Die Frist der beiden laufenden Offerten endet am 1. Oktober. Nur unter der Voraussetzung, dass einer der Bietergruppen das Angebot bis Montag noch einmal anpasst, verlängert sich die Annahmefrist um weitere zwei Wochen.

Unternehmer Wöhrl will bei Condor einsteigen

Kurz nach der Thomas-Cook-Insolvenz und der Bereitstellung eines staatlichen Überbrückungskredits für die deutsche Tochtergesellschaft Condor zeigen Investoren Interesse an einer Condor-Übernahme. Darunter auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Condor brauche als „grundsätzlich gesundes Unternehmen schnell einen neuen Eigentümer, der die Firma selbständig weiterführt“, so Wöhrl. Den Kaufpreis für einen Einstieg bei Condor, sollte es zu einer Beteiligung kommen, will der Unternehmer „mit anderen Investoren aufbringen“.

Ein Einstieg Wöhrls würde zumindest nicht dem Interesse von Condor widersprechen: Als Käufer käme Condor-CEO Ralf Teckentrup zufolge sowohl ein Stratege als auch ein Finanzinvestor in Frage, wie der Vorstandschef gegenüber dem „Handelsblatt“ kommentierte. Als heißer Favorit für eine Übernahme wird aktuell das US-Private-Equity-Haus Indigo gehandelt, das sich mit Airline-Investments auskennt.

Auch Lufthansa und Tui wird Interesse nachgesagt, beide Unternehmen haben sich aber Medienberichten zufolge von einer möglichen Übernahme oder einem Einstieg distanziert. Mit einem Verkauf der „operativ gesunden und profitablen“ Condor, wie Teckentrup das Geschäft beschreibt, versucht das Unternehmen, dem Pleitesog der insolventen Mutter zu entgehen.

Adler Real Estate größter Aktionär von Ado Properties

Die Konsolidierung am Immobilienmarkt schreitet voran: Adler Real Estate wird größter Aktionär des luxemburgischen Konkurrenten Ado Properties. Im Rahmen eines Verschmelzungsvertrags übernimmt das Berliner Immobilienunternehmen für rund 708 Millionen Euro die israelische Ado Group, die der größte Anteilseigner von Ado Properties ist. Die Transaktion hat ein Gesamtvolumen von 970 Millionen Euro und soll im Dezember abgeschlossen werden.

Die Ado Group ist aktuell mit 38 Prozent an Ado Properties beteiligt, muss sich aber vor Transaktionsvollzug noch von rund 5 Prozent trennen. Die restlichen 33 Prozent an Ado Properties gehen dann in den Besitz von Adler über. Den Deal finanziert Adler über einen Akquisitionskredit, der später über verschiedene Instrumente refinanziert werden soll.

Die Investmentbank JP Morgan hat Adler finanziell beraten und fungiert als ausschließlicher Partner für den Finanzierungskredit. Rechtlich wurden die Berliner von Freshfields, Meitar Liquornik Geva Leshem, Arendt & Medernach sowie von Norton Rose Fulbright unterstützt.

Nächster Carve-out bei BASF

Nach dem Exit aus dem Pigmentgeschäft gelingt BASF der nächste Carve-out: Der Chemiekonzern verkauft sein Geschäft mit Ultrafiltrationsmembranen an den US-Konkurrenten DuPont Safety & Construction. Wie der Dax-Konzern mitteilte, übernimmt DuPont neben dem Hauptsitz und dem Produktionsstandort in Greifenberg alle Anteile an der Inge-Gesellschaft, den internationalen Vertrieb sowie bestimmte geistige Eigentumsrechte von BASF.

Als Grund für die Trennung nennen die Ludwigshafener nur „sehr begrenzte“ Synergien mit dem eigenen Geschäft. Den Abschluss der Transaktion erwartet BASF zum Ende des Jahres, zum Kaufpreis machten die Ludwigshafener keine Angaben. Nun steht noch der Verkauf der Bauchemiesparte von BASF an.

Wie heute bekannt wurde, steigt BASF außerdem in den Markt für natürliche Riech- und Geschmacksstoffe ein: Der Chemiekonzern übernimmt das niederländische Biotech-Unternehmen Isobionics, das natürliche Aromainhaltsstoffe herstellt. Zusätzlich gehen die Ludwigshafener eine Kooperation mit dem US-Forschungsinstitut Conagen ein. Transaktionsdetails gaben die Ludwigshafener nicht bekannt.

Weitere Meldungen

ZF Friedrichshafen trennt sich von seinem 20-prozentigen Anteil an Haldex: Der Automobilzulieferer hat 8,9 Millionen Aktien seines schwedischen Wettbewerbers über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren bei institutionellen Investoren platziert. Bei der Platzierung war die Investmentbank JP Morgan als Bookrunner tätig. Bei einem Platzierungspreis von 50 Schwedischen Kronen je Haldex-Aktie fließen den Friedrichshafenern 445 Millionen Schwedische Kronen (umgerechnet 42 Millionen Euro) zu. ZF wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unterstützt. Größter Aktionär der Schweden ist nun der Bahnzulieferer Knorr-Bremse, der eigenen Angaben zufolge 10 Prozent an Haldex hält.

