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Scope schluckt Euler Hermes Rating

M&A-Deal in der Welt der Ratingagenturen: Scope übernimmt den Wettbewerber Euler Hermes Rating.
chinnarach - stock.adobe.com

M&A-Deal in der Rating-Branche: Scope übernimmt den Wettbewerber Euler Hermes Rating. Das teilte die Ratingagentur am heutigen Mittwoch mit. Verkäufer sind der Versicherungskonzern Allianz sowie der Kreditversicherer Euler Hermes, die Euler Hermes Rating im Jahr 2001 gegründet hatten. Die Transaktion findet rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres statt. Das Unternehmen soll in „Scope Hamburg“ umbenannt werden und wird komplett in die Scope Group integriert. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Scope erweitert Projektfinanzierung

Seit der Gründung vor knapp 20 Jahren hat es sich Scope zum Ziel gemacht, das Oligopol der US-Platzhirsche S&P, Moody’s und Fitch aufzubrechen und ein europäisches Gegengewicht zu dem US-Trio zu werden. Die aktuelle Transaktion betrachtet Scope als weiteren Schritt in diese Richtung, erweitert die Agentur damit ihr Leistungsangebot doch deutlich: Euler Hermes Rating ist auf kleine und mittelgroße Unternehmen und Projektfinanzierungen fokussiert. Scope hingegen ist vor allem im Bereich Kreditratings tätig und bietet zudem ESG– sowie Fonds-Analysen an.

Mit der Übernahme setzt Scope darauf, dass im Zuge der Energiewende und der fortschreitenden Integration der europäischen Kapitalmärkte das Interesse der Investoren an Projektfinanzierungen sowie an kleinen und mittelständischen Firmen weiter ansteigen wird. Aus Sicht von Scope lohnt sich die Expansion in diesem Markt, bevor er von anderen Playern dominiert wird.

Tatsächlich befeuert die Europäische Kommission diesen Trend, indem sie im Zuge der engeren Verzahnung der Kapitalmärkte der EU-Mitgliedsstaaten eine stärkere Kapitalmarktorientierung unter anderem bei Infrastrukturprojekten und deren Finanzierung fordert. Einheitliche und vereinfachte Regeln sollen kleinen und mittelständischen Unternehmen den Weg an den Kapitalmarkt erleichtern.

Euler Hermes Rating bringt 70 Mandate zu Scope

Im Rahmen der Übernahme wechselt ein Team von ungefähr 15 Analysten zu Scope, teilte ein Scope-Sprecher auf FINANCE-Nachfrage mit. Außerdem bringe Euler Hermes Rating etwa 70 Ratingmandate mit, darunter vor allem in den Bereichen Renewables, Offshore und Wind. Konkrete Details zu den Mandaten teilte die Ratingagentur nicht mit.

Den Bereich Projektfinanzierungen baut Scope nach eigenen Angaben bereits seit rund drei Jahren auf. Dafür hatte die Ratingagentur zunächst eigene Analysten angeheuert – darunter zum Beispiel den Leiter des Projektfinanzierungsbereichs Torsten Schellscheidt, den Scope von Euler Hermes Rating holte. Er ist nicht der einzige Mitarbeiter, den die Ratingagentur von Euler Hermes abwarb: Anfang 2019 verstärkte sich Scope bereits mit dem Euler-Hermes-Rating-Chef Ralf Garrn.

Scope übernahm auch schon Feri Ratings

Dass Scope nun auf anorganisches Wachstum statt auf den weiteren Ausbau des Teams aus eigener Kraft setzt, begründet ein Scope-Sprecher mit dem „perfekten Match“: „Wir hatten es schon auf unserer Agenda, uns in den Bereichen zu verstärken, in denen Euler Hermes Rating aktiv ist. Außerdem hat das Unternehmen eine gute Reputation und gute Analysten.“

Für Scope markiert die Übernahme von Euler Hermes Rating die dritte Transaktion innerhalb von zehn Jahren. Im Jahr 2012 kaufte die Ratingagentur PSR Rating und erweiterte damals ihr Angebot um Kreditratings. Vier Jahre später übernahmen die Berliner die Rating-Sparte von Feri, einer Tochter des Finanzdienstleisters MLP. Seitdem bietet die Agentur auch Länderratings, Immobilienresearch und Fondsanalysen an.

Scope war in die Schlagzeilen geraten, weil die Ratingagentur der Bremer Greensill Bank kurz vor deren Pleite noch ein Investmentgrade-Rating von BBB+ ausstellte. Potentielle Interessenkonflikte würden in Übereinstimmung mit der entsprechenden Regulierung gesteuert, so das Unternehmen gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Die Greensill Bank steht derzeit unter dem Verdacht der Bilanzmanipulation.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Alles rund um die Entwicklungen bei der Berliner Ratingagentur erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Scope.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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