Transdev ist an einer Teil-Übernahme von Arriva interessiert: Das französische Eisenbahnunternehmen interessiert sich für Aktivitäten der Deutschen-Bahn-Tochter „in vier Ländern in Mittelosteuropa, darunter in Polen oder Tschechien”, wie Transdev-Chef Thierry Mallet gegenüber der „Süddeutschen Zeitung” sagte. Allerdings ist der in der Branche diskutierte Verkaufspreis von 4 Milliarden Euro dem Vorstandschef zufolge „hoch gegriffen“. Wie wahrscheinlich es ist, dass die Deutsche Bahn sich auf einen Teilverkauf von Arriva einlässt, ist nicht abzusehen: Weil die Berliner mit einem hohen Schuldenberg zu kämpfen haben, soll Arriva bevorzugt als Ganzes verkauft werden.

DER Touristik baut das Geschäft in Osteuropa weiter aus: Über ihr tschechisches Tochterunternehmen Exim übernimmt die Rewe-Reisetochter den Prager Konkurrenten Fischer. Verkäufer ist die tschechische Private-Equity-Gesellschaft KKCG mit Sitz in Luzern. Finanzielle Details der Transaktion, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedarf, werden nicht genannt. Die Anwaltskanzlei Eversheds Sutherland (Federführung: Michael Prüßner) hat DER Touristik bei dem Zukauf unterstützt.

Nach dem Einstieg in die Unternehmensgruppe Holder sichert sich Kärcher nun auch die restlichen Anteile: Der Reinigungsspezialist aus Winnenden übernimmt den Reutlinger Hersteller von Kommunalfahrzeugen komplett. Wie die Reutlinger mitteilten, wird Holder auch nach dem Zukauf als eigenständiges Unternehmen weitergeführt, alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. Kärcher wurde bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Anne de Boer und Peter Ladwig) beraten.

KKR
kauft ein Add-on für Hyperion: Der PE-Investor übernimmt für sein Neusser Portfoliounternehmen, das Hartmaterialien herstellt, den Wettbewerber Arno Friedrichs Hartmetall. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins hat KKR und Hyperion bei der Transaktion, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedarf, beraten.

KDX Europe Composites R&D Center
bekommt einen neuen Eigentümer: Der Finanzinvestor Mission Blue übernimmt das insolvente bayerische Unternehmen. Mission Blue ist eine Tochter der chinesischen PE-Gesellschaft Nio. Verkäufer von KDX ist die chinesische Investmentgesellschaft Kangde. Zu finanziellen Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht. KDX ist auf die Forschung, Entwicklung und Produktion von Verbundwerkstoffen im Bereich Automotive spezialisiert. Bei der Transaktion wurde Mission Blue von der Rechtsanwaltskanzlei King & Wood Mallesons begleitet.

EMH
übernimmt die Mehrheit an der Agentur Avantgarde: Wie die Münchener Beteiligungsgesellschaft bekanntgab, erwirbt sie neben der Minderheitsbeteiligung des VC-Investors Afinum einen „kleinen Teil der Anteile des Avantgarde-Managements“. Dieses bleibt aber mit einem „signifikanten Anteil“ am Unternehmen beteiligt. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Mit rund 750 Mitarbeitern erwirtschaftete der Münchener Dienstleister im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 80 Millionen Euro. EMH wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei McDermott Will & Emery (Federführung: Nikolaus von Jacobs) beraten. Die Anwaltskanzlei CMS (Federführung: Oliver Thurn) hat Afinum beim Verkauf unterstützt.

Die Unternehmensgruppe Seuffer ist aus der Insolvenz gerettet: Die Londoner Beteiligungsgesellschaft Blantyre erwirbt alle Vermögenswerte des Calwer Unternehmens. Die Gesellschaft firmiert ab sofort unter dem Namen AST (Advanced Sensor Technologies), benannt nach dem Blantyre-Portfoliounternehmen, für das die Gesellschaft zukauft. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Seuffer war Ende 2018 aufgrund von Fehlinvestitionen in die Insolvenz gerutscht. Die Anwaltskanzlei Willkie Farr & Gallagher (Federführung: Axel Wahl) hat Blantyre bei der Transaktion begleitet. Der Insolvenzverwalter von Seuffer, Tibor Braun, wurde beim Verkauf von den Rechtsanwälten von Menold Bezler (Federführung: Jost Rudersdorf) beraten.

Der irische Lebensmittelhersteller Dawn Farm Foods übernimmt Haas, einen saarländischen Produzenten von Toppings für Tiefkühlprodukte. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Deal steht noch unter Kartellvorbehalt und soll in diesem Monat abgeschlossen werden. Der Haas-Gründer wurde beim Verkauf von der M&A-Beratung IMAP unterstützt.

Primepulse
steigt bei Vectron ein: Die Münchener Beteiligungsgesellschaft sichert sich rund 10 Prozent der Anteile an dem Hersteller von Kassensystemen. Verkäufer sind die beiden Vectron-Gründer Thomas Stümmler und Jens Reckendorf. Wie das Unternehmen aus Münster mitteilte, halten die Gründer zusammen nun noch 46 Prozent der Anteile und bleiben weiterhin die größten Aktionäre von Vectron. Der Kaufpreis orientiert sich der Unternehmensmitteilung zufolge an dem Durchschnittskurs der vergangenen Monate.

Aurelius
verkauft die tschechischen und slowakischen Tochtergesellschaften seines Portfoliounternehmens Office Depot Europe an die PBS-Gruppe. Der österreichische Bürobedarf-Händler sieht in den Unternehmen „eine starke Verbindung“, die er vor allem im osteuropäischen Vertrieb nutzen will. Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zusagen. Der bayerische Private-Equity-Investor ist seit Anfang 2017 in das Europageschäft des US-Konzerns Office Depot investiert.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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